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Wirtschaft Der Schatten des Patriarchen
Nachrichten Wirtschaft Der Schatten des Patriarchen
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18:52 03.05.2015
Von Stefan Winter
Mitbestimmungsproblem der anderen Art: Ferdinand Piëch hat sich zwar aus dem VW-Aufsichtsrat zurückgezogen, will aus dem Hintergrund aber weiter mitreden. Quelle: Julian Stratenschulte

Mit der besonderen Macht der Gewerkschaft im Wolfsburger Konzern hat dies jedoch nichts zu tun: In mitbestimmten Unternehmen ist ein Vertreter der Arbeitnehmer Stellvertreter des Aufsichtsratsvorsitzenden - und der ist VW durch den Rücktritt von Ferdinand Piëch vorübergehend abhandengekommen.

Dem 65-jährigen Huber fehlt es nicht an einschlägiger Erfahrung. Unter anderem füllte er bis vor Kurzem die gleiche Rolle im Siemens-Aufsichtsrat aus, wo er die Ablösung des Konzernchefs Peter Löscher mittrug - während er bei VW mit den anderen Arbeitnehmervertretern Martin Winterkorn stützte. Die Eigenheiten von Familienunternehmen kennt Huber ebenfalls: Den Schaefflers brachte er die Mitbestimmung nahe.

Das ist bei den Porsches und Piëchs nicht mehr nötig, hier gibt es ein Mitbestimmungsproblem anderer Art: Im Hintergrund will weiter Ferdinand Piëch mitbestimmen. Er halte nichts davon, dass seine Nichten Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch seinen Platz und den seiner Frau Ursula im Aufsichtsrat einnähmen, ließ er verbreiten. Die beiden Frauen werden dennoch an der Sitzung des Gremiums heute Abend und an der Hauptversammlung morgen teilnehmen.

Außer um die Formalitäten vor einer Hauptversammlung dürfte es im Kreis der 20 Aufseher heute in Kastens Hotel Luisenhof vor allem um den Umgang mit dem abgetretenen Patriarchen und um seine Nachfolge gehen. Ob die so schnell entschieden wird, dass die Aufseher schon nach der morgigen Hauptversammlung einen neuen Vorsitzenden wählen können, ist allerdings unsicher. Überzeugende Kandidaten sind im Gremium rar.

Da wäre zuerst Piëchs Cousin Wolfgang Porsche. Doch der 71-Jährige führt bereits den Aufsichtsrat der Familienholding Porsche SE und wolle das Amt ohnehin nicht, heißt es. Er gilt bestenfalls als mögliche Übergangslösung. Sein 54-jähriger Neffe Oliver Porsche käme infrage, der Jurist und Wirtschaftsprüfer hat aber praktisch keine Industrie­erfahrung und ist bisher kaum in Erscheinung getreten. Hans Michel Piëch schließlich hat sich stets eng im Windschatten seines Bruders Ferdinand gehalten - und ist damit wohl nicht mehrheitsfähig.

Damit sind die Familienkandidaten ausgeschöpft, es bleiben zwei Vertreter des Emirats Katar, die schwedische Bankerin Annika Falkengren und zwei niedersächsische Kabinettsmitglieder. Ministerpräsident Stephan Weil, als Vertreter des zweitgrößten VW-Aktionärs theoretisch ein denkbarer Kandidat, scheidet wohl aus: Das Image des Staatskonzerns sei für VW schädlich und das politische Risiko für Weil zu groß, heißt es. Letztlich werde man wohl einen Kandidaten außerhalb des Gremiums suchen, hieß es zuletzt in Aufsichtsratskreisen. Das allerdings könne eine Weile dauern.

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