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Wirtschaft Windenergie aus der Nordsee bleibt Vision
Nachrichten Wirtschaft Windenergie aus der Nordsee bleibt Vision
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22:35 11.07.2013
Ein weiteres Stützkreuz für ein Windkraftrad wird in der Nordsee gesetzt.
Ein weiteres Stützkreuz für ein Windkraftrad wird in der Nordsee gesetzt. Quelle: dpa
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Berlin

Wird es nichts mit der Vision, könnten Kohlekraftwerke das Abschalten der Atommeiler auffangen, weil sich Gaskraftwerke kaum rechnen. Denn Sonne und Wind an Land liefern zu unbeständig Strom.

Die Realität ist trübe, gerade mal Turbinen mit 320 Megawatt liefern Strom. Bis zur Bundestagswahl hat sich die schwarz-gelbe Regierung eine Art Schweigegelübde in der Offshore-Windenergie auferlegt. Aber ein wichtiger Regierungsbeamter macht keinen Hehl daraus, dass es einen Abschied vom 10 000-Megawatt-Ziel geben werde. Nach der Wahl. Maximal 6000 Megawatt seien wegen der Investitionszurückhaltung erreichbar.

Selbst das könnte zu optimistisch sein, wie eine im Mai an den für die Nordsee zuständigen Netzbetreiber Tennet übergebene Studie nahelegt. Der Projektbericht des auf Offshore-Windparks spezialisierten Beraters Michael Erler spricht Klartext: Nur für 2900 Megawatt gebe es eine Finanzierung, davon seien 2300 Megawatt in der Errichtung. Da in der Bauphase „erhebliche technische Schwierigkeiten“ aufgetreten seien, schreckten Investoren vor dem Einstieg in neue Projekte zurück.

Hinzu kommen höhere Wartungskosten als erwartet. Selbst bis 2023 rechnet Erler nur mit 3700 (konservativ) bis maximal 5900 Megawatt (optimistisch). Die Bundesregierung hält offiziell an 10 000 Megawatt bis 2020 und 25.000 Megawatt bis 2030 fest. Für die Firmen an der Küste, die sich auf den Offshore-Bereich spezialisiert haben, könnte es ein böses Erwachen mit einer Bedrohung Tausender Arbeitsplätze geben. Einige sind schon insolvent.

Aber auch die Verbraucher könnte das Ganze einiges kosten. Tennet-Chef Lex Hartman musste als Prügelknabe für das verspätete Anschließen von Offshore-Anlagen herhalten. Die Branche sieht darin einen Grund dafür, warum sich so wenige Windräder drehen. Dann kam eine Haftungsregelung, Risiken für Netzprobleme wurden abgewälzt. Daher gibt es seit Anfang des Jahres eine Offshore-Umlage, die einen Drei-Personen-Haushalt bei den Stromkosten jährlich rund 9 Euro kostet.

Manche Probleme haben sich beschleunigt. Anschlüsse und Seekabel könnten bereits stehen, Windturbinen nicht. „Bereits zeitnah geplante Beauftragungen weiterer Netzanbindungen könnten hohe Leerkosten verursachen, die über die Netzentgelte vom Verbraucher getragen werden müssten“, heißt es in dem Bericht. Tennet schaffe Abtransportkapazitäten für 6200 Megawatt, zu viel, wenn Windparks mangels Geld kleiner ausfallen. Es drohen Kosten für nicht genutzte Leitungen, die die Bürger über den Strompreis zahlen müssen.

Um die verfahrene Lage zu retten, fordert Andreas Wagner, Geschäftsführer der Stiftung Offshore-Windenergie, eine rasche gesetzliche Regelung. Nur bis 2017 gilt das sogenannte Stauchungsmodell, bei dem für acht Jahre 19 Cent pro Kilowattstunde gezahlt werden. Wenn es verlängert würde, um mehr Investoren anzulocken, könnte die Vision wieder realer werden. Aber die Kehrseite dürften neue Strompreiserhöhungen sein. Der Energieexperte Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht das Ganze daher als „ökonomischen und technologischen Irrläufer“.

dpa

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