VW ID.3 Test: Auto Motor Sport findet Mängel
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Wirtschaft VWs ID.3 vor Verkaufsstart – doch Tester finden gravierende Mängel im neuen E-Auto
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VW ID.3 Test: Auto Motor Sport findet Mängel

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16:26 10.09.2020
Der erste VW ID.3 wird am Freitag ausgeliefert.
Der erste VW ID.3 wird am Freitag ausgeliefert. Quelle: Christine Roch
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Hannover

Mit seinem ersten reinen Elektorauto ID.3 hat Volkswagen großes vor. Der Stromer soll das Prinzip erschwinglicher Volkswagen aus Käfer- und Golf-Zeiten in die Zukunft der Elektormobilität führen und den Konzern zurück in die Erfolgsspur bringen. Heute kommt der ID.3 nach einigen Pannen und einen verschobenen Marktstart endlich zu den Kunden.

Nur einen Tag vor der Auslieferung des ersten Elektro-Volkswagen hat die Zeitschrift „Auto Motor Sport“ am Donnerstag Zweifel gesät, ob das mit dem ID.3 gelingen kann. Das Fachblatt hat einen Test veröffentlicht – mit Lob, aber auch mit viel Kritik. Die Experten äußern sich positiv über die Fahreigenschaften des in Zwickau produzierten VW. Allerdings gebe es „bei Verarbeitung und Elektronik erheblichen Nachbesserungsbedarf“.

Trotz seines Preises von 49.000 Euro – die Umweltprämie noch nicht abgezogen – für das Topmodell des ID.3 erfülle das Auto nicht die von VW gewohnten Ansprüche an Passgenauigkeit der Karosserieteile, minimale Spaltmaße sowie hochwertige Materialien und Details. So sehe beim Testfahrzeug die Motorhaube von innen aus, als sei sie mit einer Sprühdose lackiert worden. Die im Cockpit verbauten Kunststoffe seien hart und schmutzempfindlich. Und die Sitze sähen reichlich ausgeleiert aus.

Auch in anderen Tests Probleme entdeckt

Ähnliche Probleme hatten auch schon andere Tester entdeckt. So schrieb der ADAC vor wenigen Tagen, die Materialauswahl im Innenraum passe nicht zur bisher gewohnten VW-Qualität. Sie werde „von oben nach unten und von vorn nach hinten mit jedem Zentimeter ärmlicher“. Nur dort, wo der Blick als Allererstes hinfalle, gebe es Metall und unterschäumte Kunststoffe, „ansonsten jede Menge grau in grau“.

Verarbeitung, Sitze und Elektronik kommen beim VW ID.3 nicht gut weg. Quelle: Volkswagen AG

Auch die Elektronik des Wagens kommt im Test nicht gut weg. Das System zeige deutliche Schwächen, schreibt „Auto Motor Sport“. Das Infosystem fahre nur langsam hoch, das Navigationsgerät bleibe oft mehrere hundert Meter orientierungslos, und Onlinedienste rufe das System gar nicht ab. Zudem sei der Monitor etwas zu weit vom Fahrer entfernt und deshalb etwas schwierig zu bedienen, sagen die Tester. Ein Ausweichen auf die Sprachsteuerung mache keine Freunde, weil diese nicht fehlerfrei funktioniere.

Reichweite ist zufriedenstellend

„Antrieb und Fahrwerk funktionieren dagegen perfekt“, schreibt die Zeitschrift. Das Handling sei natürlich und agil, das Fahrverhalten ausbalanciert und die Bremsen funktionierten gut. Mit der bei E-Autos besonders wichtigen Reichweite sind die Tester einigermaßen zufrieden: Im Eco-Betrieb schaffte der Wagen im Test mit einer Ladung 359 Kilometer. Im Test mit Autobahn- und Stadtfahrten war der Akku des ID.3 nach 260 Kilometern leer. Ein VW-Sprecher sagte am Donnerstag, das Unternehmen werde die im Testbericht angesprochenen Punkte prüfen.

In Hannover stehen bereits Fahrzeuge bei Händlern. Bei seinen Kunden sei der Wagen heiß begehrt, berichtet Heinrich Jacobi vom VW-Autohaus Gessner & Jacobi. Es gebe zahlreiche Bestellungen von Unternehmen, von Kommunen aber auch von Privatleuten, sagt er. Das Autohaus hat vier der E-Wagen zur Verfügung, die ab der kommenden Woche auch für Probefahrten genutzt werden können. Allerdings sei der Andrang groß, Interessenten müssten sich auf Wartezeiten einrichten, berichtet Jacobi.

„Alles ist ordentlich gelöst“

Zu den Problemen mit der Verarbeitung und der Elektronik meinte Jacobi, es sei alles auch immer eine Frage der Kosten. „Aus meiner Sicht ist das alles ordentlich gelöst“, betont der Autohändler. Aber natürlich gebe es auch immer noch Luft nach oben. Jacobi rät Kunden, sich das Auto anzuschauen und für eine Probefahrt anzumelden,. „Das Gesamtgefüge ist einfach klasse.“

Von Mathias Klein