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Wirtschaft So lief die erste VW-Hauptversammlung ohne Piëch
Nachrichten Wirtschaft So lief die erste VW-Hauptversammlung ohne Piëch
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00:24 08.05.2015
Viel Beifall für Winterkorn (M.): Der Konzernchef konnte sich auf der Hauptversammlung im Lob der Aktionäre sonnen. Quelle: Treblin
Hannover

Den ersten Applaus bekam Martin Winterkorn schon im zweiten Satz: „Herzlich willkommen bei Ihrem Unternehmen.“ Dass dies „ihr“ Unternehmen sei, hörten die VW-Aktionäre gern, nachdem wochenlang nur von einem aus ihren Reihen die Rede war. Nach Ferdinand Piëch hielten am Dienstag viele in der hannoverschen Messehalle Ausschau, aber er zeigte sich natürlich nicht zur VW-Hauptversammlung. Allgegenwärtig war er dennoch.

Konzernchef Winterkorn würdigte den Mann, der ihn ablösen wollte, und auch der kommissarische Aufsichtsratsvorsitzende Berthold Huber tat es, viele Redner schlossen sich an, und am Rande versuchten VW-Manager, sich zu orientieren: „VW, das war für mich Piëch“, sagte einer, „aber jetzt geht’s weiter“.

Nach diesem Motto verfuhr auch Winterkorn. Er bedankte sich „im Namen aller 600.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch persönlich“ bei seinem einstigen Mentor – und drehte die Kurve Richtung Zukunft. Schwierig sei der Markt, gut aufgestellt der Konzern. Deutlicher als sonst nahm er sich Schwachstellen vor, die auch dank Piëch zuletzt diskutiert wurden: die Renditeschwäche bei VW Pkw, die Probleme in den USA, das fehlende Angebot im Billigsegment. Er verwies auf die Fortschritte, ganz nach dem Motto: Ich habe verstanden. Da gab es wieder Applaus, und Winterkorn strahlte dankbar.

Die von manchen erwartete Generalabrechnung der Aktionäre fiel aus. Soweit sich die Redner überhaupt mit Piëch befassten, schwankten sie meist zwischen Bewunderung und Ratlosigkeit. Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) würdigte Piëch als „Genie“, die versuchte Demontage Winterkorns aber, die sei „schrecklich“ und „unprofessionell“.

Sein Kollege Hansgeorg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) bezeichnete Piëchs Angriffe auf Winterkorn als „nicht nachvollziehbar“, aber weder Piëch noch die Aktionäre hätten „diesen plötzlichen Abgang verdient“. Erwartungsgemäß scheiterten Versuche, Licht in die Vorgänge zu bringen: Die Beratungen des Aufsichtsrates seien vertraulich, sagte Huber, und was Piëch im Sinn hatte, „das kann nur Herr Professor Piëch selbst beantworten“.

Huber wird noch einige Wochen kommissarischer Aufsichtsratsvorsitzender bleiben. „Mit der gebotenen Sorgfalt und Ruhe“ werde ein Nachfolger für Piëch gesucht, sagte er gestern. In Aufsichtsratskreisen ist von einer Entscheidung im Juni die Rede. Das Unternehmen müsse sich nun wieder auf das konzentrieren, was es am besten könne, sagte Ministerpräsident Stephan Weil am Rande der Veranstaltung: „Autos bauen und verkaufen.“ Weil spielte als Mitglied des Aufsichtsratspräsidiums eine Schlüsselrolle in den Kämpfen der vergangenen Wochen. Er versuchte am wenigsten, den Bruch mit Piëch zu kaschieren. Er bedaure dessen Rücktritt, aber „eine Klärung war unausweichlich“. Ob man Piëch noch als Berater einbinden werde? „Nach einer gewissen Zeit“ sei das vorstellbar, aber „das bleibt abzuwarten“.

Europas größter Autobauer Volkswagen unternimmt erste Schritte für eine Dezentralisierung seiner Führung. Dazu bündelt der Konzern sein schweres Nutzfahrzeug-Geschäft mit den Töchtern MAN und Scania in einer eigenständigen Holding. VW Nutzfahrzeuge bleibt allerdings außen vor.

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