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Wirtschaft Wissmann für intelligentere Verknüpfung von Lkw, Bahn und Schiff
Nachrichten Wirtschaft Wissmann für intelligentere Verknüpfung von Lkw, Bahn und Schiff
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20:14 20.02.2011
VDA-Präsident Matthias Wissmann.
VDA-Präsident Matthias Wissmann. Quelle: dpa
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Die Logistik ist eine der wichtigsten Wachstumsbranchen in Deutschland. Ist dieses Wachstum auf der Straße überhaupt noch zu bewältigen, Herr Wissmann?
Deutschland liegt in der Mitte des Kontinents und damit der Verkehrsströme. Diese sind nur mit einer intelligenten Verknüpfung aller Verkehrsträger zu bewältigen, vom Lkw über die Bahn bis zum Schiff. Deutschland hat die erfolgreichste Logistikbranche der Welt – mit bundesweit immerhin 2,7 Millionen Arbeitsplätzen. Wir liegen bei Kriterien wie Pünktlichkeit, Infrastruktur und Qualität ganz vorn. Damit das so bleibt, sollten wir endlich die alten Grabenkämpfe zwischen den Verkehrsträgern beenden. Ich für meinen Teil habe das längst getan.

Was kann verbessert werden?
Wir müssen wesentlich mehr für eine intelligente Verkehrssteuerung tun. Die Telematik bietet viele Möglichkeiten, aber sie werden noch nicht richtig ausgeschöpft. Zudem sollten wir moderne Verkehrsleitsysteme intensiver nutzen, um Staus zu vermeiden. An einigen Stellen müssen aber auch Tabus überwunden werden. Dazu gehört nach meiner Überzeugung die Längenbegrenzung beim Lkw.

Sie meinen den Monstertruck?
Eben nicht! Da geht immer gleich diese Schublade auf. Niemand in der Branche will einen Sechzigtonner, das würde auch die Infrastruktur an ihre Grenzen bringen. Es geht um mehr Volumen, nicht um mehr Gewicht. Dafür brauchen wir eine maßvolle Verlängerung der Fahrzeuge. Nach Erfahrungen mit dem Lang-Lkw in den Bundesländern könnte man dadurch die Zahl der Fahrten um ein Drittel reduzieren. Wenn statt drei Fahrten nur noch zwei nötig sind, wird das den Lkw-Verkehr spürbar entlasten.

Gerade wird der Markt für Fernbusse liberalisiert. Bringt das nicht wieder Verkehr von der Schiene auf die Straße?
Das sehe ich nicht so. Wir rechnen vielmehr damit, dass Reisende vom Pkw auf den Bus umsteigen, die Straße also eher entlastet wird. Im Übrigen ist diese längst überfällige Liberalisierung ein konstruktiver Beitrag: Sie ermöglicht Wettbewerb und bietet auch mittelständischen Anbietern Chancen. Hinzu kommt: Der Bus kann sich auch in der Klimabilanz sehen lassen.

In der Vergangenheit hat Ihr Verband regelmäßig mehr Investitionen in den Straßenbau gefordert. Ist das nicht mehr akut?
Zunächst einmal verdient die Bundesregierung – die heutige Koalition ebenso wie ihre Vorgängerin – ein Lob dafür, dass in den Konjunkturpaketen die Verkehrsinvestitionen hochgefahren wurden. Der Aktionsplan Güterverkehr und Logistik verfolgt das richtige Ziel: Verkehr nicht verhindern, sondern umweltfreundlich ermöglichen. Allerdings sehen wir mit Sorge, dass die Verkehrsinvestitionen in diesem Jahr schon wieder unter 10 Milliarden Euro sinken.

Wenn es um die Verteilung dieses Geldes geht, hört die Freundschaft unter den Verkehrsträgern wahrscheinlich auf?
Ich bin kein Straßenapostel. Ein modernes Industrieland wie Deutschland braucht eine gute Transportinfrastruktur, ob es nun Straßen, Schienen, Flughäfen oder Wasserwege sind. Es geht um den Ausbau aller Verkehrsträger und ihre Vernetzung.

Angesichts der Staatsverschuldung ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich gering, dass hier mehr Geld fließt.
Wir brauchen mehr Effizienz, mehr Infrastruktur pro Euro. Deshalb fordert der VDA einen regelmäßigen Bericht über den Zustand der Verkehrsinfrastruktur. Außerdem sind die Möglichkeiten für staatliche Gemeinschaftsprojekte, sogenanntes Public-Private-Partnership, noch lange nicht ausgeschöpft. Und schließlich stünden mehr Mittel zur Verfügung, wenn die Einnahmen aus der Lkw-Maut tatsächlich für diesen Verkehrsträger genutzt würden.

Von Public-Private-Partnership ist schon lange die Rede, aber sie kommt nicht in die Gänge. Woran liegt das?
Da gab es in den neunziger Jahren tatsächlich größere Begeisterung. Aber letztlich fehlt es auf allen Seiten an der Bereitschaft, bei solchen Großprojekten ins Risiko zu gehen.

Wie kann man das ändern?
Ich plädiere dafür, eine eigene Gesellschaft zur Verkehrsinfrastrukturfinanzierung zu schaffen. Sie könnte öffentliche und private Gesellschafter haben und sollte begrenzt kreditfähig sein. Wichtig ist eine privatrechtliche Struktur dieser Gesellschaft. Sie muss leistungsorientiert arbeiten. Wir brauchen keine weitere Verwaltung. Der Bundesverkehrsminister ist übrigens sehr offen diesem Ansatz gegenüber. Ich kann ihn nur ermuntern, diesen intelligenten Plan weiter zu verfolgen.

Interview: Stefan Winter