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Wirtschaft Volkswagen Bank will sich von 100 000 Kunden trennen
Nachrichten Wirtschaft Volkswagen Bank will sich von 100 000 Kunden trennen
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20:54 19.09.2019
Hat ihre Strategie geändert: Die Volkswagen Bank will sich von Girokonten trennen. Quelle: VW Financial Services
Hannover

Rund 100. 000 Kunden mit einem Girokonto bei der Volkswagen Bank müssen sich auf einen Wechsel zu einem anderen Geldinstitut einstellen. Wegen ihrer Neuausrichtung sucht die VW-Tochter einen Käufer für diesen Geschäftsbereich. Auch von der Hypothekenfinanzierung und dem Wertpapiergeschäft will sich die Braunschweiger Bank trennen. „Wir befinden uns in Verhandlungen“, sagte ein Sprecher der Schwestergesellschaft VW Financial Services am Donnerstag. Als Interessenten werden in Branchenkreisen die Direktbanken Comdirect, ING und DKB gehandelt – VW wollte sich dazu nicht äußern. Etwa jeder zweite Girokonten-Inhaber sei bei Volkswagen beschäftigt, hieß es.

VW Financial Services und die VW Bank zählen zur Gruppe der sogenannten Autobanken, die vor allem mit günstigen Finanzierungskonditionen zur Steigerung des Kfz-Absatzes beitragen sollen. Heute werden rund drei Viertel aller Neuzulassungen in Deutschland über Leasing und Finanzierungsmodelle auf die Straße gebracht. Dies entspricht aktuell einem Kreditvolumen von etwa 60 Milliarden Euro. Darüber hinaus bieten Autobanken auch Kfz-Versicherungen, Kreditschutzbriefe oder Garantie- und Reparaturpolicen an.

Girokonten sind „nicht wirtschaftlich“

Die VW Bank wurde vor zwei Jahren von der damaligen Muttergesellschaft VW Financial Services abgespalten, um das europäische Kredit- und Einlagengeschäft von den restlichen Aktivitäten zu trennen. Seither ist auch die VW-Bank eine direkte Tochter der Volkswagen AG. Dadurch habe man zum einen den Aufwand verringert, der durch unterschiedliche Aufsichtsbehörden entstanden sei, hieß es in Braunschweig. Zum anderen müsse seit der Trennung nur noch die VW Bank die höheren Eigenkapitalanforderungen erfüllen, die für das Bankgeschäft gelten. VW Financial Services könne seither in den Bereichen Leasing, Autovermietung und Versicherungen mit dem vorhandenen Eigenkapital weiter wachsen.

Die VW Bank definiert ihr Kerngeschäft inzwischen enger. Der Schwerpunkt liege bei der Finanzierung von Gebrauchtwagen und bei Konsumentenkrediten – auch mit Blick auf neue Mobilitätsangebote wie E-Bikes und E-Scooter, erklärte der Sprecher der Geschäftsführung, Michael Reinhart, unlängst in einem Interview mit der „Braunschweiger Zeitung“. Im Gegenzug werde man die Girokonten, die Hypothekenfinanzierung und das Wertpapiergeschäft aufgeben. „Wir trennen uns von diesen Produkten, weil sie für uns als Autobank nicht zum Kerngeschäft gehören und zum Teil auch nicht wirtschaftlich sind“, sagte Reinhart. Stattdessen werde man künftig mit Partnern zusammenarbeiten. Die VW Bank wolle hier als Vermittler agieren – und über diese Kooperationen neue Kunden gewinnen.

Bank-Filialen werden in Werke verlagert

Die VW Bank ist mit knapp 3500 Beschäftigten in einem Dutzend europäischer Länder vertreten. Die Bilanzsumme belief sich im vergangenen Jahr auf 83 Milliarden Euro. Im operativen Geschäft verdiente die Bank 978 Millionen Euro; nach Steuern blieben davon 703 Millionen Euro übrig. In Deutschland unterhält das Kreditinstitut zwölf Filialen. Nach und nach werde man diese an die Produktionsstandorte des Autobauers verlegen, hieß es. Die Filiale in der hannoverschen Karmarschstraße wurde bereits geschlossen. Sie ist inzwischen im Volkswagen-Nutzfahrzeuge-Werk in Stöcken.

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