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Wirtschaft Wulff bringt Porsche gegen sich auf
Nachrichten Wirtschaft Wulff bringt Porsche gegen sich auf
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23:25 13.07.2009
Von Lars Ruzic
Porsche VW Katar Wulff Piëch
Quelle: Michael Latz/ddp
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Wulff brachte gestern Porsche gegen sich auf, weil er Form und Ausgestaltung eines möglicherweise bevorstehenden Einstieg des Emirats Katar bei Porsche und VW öffentlich in Zweifel zog.

Mit Blick auf die Katar-Offerte, die angeblich „endverhandelt“ und damit unterschriftsreif sein soll, sagte Wulff in Berlin: „Das ist schon ein bisschen skurril. Ich denke, in den nächsten Tagen wird sich zeigen, dass da einige ganz schön viel Verwirrung betrieben haben.“ Auch aus dem Umfeld anderer VW-Aufsichtsräte und der VW-Banken hieß es, die Berichte über ein 7 Milliarden Euro schweres Gebot Katars für je gut ein Viertel der Anteile an Porsche und VW seien „Unsinn“. Porsche widersprach: „Herr Wulff kann nicht beurteilen, ob Porsche ein Angebot von Katar vorliegt, da er in die Verhandlungen nicht eingebunden ist“, sagte ein Sprecher.

„Wir gehen davon aus, dass die Familien Porsche und Piëch die nächsten Tage Klarheit schaffen, und dass wir dann zu einer guten Lösung kommen“, sagte Wulff. Ein „gute Lösung“ aus seiner Sicht wäre, wenn VW – wie von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch geplant – Porsche einen Teil seines Sportwagengeschäfts abkaufen würde. Diese Offerte mit einem Volumen von rund 4 Milliarden Euro lehnt Porsche-Chef Wendelin Wiedeking jedoch kategorisch ab.

Derzeit wägen die Familien Für und Wider der unterschiedlichen Vorschläge ab. In Konzernkreisen wird damit gerechnet, dass sie sich bis spätestens morgen entscheiden. Denn falls VW Porsche-Anteile übernehmen sollte, wäre dazu in Wolfsburg eine Aufsichtsratssitzung am selben Tag nötig, an dem auch die Porsche-Aufseher tagen. Die Sitzung in Stuttgart ist für den 23. Juli anberaumt. Da die VW-Kontrolleure eine Woche vorher eingeladen werden müssen, wäre Donnerstag der letzte Termin.

Auch nach Einschätzung von Börsenexperten kann der durch den Einstieg bei Volkswagen hoch verschuldete Sportwagenbauer kaum auf eine 7 Milliarden Euro schwere Finanzspritze des Emirats Katar hoffen. Um Barmittel in dieser Größenordnung von den Scheichs einzusammeln, müsse Porsche sich von deutlich mehr als von 25 Prozent der Stammaktien und seinem Optionspaket auf VW-Aktien trennen, hieß es.

Die Analysten von Equinet schrieben in einer Kurzstudie: „Die gerüchteweise transportierten 7 Milliarden Euro erscheinen aus unserer Sicht viel zu hoch.“ Die Anleger griffen trotz dieser Bedenken an der Börse beherzt zu und trieben die Porsche-Vorzüge um mehr als 9 Prozent auf 46,19 Euro in die Höhe.

Jens Heitmann 13.07.2009
Carola Böse-Fischer 13.07.2009