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Wirtschaft Wasserstofftechnologie: Norddeutsche Länder preschen vor
Nachrichten Wirtschaft Wasserstofftechnologie: Norddeutsche Länder preschen vor
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21:05 26.08.2019
Aus Windenergie wird Wasserstoff. Die norddeutschen Länder wollen bei dieser Technologie an einem Strang ziehen. Quelle: Andreas Arnold/dpa
Hannover

Die norddeutschen Bundesländer wollen bei der Energiewende zum Vorreiter einer umweltfreundlichen Wasserstofftechnologie werden. Durch die Umwandlung von Strom aus Wind- und Solarkraft in Wasserstoff sei es möglich, erneuerbaren Energien breitere Nutzungsmöglichkeiten zu erschließen, sagte Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Montag in Cuxhaven: „Wir wollen unser Land zur Drehscheibe und zum Mittelpunkt der zukünftigen Wasserstoffwirtschaft machen.“

Die Hoffnungen ruhen auf dem Prozess der Wasserelektrolyse: Unter Einsatz von Strom wird dabei Wasser in die Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. In einem zweiten Schritt lässt sich der Wasserstoff zu synthetischem Erdgas, Benzin, Diesel oder Kerosin verarbeiten. Zudem ist Wasserstoff ein Grundbaustein für die chemische Industrie. Genutzt wird er auch bei der Brennstoffzellentechnologie zum Antrieb von Fahrzeugen. Stammt der zur Elektrolyse eingesetzte Strom aus erneuerbaren Quellen, entsteht klimaneutraler und somit grüner Wasserstoff. Die Umwandlungsverluste sind jedoch sehr hoch; ein Teil der eingesetzten Energie geht ungenutzt verloren.

Industrie prüft Anwendungen bereits

„Die Herausforderungen in Bezug auf den Klimawandel erfordern einen beschleunigten Markthochlauf der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“, sagte Enak Ferlemann (CDU), parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, am Montag bei einer Expertentagung zu dem Thema. Um den Ausstoß von Schadstoffen zu verringern, müssten bis zum Jahr 2030 Millionen von Autos auf die Straßen kommen, die keine Emissionen verursachen. Neben der Elektromobilität könne hier auch der Antrieb über Brennstoffzellen oder synthetische Kraftstoffe eine Alternative sein. „Hinzu kommen die industriepolitischen Potenziale der Technologie für den Wirtschaftsstandort Deutschland“, sagte Ferlemann. Er kündigte an, dass der Bund bis Ende des Jahres seine Wasserstoffstrategie vorlegen werde.

In mehreren Branchen hat die Suche nach Einsatzmöglichkeiten bereits begonnen. Der Mineralölkonzern BP beispielsweise hat in seiner Raffinerie in Lingen den Einsatz von Wasserstoff für die Entschwefelung von Kraftstoffen erprobt. Der Helmstedter Netzbetreiber Avacon will bei einem Pilotprojekt in Sachsen-Anhalt erstmals Erdgas Wasserstoff beimischen, um neue Einsatzmöglichkeiten zu demonstrieren. Der Stahlkonzern Salzgitter AG arbeitet daran, Kokskohle langfristig durch grünen Wasserstoff zu ersetzen, um weniger Kohlendioxid zu produzieren.

Wasserstoff eignet sich auch als Speicher

Mit ihrer „norddeutschen Wasserstoffstrategie“ wollen die Landesregierungen auch die Energiewende voranbringen. Die Technologie biete die Möglichkeit, große Energiemengen zu speichern und damit das Angebot aus erneuerbaren Quellen zu verstetigen, hieß es in Cuxhaven. Wegen des schleppenden Ausbaus der Stromautobahnen müssen besonders die Betreiber von Windkraftanlagen ihre Einspeisungen stoppen, um einer Überlastung der Netze vorzubeugen. Werde überschüssiger Ökostrom in Küstennähe in Wasserstoff umgewandelt, könne dies eine sinnvolle wirtschaftliche Alternative sein.

Die Bundesregierung strebt ebenfalls an, die Einsatzmöglichkeiten von Wasserstoff zu erweitern. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will 100 Millionen Euro im Jahr zur Verfügung stellen, damit an 20 Standorten in sogenannten Reallaboren die Nutzung im industriellen Maßstab erprobt werden kann.

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