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Wirtschaft „Wie können Sie das verantworten?“: Luisa Neubauer liest RWE-Aktionären die Leviten
Nachrichten Wirtschaft „Wie können Sie das verantworten?“: Luisa Neubauer liest RWE-Aktionären die Leviten
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13:30 04.05.2019
Luisa Neubauer von „Fridays for Future“ spricht bei der RWE-Hauptversammlung. Quelle: imago images / Jürgen Schwarz
Essen

Ihr Rederecht bei der RWE-Hauptversammlung am Freitag hat die Klimaaktivistin Luisa Neubauer für einen mahnenden Appell genutzt. Im Rahmen der Schüler-Protestbewegung „Fridays for Future“, die vor dem Gebäude lautstark gegen Kohlestrom demonstrierten, lieferte sich die Göttinger Studentin einen Schlagabtausch mit dem Vorstandschef des größten deutschen Braunkohle-Verstromers, Rolf Martin Schmitz.

Schmitz versuchte es zunächst mit Lob für die Schüler, die aus mehreren Städten nach Essen gekommen waren um anschließend durch die Innenstadt zur RWE-Zentrale zu ziehen. Klima- und Umweltschutz seien Herausforderungen für alle Generationen, sagte Schmitz. „Ich finde es daher gut, dass sich viele Schülerinnen und Schüler dafür interessieren.“ Es lohne sich, für den Klimaschutz „seine Stimme zu erheben“.

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Und das tat Neubauer, die von kritischen Aktionären des Konzerns geladen wurde. „Kein Konzern in ganz Europa trägt mehr Verantwortung für die Klimakrise als RWE“, hielt sie den Aktionären im Saal vor. Die RWE-Anteilseigner verkauften „ihre Verantwortung für ein paar Cent Rendite“. Die Aktionäre dürften sich nicht zu schweigenden Komplizen von Konzernchef Schmitz machen.

Wer nach 2030 noch ernsthaft plane, Kohle zu verstromen, „hat nicht verstanden, in welcher Krise wir sind“, kritisierte Neubauer. „Wie können Sie das vor mir und meiner Generation verantworten.“ „Fridays for Future“ fordert, ein Viertel der Kohlekraftwerke bereits bis zum Ende dieses Jahres abzuschalten und bis 2030 ganz aus der Kohleverstromung auszusteigen. Die Kohlekommission der Bundesregierung hatte das Kohle-Aus für 2038 empfohlen.

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RWE-Chef betont Wegfall von Arbeitsplätzen

Schmitz zeichnete ein anderes Bild der „neuen RWE“. Von 2012 bis 2018 habe RWE den Kohlendioxidausstoß um 34 Prozent reduziert. „Das ist in einem viel kürzeren Zeitraum mehr, als Deutschland seit 1990 erreicht hat.“ Die Kohlekommission habe neben dem Klimaschutz auch die Versorgungssicherheit und soziale Aspekte berücksichtigen müssen. Dabei sei es um Arbeitsplätze gegangen, die auch Neubauers Generation brauche.

Schon bald werde der Konzern bei den erneuerbaren Energien zu den internationalen Marktführern gehören, betonte Schmitz. Ermöglichen soll das ein Milliardendeal mit dem Konkurrenten Eon, der RWE schlagartig zur Nummer drei bei den erneuerbaren Energien in Europa und weltweit zur Nummer zwei bei Windkraft auf See machen würde. „Kein Unternehmen setzt so konsequent auf Umbau“, warb Schmitz für seinen Kurs.

Für den Umbau fordert das Unternehmen allerdings auch eine saftige Entschädigung von der Bundesregierung. Eine Kompensation von 1,2 bis 1,5 Milliarden Euro pro Gigawatt abgeschalteter Leistung sei fair, sagte Schmitz im März diesen Jahres. Die hohen Forderungen begründet der RWE-Chef mit dem Wegfall von Arbeitsplätzen.

Bis RWE ein grüner Stromproduzent wird, ist es noch ein weiter Weg. „In den letzten acht Hauptversammlungen haben die Vorstandsvorsitzenden der RWE in ihren Reden kein einziges Mal das Wort „Klimawandel“ erwähnt“, twitterte Neubauer am Freitag.

Insgesamt verfügte RWE Ende vergangenen Jahres europaweit über eine Erzeugungskapazität von knapp 42 Gigawatt. Nach der geplanten Zerschlagung der eigenen Tochter Innogy und der Übernahme des Grünstroms von Eon wird RWE eine Kapazität an Erneuerbaren von 9 Gigawatt verfügen – etwa 20 Prozent des gesamten Erzeugnis. Pro Jahr sollen künftig weitere 2 bis 3 Gigawatt hinzukommen.

Kritik an der Abholzung des Hambacher Forsts

Kritik zu hören bekam Schmitz aber auch von ganz anderer Seite. Winfried Mathes von der Sparkassentochter Deka Investment warf dem Konzernchef vor, mit seinem langen Beharren auf der Abholzung des Hambacher Forsts RWE einen Reputationsschaden zugefügt zu haben. Deka werde für die Nichtentlastung des Vorstands stimmen, kündigte Mathes an. Das solle ein Anreiz sein, damit SchmitzRWE möglichst schnell in eine kohlefreie Zukunft“ führe.

Einen Aufstand der Aktionäre, die beim Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer dem Vorstand spektakulär die Entlastung verweigert hatten, musste Schmitz aber nicht befürchten. Dafür sorgen schon Kursgewinne, die RWE im vergangenen Jahr zum zweitbesten Dax-Titel gemacht hatten, wie Thomas Deser von Union Investment lobte. Und Aktionärsvertreter Thomas Hechtfischer freute es, dass Schmitz mit den erwarteten Milliarden-Entschädigungen für Kraftwerke „offenbar einen Weg gefunden habe, „aus Kohle Gold zu machen“. Lob kam auch von den Kommunen, die noch immer rund ein Fünftel der RWE-Anteile halten. Anders als in früheren Jahren gebe es angesichts der gestiegenen Dividende wenig zu kritisieren, meinte deren Vertreter Ernst Gerlach.

Von RND/mkr/dpa

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