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Nachrichten Wirtschaft Weg zur Rettung von Höft & Wessel ist frei
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08:40 19.07.2013
Von Jens Heitmann
Die Droege Group will Höft & Wessel aus der Krise führen.
Die Droege Group will Höft & Wessel aus der Krise führen. Quelle: dpa
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Hannover

Die Düsseldorfer Droege Group soll den hannoverschen IT-Spezialisten Höft & Wessel aus der Krise führen. Das Beratungs- und Investmenthaus will sich mit über 75 Prozent an dem Unternehmen beteiligen, das in den vergangenen Monaten nur noch durch den Langmut der Banken vor der Insolvenz bewahrt worden ist. Höft & Wessel soll über eine Kapitalerhöhung rund 8,5 Millionen Euro frisches Kapital zufließen. Die Gründer Michael Höft und Rolf Wessel übertragen ihr Aktienpaket komplett auf den Investor.Für dieses Sanierungskonzept haben die Aktionäre am Donnerstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung den Weg frei gemacht.

Das Treffen musste einberufen werden, weil das Unternehmen sein Eigenkapital aufgebraucht hatte und ohne dieses Rettungspaket nach eigenen Angaben in den nächsten Wochen zahlungsunfähig geworden wäre. Die ohnehin schon prekäre Lage hatte sich nochmals zugespitzt, weil die Firma mehrere Projekte rückwirkend neu bewerten musste. Sowohl für 2011 als auch für 2012 fielen die Verluste dadurch spürbar höher aus als erwartet. Unter den Bilanzen fehlen bis heute die Testate der Wirtschaftsprüfer.

Für die Schieflage des Unternehmens machte der seit einem Jahr amtierende Alleinvorstand Rudolf Spiller am Donnerstag seine Vorgänger verantwortlich. Die Führung bei Höft & Wessel sei mangelhaft gewesen, es habe weder eine Strategie noch eine nachhaltige Planung gegeben, das Unternehmen sei abhängig von Großkunden und Anschlussaufträgen und habe immer wieder neue Projekte entwickeln müssen, weil es keine Produkte von der Stange gab. Bei seinem Amtsantritt seien die Kassen fast leer gewesen, die Verschuldung habe mehr als 25 Millionen Euro betragen. Hätten die Banken ihre Kredite fällig gestellt, wäre das Unternehmen schnell am Ende gewesen, sagte der 58-Jährige.

Walter Droege strebt immer nach der Mehrheit

Höft & Wessel passt gut ins Beuteschema der Droege Group. Das Beteiligungsunternehmen sucht gezielt nach Unternehmen, die schon bessere Tage gesehen haben, zwischen 30 Millionen und einer Milliarde Euro Umsatz machen und frisches Kapital benötigen. „Wir kümmern uns um jeden Fall“, heißt es auf der Homepage des Unternehmens – „insofern die Konditionen passen.“ Eine wichtige Bedingung ist die Übernahme der Mehrheit der Anteile, angestrebt würden 100 Prozent.

Hinter der Gruppe steht der Unternehmer Walter Droege. der zu den hundert reichsten Deutschen gezählt wird. In einer Rangliste des „Manager Magazins“ steht er auf Platz 88 mit einem geschätzten Vermögen von 1,1 Milliarden Euro. Er gründete 1988 das gleichnamige Beratungs- und Investmenthaus, an dessen Spitze er auch als Vorstand steht.

Die Düsseldorfer Gruppe hat zwei Geschäftsfelder. Die Unternehmensberatung bietet Dienstleistungen für Kunden zahlreicher Branchen vom Autobau bis zur Versicherungswirtschaft an. Schwerpunkte sind Wachstumstrategien, Restrukturierung und Effizienzverbesserung. Getrennt von dem
Beratungsgeschäft für Kunden ist Droege auch Investor.
Die Tochtergesellschaft Droege Capital beteiligt sich an Firmen wie Höft &
Wessel.

Mithilfe des neuen Investors will Spiller die Firma wieder auf Wachstumskurs und in die Gewinnzone führen. Bis 2018 solle der Umsatz jährlich um 4 Prozent zulegen und am Ende die Marke von 100 Millionen Euro erreichen. Zuletzt lagen die Erlöse um ein Fünftel niedriger.

Den Preis für die Rettung des Unternehmens zahlen die Altaktionäre. Bei dem jetzt beschlossenen Kapitalschnitt werden fünf Aktien zu einer zusammengelegt, anschließend werden 8,5 Millionen Papiere zu einem Ausgabepreis von einem Euro ausgegeben. Damit die Droege Group bei diesem Manöver die von ihr gewünschte Mehrheit von mehr als 75 Prozent erhält, wird das Bezugsrecht der Altaktionäre entsprechend ihrem Anteil am Grundkapital begrenzt: Wer aktuell zehn alte Aktien hält, darf im Zuge der Kapitalerhöhung nur zwei neue Aktien erwerben.
Gegen diese Regelung gab es Widerspruch. „Das Geld des einen Investors ist nicht besser als das eines anderen“, sagte Markus Neumann von der Anlegervereinigung SdK. Er forderte die Firma auf, den Altaktionären mehr Bezugsrechte zuzugestehen. Das sei aber nicht möglich, sagte Vorstand Spiller. Die Banken hätten die „maßgebliche Beteiligung“ des neuen Investors zur Voraussetzung für ihren Forderungsverzicht gemacht. Die sechs Institute – darunter dem Vernehmen nach die Nord/LB und die Sparkasse Hannover – verzichten auf rund 12 Millionen Euro.

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