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Wirtschaft Verbände werben auf der EuroTier um Jungtierärzte
Nachrichten Wirtschaft Verbände werben auf der EuroTier um Jungtierärzte
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19:37 17.11.2010
Von Nicola Zellmer
Den Tiermedizinstudenten fehlt heutzutage häufig ein Bezug zu Nutztieren.
Den Tiermedizinstudenten fehlt heutzutage häufig ein Bezug zu Nutztieren. Quelle: dpa
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Not macht erfinderisch. Und wenn es um den Tierarztnachwuchs für Großtierpraxen auf dem Land geht, herrscht in vielen Regionen Deutschlands Not. Deshalb werben Verbände, Kammern und Universitäten inzwischen für die Betreuung von Schweinen oder Rindern aktiv um die Jungtierärzte – nicht nur auf Fachmessen wie der EuroTier in Hannover, sondern mitunter auch mit ungewöhnlichen Aktionen wie der Verlosung von attraktiven Praktikumsplätzen in Nutztierpraxen beim 2007 in Berlin gestarteten Projekt „vets4vieh“.

„Das Problem ist, dass die Tiermedizinstudenten kaum noch eine Beziehung zu den Nutztieren auf dem Land haben“, erklärt Hans-Joachim Götz, Präsident des Bundesverbandes praktizierender Tierärzte (bpt) die Situation im Nutztierbereich. Über die Gründe für die oft ablehnende Haltung der Berufsanfänger können die Veterinäre bislang nur spekulieren. So sind bei den Studienanfängern die Frauen inzwischen deutlich in der Überzahl – viele sind Stadtkinder, die über Liebhabertiere wie Hund, Katze oder Pferd zur Veterinärmedizin kommen. Und erfahrungsgemäß wünschen sich die meisten frischgebackenen Tierärztinnen und Tierärzte nach Abschluss des Studiums eine Kleintierpraxis mit guter Verkehrsanbindung und geregelten Dienstzeiten als Arbeitsplatz.

Auch Uwe Tiedemann, Präsident der Tierärztekammer Niedersachsen, kennt das Problem. „Allerdings sind vor allem die Praxisübergaben schwierig“, sagt er. Wenn es um Stellen für angestellte Tierärzte gehe, seien der Kammer in den vergangenen zwei Jahren kaum Anfragen von Nutztierpraxen gemeldet worden, betont Tiedemann. Dabei sieht er allerdings deutlich regionale Unterschiede: „In Ostfriesland oder Emden-Aurich haben wir eher Probleme, die Versorgung sicherzustellen als im Süden Niedersachsens.“

Für belastbare Aussagen über den tatsächlichen Tierarztbedarf dürfte demnächst eine detaillierte Analyse sorgen, deren Inauftraggabe die Bundeslandwirtschaftskammer im September gemeinsam mit den Tierärztekammern und dem bpt verabredet hat. Zusätzlich soll eine Studie klären, welche konkreten Gründe es bei den Studienabgängern für die verbreitete Abneigung gegen ländliche Praxen gibt.

Der bpt-Präsident Götz sieht in der Nutztierpraxis auch Vorteile – beispielsweise den durchschnittlich etwas höheren Verdienst. „Vielen Tiermedizinstudenten ist auch nicht bewusst, dass etwa in der Bestandbetreuung wenig Notfälle zu behandeln sind, sondern vor allem planbare Tätigkeiten wie das Impfen anfallen“, erklärt Götz. „Das lässt sich mit einer Familie besser vereinbaren, als viele glauben.“ Auch körperlich sei die Nutztierpraxis für die weiblichen Tierärzte kein Problem, meint der bpt-Präsident: „Die Frauen können das.“

Um dem Nachwuchs auch die positiven Seiten der Nutztierpraxis schmackhaft zu machen, lädt der bpt am morgigen Freitag zum Studententag auf der EuroTier, der diesmal der landwirtschaftlichen Seite des Veterinärberufs gewidmet ist. Im Vortrag „Zukunftsperspektive Nutztierpraxis“ erhalten die Studierenden um 8.30 Uhr im Congress Centrum auf dem Messegelände Einblick in diesen Berufsaspekt. Von 11.30 bis 13 Uhr geht es dann beim DLG-Forum um das Thema „Gesundheitsmanager in Gummistiefeln“.