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Wirtschaft Der Keks-König wird 65
Nachrichten Wirtschaft Der Keks-König wird 65
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08:51 12.04.2014
Von Lars Ruzic
Werner Michael Bahlsen, kurz „WMB“, feiert am Sonntag seinen 65.
„WMB“ 1982 (kl. Bild) und 2014.Archiv/dpa Quelle: Jochen Lübke
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Hannover

Pralinen zu schenken wäre wohl unangebracht. Wenn jemand ausreichend Süßes im Haus hat, dann wird es Werner Michael Bahlsen sein. Andererseits: Er behält die Konkurrenz gern im Auge – und auf der Zunge. Am Sonntag feiert Bahlsen seinen 65. im Familienkreis. Ob beim Geburtstagskaffee nur die „gelegte Mischung“ aus dem eigenen Haus auf den Tisch kommt oder auch Produkte der Konkurrenz, ist nicht zu erfahren.

Für „WMB“, wie sie ihn intern nennen (und wie es meist auf seine Hemden gestickt wird), wird ausgerechnet das Jahr, in dem viele in den Ruhestand gehen, besonders arbeitsreich. Zum einen gilt es, nicht nur seinen 65. zu feiern, sondern auch das 125. Jubiläum seines Kekskonzerns und 15 Jahre Aufspaltung in Süß und Salzig. Damals beendeten die drei Familienstämme einen über Jahre dauernden Streit, in dem sie das Unternehmen zerschlugen und untereinander aufteilten. Es war der Schlussstrich unter „eine lange und unangenehme Zeit“, wie es Bahlsen einmal umschrieben hat.

Es gehört zu den positiven Eigenschaften des zweitältesten Sohns von Kekspatriarch Werner Bahlsen, das eigene Wirken selbstkritisch - und mitunter selbstironisch - beleuchten zu können. Das gilt für seine Konditorausbildung nach dem Abitur, wo er anfangs Probleme hatte, die Autorität des Meisters anzuerkennen. Das gilt für seinen frühen Start im eigenen Unternehmen, wo er gleich nach Studium und Praktika im Alter von 26 Jahren Verantwortung übernahm. „Man sollte Anfängerfehler lieber erst mal woanders machen“, hat er einmal erzählt. „Keiner traut sich, dir zu sagen: ,Du bist ein Idiot.‘“ Und das gilt auch für so manche Entscheidung als Unternehmer - etwa die Abschaffung des Weihnachtsgebäcks, die Bahlsen nach wütenden Kundenprotesten kurzerhand wieder zurücknahm.

Derzeit hinterfragt „WMB“ wieder so einiges im eigenen Unternehmen. Ausgerechnet die Marke, die seinen Namen trägt, ist eine Dauerbaustelle. Kaffeekränzchen mit Bahlsen-Keksen mag es noch bei Geburtstagen geben - doch Kekse werden heute anders verzehrt: eher unterwegs und in kleinen Mengen. Gerade ist das Unternehmen dabei, die Marke diesen veränderten Konsumgewohnheiten anzupassen. Mit der zweiten Marke Leibniz ist das dem passionierten Jäger und Cello-Spieler schon vor Jahren gelungen.

Die größte Baustelle ist aber wohl sein Unternehmen selbst. Den einst berüchtigten „Keksbeamten“ gibt es bei Bahlsen zwar kaum noch. Aber die Strukturen waren lange ineffizient, zwischen Entwicklung und Marktstart verging zu viel Zeit. Derzeit ist der Präsident der Unternehmerverbände Niedersachsen dabei, seinem Konzern auch Konzernstrukturen zu geben - mit einer Holding, die nur Strategien festlegt, und Landesgesellschaften, denen das operative Geschäft von der Produktion bis zum Vertrieb obliegt.

Bahlsen rüstet das Unternehmen damit auch für seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft. Wann der Wechsel in den Beirat genau kommt, weiß wohl nur er allein. Die vier Kinder studieren alle noch - und zeigen bislang wenig Interesse, dem Vater nachzufolgen. So kann es gut sein, dass der nächste Bahlsen-Chef erstmals kein Bahlsen sein wird.

Lars Ruzic 11.04.2014
11.04.2014
11.04.2014