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Wirtschaft Einschüchterung? Weil sorgt sich um Enercon-Mitarbeiter
Nachrichten Wirtschaft Einschüchterung? Weil sorgt sich um Enercon-Mitarbeiter
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16:56 17.11.2019
Der Windanlagenbauer Enercon will massiv Stellen abbauen – und bekommt dafür Schelte von der niedersächsischen Landesregierung. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Aurich

Nach der Ankündigung eines massiven Stellenabbaus beim Windanlagenbauer Enercon im ostfriesischen Aurich hat sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) besorgt über den Umgang der Unternehmensführung mit den Mitarbeitern gezeigt. Da scheine vieles nicht zum Besten zu stehen, sagte er in Aurich nach einem Gespräch mit Enercon-Betriebsräten am Sonnabend, an dem auch Umweltminister Olaf Lies (SPD) teilnahm. „Da war von Angst und Einschüchterung die Rede. Ich wünsche mir sehr, dass man diese Krise auch zum Anlass für einen Neustart im Umgang untereinander nimmt“, betonte Weil.

Weil: „Falsche Rahmenbedingungen“

Die Windenergie insgesamt sei in einer tiefen Krise, und die Politik habe dafür derzeit die falschen Rahmenbedingungen im Angebot, kritisierte der Ministerpräsident. Dies sei schlecht für die Industrie, die Beschäftigten und am Ende auch für den Klimaschutz. In Deutschland könne Klimaschutz ohne erneuerbare Energien und vor allem ohne Windstrom nicht gelingen. Die niedersächsische Landesregierung werde sich in den kommenden Wochen und Monaten „maximal“ auf Rahmenbedingungen konzentrieren, die einen Neustart der Energiewende in Deutschland möglich machten, kündigte Weil an.

Pressekonferenz: Der Bundestagsabgeordnete Johann Saathoff (SPD, von links), Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD), Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), Thomas Gelder von der IG Metall Leer/Papenburg und Michael Hehemann von der IG Metall Emden nach einem Treffen mit Enercon-Betriebsräten und Gewerkschaftsvertretern. Quelle: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Um den Ausbau der Windenergie wieder in Schwung zu bringen, hatte er am Freitag vom Bund eine Vereinfachung von Genehmigungsverfahren für neue Anlagen gefordert. Die Flaute beim Bau von neuen Windrädern an Land könnte sich nach Weils Einschätzung mit den geplanten Abstandsregeln für neue Anlagen noch verschärfen. „Für Niedersachsen werden wir die 1000 Meter Abstand nicht annehmen und von den Ausstiegsmöglichkeiten Gebrauch machen“, sagte Weil im Hinblick auf die vorgesehenen Regelungen.

Es könnten noch mehr als 3000 Stellen werden

Enercon - einer der größten deutschen Hersteller von Windkraftanlagen - hatte vergangene Woche eine umfassende Neuausrichtung des Unternehmens angekündigt. Von dem Stellenabbau dürften die Standorte in Ostfriesland und Magdeburg jeweils zur Hälfte betroffen sein. Es geht um den Abbau von insgesamt 3000 Stellen – aber es könnten durchaus auch mehr werden. Die „Neue Osnabrücker Zeitung“ berichtete in ihrer Ausgabe von Sonnabend mit Blick auf die 3000 Stellen von einer „Minimalschätzung bis Ende 2020“ und bezog sich damit auf eine Stellungnahme des Unternehmens an die Landesregierung. Das entsprechende Papier wurde am Sonnabend in Regierungskreisen bestätigt.

Minister Lies kritisiert Unternehmensführung scharf

Umweltminister Lies betonte bei dem Besuch in Aurich hinsichtlich der vielen kleinen Gesellschaften bei Enercon, dass dort die Devise „teile und herrsche“ gelte. Dies gebe es in dieser Form nur bei ganz wenigen Unternehmen, die er kenne. Fragezeichen und Unklarheiten sah er auch bei der Gesamtstruktur des Unternehmens. Enercon stehe in der Öffentlichkeit unter Druck. Vor allem die Gewerkschaft IG Metall müsse bei Lösungen mit einbezogen werden. Er sei nicht mehr bereit, sich an die Seite eines Unternehmens zu stellen, wenn sich das Unternehmen nicht mit an seine Seite stelle, sagte Lies mit Blick auf die Firmenführung.

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Von Christina Sticht