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Wirtschaft VW will volle Kontrolle bei Scania
Nachrichten Wirtschaft VW will volle Kontrolle bei Scania
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18:50 22.02.2014
Volkswagen will die volle Kontrolle bei Scania im Lkw-Geschäft. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Der VW-Konzern stellt seine stockende Nutzfahrzeug-Allianz vom Kopf auf die Füße: Ein milliardenschweres Angebot an die verbleibenden Scania-Aktionäre soll den Wolfsburgern bis Ende April den vollen Durchgriff sichern, um die Zusammenarbeit der Schweden mit der Münchner VW-Lkw-Tochter MAN endlich anzutreiben. Außerdem installiert Volkswagen einen neuen starken Mann als Motor des Lkw-Paktes: Top-Manager Andreas Renschler.

Der langjährige Stratege des Lkw-Weltmarktführers Daimler übernimmt im Februar 2015 bei VW das Nutzfahrzeugsteuer. Als Externer soll er samt voller Scania-Kraft regeln, was die vorherigen internen Lösungen Leif Östling und Jochem Heizmann nicht vollendeten. Der 55-jährige Renschler stellt auch das Machtgefüge im VW-Vorstand unter spannende neue Vorzeichen.

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NordLB-Analyst Frank Schwope wertet die Pläne für Scania als eine Art "Willkommensgeschenk" für Renschler. "Das macht ihm das Arbeiten ganz einfach leichter", sagt der Experte. VW bietet den Scania-Aktionären mit einem Übernahmeangebot gut 50 Prozent Aufschlag für ihre Papiere - offenbar um ganz sicherzugehen, dass die Einverleibung rasch gelingt.

Renschler, der aus vertraglichen Gründen erst zum Februar 2015 bei den Niedersachsen anfangen darf, hätte damit vollen Durchgriff nicht nur auf MAN, sondern eben auch auf Scania. "Die Besten ködern die Besten", hatte VW-Patriarch Ferdinand Piëch Ende Januar zur möglichen Renschler-Anwerbung gesagt, die nun seit Freitag beschlossen ist. Die Auswahl war überschaubar: Scania und dessen früherer Chef Leif Östling gehören ebenso zu den Wolfsburgern wie MAN aus München. Da bleiben auf dem Heimatkontinent neben Daimler nur Volvo und deren Partner Renault. Doch die Schweden haben eigene Probleme, streichen im großen Stil Stellen. Erfolg? Derzeit Mangelware.

Ganz anders Renschler: Er kennt die Managerwelt der schweren Brummis wie kaum ein Zweiter, von 2004 bis 2013 leitete er an Daimlers Spitze das Nutzfahrzeug-Geschäft. Auch beim Jonglieren mit mehreren Marken, wie es im VW-Reich alltägliche Arbeit ist, dürfte er einige Übung haben. Denn auch Daimler verkauft nicht nur Laster und Busse mit dem Mercedes-Stern, sondern hat rund um den Globus mehrere Marken. Ein weltumspannendes Reich, darunter auch Allianzen etwa in China und Russland, macht Daimler zum weltgrößten Lastwagen-Hersteller.
Daimler verdankt Renschler viel. Und vielleicht ist es daneben gerade seine Nordamerika-Erfahrung, die ihn zum VW-Wunschkandidaten macht. Denn die USA sind nicht nur in der VW-Pkw-Sparte derzeit eine Schwachstelle. MAN und Scania sind dort gar nicht unterwegs.

Überhaupt gestaltet sich die Verzahnung der beiden stolzen Marken nicht eben einfach. So soll die Berufung des früheren Scania-Chefs Leif Östling zum Koordinator von Volkswagens Nutzfahrzeug-Sparte ein Zugeständnis an die Schweden gewesen sein, wie im Konzern zu hören ist. Im Gegensatz zu MAN hat VW bei Scania trotz der Mehrheit der Stimmrechte nicht uneingeschränktes Sagen - und eben diesen Hemmschuh wollen die Niedersachsen mit der Komplettübernahme nun loswerden. Östling soll nach der Stabübergabe an Renschler Aufsichtsrat werden.
Einsparungen zwischen MAN und Scania gibt es zwar schon, etwa beim Einkauf. Nun soll nach und nach der Turbo zünden: VW teilte Freitag mit, in der Nutzfahrzeug-Allianz in den nächsten 10 bis 15 Jahren mindestens 850 Millionen Euro Synergien realisieren zu wollen.

Wie sehr es zwischen Schwestern haken kann, zeigte sich Ende 2013. Da protestierte Scania gegen die Vergabe eines Milliarden-Auftrags des schwedischen Militärs an ein Gemeinschaftsunternehmen von MAN. Zwar zog Scania den Einspruch wieder zurück, wie der "Spiegel" schreibt - doch VW-Chef Martin Winterkorn war laut dem Magazin "stinksauer".

Renschler hatte nach mehr als einem Vierteljahrhundert bei Daimler die Segel gestrichen - auch, da er offensichtlich keine Chance mehr sah, Daimler-Chef Dieter Zetsche zu beerben. Das bestätigte Renschler vor kurzem der Zeitschrift "Auto Motor und Sport". Der 55 Jahre alte mögliche Kronprinz zog die Reißleine. Sollte er bei VW von Erfolg zu Erfolg eilen, könnte er womöglich als Winterkorn-Nachfolger gelten.

In seiner Freizeit sammelt Renschler Modelleisenbahnen. Er sagt Sätze wie: "Ich fahre gerne Lastwagen und deshalb bezeichne ich mich als Trucker" oder "Es ist immer ein ganz erhabenes Gefühl, mit einem 40-Tonner durch die Berge zu fahren". Eigenwerbung hin oder her - viele nehmen es ihm ab. Renschler wirkt jedenfalls wie zu Hause in der Truckerwelt und hinter einem Lkw-Steuer. Seine Hände gleichen wahren Pranken, er ist fast zwei Meter groß.

Die Äußerlichkeiten sind das eine. "Breitschultrig und mit großen Händen - natürlich nimmt man ihm ab, anzupacken", sagt auch Stefan Bratzel, Leiter des Studiengangs Automotive Management in Bergisch Gladbach. Doch der Experte traut Renschler eben auch inhaltlich die Aufgabe zu, sie sei passgenau. "Das Nutzfahrzeug-Geschäft war schon immer genau sein Ding." Bratzel kennt Renschler von früher aus einer gemeinsamen Zeit bei Daimler. "Mit ihm hätte VW einen hochmotivierten Mann, der brennt, zu zeigen, was er draufhat."

Sein Erfahrungsschatz sei wie gemacht, um bei VW "das schwierige Geflecht" der Nutzfahrzeuge anzugehen. "Das Thema hat ihm schon immer einfach Spaß gemacht", meint Bratzel. Dennoch werde mit dem Wechsel nicht alles zum Selbstläufer. "Es könnte eine Herkulesaufgabe sein." Von Februar nächsten Jahres an wird es Renschler beweisen müssen.

dpa

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