Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Werften kämpfen um Zukunftsmärkte
Nachrichten Wirtschaft Werften kämpfen um Zukunftsmärkte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:14 07.09.2012
In der Schiffbauhalle der Stralsunder Volkswerft wird an den Spezialfrachtern für die dänische Reederei DFDS A/S gearbeitet.
In der Schiffbauhalle der Stralsunder Volkswerft wird an den Spezialfrachtern für die dänische Reederei DFDS A/S gearbeitet. Quelle: dpa
Anzeige
Hamburg

Die Werften in Deutschland beschäftigen trotz der schwierigen Lage der Branche erstmals seit vier Jahren wieder mehr Mitarbeiter. Ende August waren 16.850 Arbeitnehmer auf den Werften beschäftigt, 500 mehr als ein Jahr zuvor, ergab die regelmäßige Betriebsräte-Umfrage der IG Metall Küste in Zusammenarbeit mit dem Institut Arbeit und Wirtschaft der Universität Bremen. Dazu kommen 6500 Beschäftigte mit Werkvertrag sowie 3300 Leiharbeiter, heißt es in der am Freitag in Hamburg vorgestellten Studie. Die zusätzliche Beschäftigung kommt für die IG Metall überraschend. „Wir freuen uns, dass wir uns mit unserer Prognose im vergangenen Jahr geirrt haben", sagte Bezirksleiter Meinhard Geiken.

Das zeige einerseits, dass der Schiffbau in Deutschland eine Perspektive habe. Andererseits entscheide sich erst in der nächsten Zukunft, ob die Umstellung der Branche auf den Spezialschiffbau gelingen werde oder ob asiatische Werften die Zukunftsmärkte für sich gewinnen. Bei den deutschen Werften ist in den vergangenen zwölf Monaten kein Containerschiff, Bulker, Tanker oder konventionelles Frachtschiff in Auftrag gegeben worden. Diese Märkte sind praktisch tot; es ist mit solchen Schiffstypen auch kein Geld zu verdienen. Die erfolgreichen deutschen Werften bauen vor allem Kreuzfahrtschiffe, Fähren und Mega-Jachten.

Neue Zukunftsmärkte zeichnen sich ab, vor allem bei der Entwicklung umweltfreundlicher Schiffe und bei der Energiegewinnung vor den Küsten durch Wind, Öl und Gas. „Die Marktchancen sind von den Wachstumserwartungen her immens", sagte der Schiffbauexperte der IG Metall, Heino Bade. "Eigentlich müssten wir neue Werften bauen." Die großen globalen Aufgaben Energie, Versorgung und Verkehr könnten nur mit einer leistungsfähigen maritimen Infrastruktur gelöst werden. Koreaner und Japaner hätten das erkannt und investierten Milliarden in die Entwicklung neuer Offshore-Produkte. In Deutschland dagegen fehle staatliche Unterstützung weitgehend. „Wir haben die Politik nicht im Rücken, sondern im Nacken", sagte Bade. "Das ist das Problem."

Geiken erinnerte an die Abwrackprämie für die Automobilindustrie und an die Förderung neuer Antriebssysteme wie der Elektromobilität. Auch die Luft- und Raumfahrt genieße die Aufmerksamkeit der Politik, nicht hingegen der Schiffbau. „Die Bundesregierung hat immer noch nicht erkannt, dass die Werftindustrie eine strategisch wichtige Industrie ist", sagte der Bezirksleiter. „Vom maritimen Koordinator kommen keine Impulse." Nötig sei eine Innovationsoffensive von Politik und Industrie, um sich in dem harten Wettbewerb zu behaupten. Zudem solle sich die Regierung auf europäischer Ebene dafür einsetzen, die in weiten Teilen überalterte, ineffiziente und umweltschädliche Flotte aus dem Verkehr zu ziehen und durch moderne und energieeffiziente Schiffe zu ersetzen.

dpa

07.09.2012
07.09.2012
08.09.2012