Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft „Der Wind ist der Rohstoff des Nordens“
Nachrichten Wirtschaft „Der Wind ist der Rohstoff des Nordens“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:01 19.11.2014
Von Jens Heitmann
Zweifel am Sinn der hohen Ausgaben für die Energiewende: Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie, EWE-Chef Werner Brinker, HAZ-Chefredakteur und Moderator Hendrik Brandt, Wirtschaftsminister Olaf Lies und Carl van Dyken, Geschäftsführer der Nordenhamer Zinkhütte, (v. l.) diskutieren beim niedersächsischen Tag der Wirtschaft.
Zweifel am Sinn der hohen Ausgaben für die Energiewende: Hermann Albers, Präsident des Bundesverbandes Windenergie, EWE-Chef Werner Brinker, HAZ-Chefredakteur und Moderator Hendrik Brandt, Wirtschaftsminister Olaf Lies und Carl van Dyken, Geschäftsführer der Nordenhamer Zinkhütte, (v. l.) diskutieren beim niedersächsischen Tag der Wirtschaft. Quelle: Rainer Surrey
Anzeige
Hannover

„Der Wirtschaftsstandort Deutschland wird zunehmend auch für etablierte Unternehmen zur Kostenfalle“, sagte UVN-Präsident Werner Michael Bahlsen am Dienstag beim 4. Tag der niedersächsischen Wirtschaft. Er machte dafür vor allem hausgemachte Probleme wie die Rente mit 63 und die zunehmende Regulierung verantwortlich. Ministerpräsident Stephan Weil hingegen verwies auf die flaue Konjunktur auf wichtigen Exportmärkten: Wenn dort die Nachfrage einbreche, mache sich das hierzulande bemerkbar.

„Ich kann nicht erkennen, dass unsere Wirtschaft strukturelle Wettbewerbsnachteile hat“, sagte Weil. Damit das auch so bleibe, müsse die Politik aber die richtigen Weichen stellen. Als zentrale Herausforderung nannte der Sozialdemokrat die langfristige Sicherung des Fachkräftebedarfs, den Ausbau der Infrastruktur und die Förderung von Firmengründungen. Angesichts des demografischen Wandels gelte es, „alle Talente so zu entfalten, dass sie Leistungsträger werden können“, betonte Weil.

Die Wirtschaft in Niedersachsen habe den Vorteil, dass sie von keiner Branche dominiert werde. Neben der Autoindustrie und ihren Zulieferern gewännen die erneuerbaren Energien immer mehr an Bedeutung: „Der Wind ist der Rohstoff des Nordens“, sagte Weil. Die Energiewende bezeichnete er als ein „gigantisches Investitionsprogramm“.

Auch bei dieser Analyse stimmen die Wirtschaftsvertreter im Prinzip zu - sie bezweifeln aber die Sinnhaftigkeit der hohen Ausgaben. „Europaweit kostet die Energiewende bis 2020 etwa eine Billion Euro“, rechnete RWE-Chef Peter Terium als Gastredner vor. „Wenn wir nicht gegensteuern, droht der Wirtschaftsstandort Deutschland Schaden zu nehmen.“ Weil immer mehr grüner Strom in die Netze dränge, verdienten ein Viertel der RWE-Kraftwerke nicht einmal mehr ihre laufenden Kosten: „Dann können Sie auch statt Gas Geldscheine in der Turbine verbrennen.“

Da konventionelle Meiler aber im Notfall jederzeit einspringen müssten, müsse man sie für diese Garantieleistung auch bezahlen. Die Verbraucher würde das nur 0,02 Cent je Kilowattstunde kosten - die Ökostromumlage koste mehr als 6 Cent je Kilowattstunde.

In die gleiche Kerbe schlug auch der Vorstandschef des Oldenburger Versorgers EWE. Am windschwächsten Tag des vergangenen Jahres habe nur ein Prozent der Windkraftanlagen Strom geliefert, sagte Werner Brinker. Um diese Lücke zu füllen, brauche es konventionelle Kraftwerke - das sei der Preis für die Versorgungssicherheit: „Sie ist das höchste Gut, das wir haben.“

Wirtschaftsminister Olaf Lies räumte ein, dass die bisherige Förderung des Ökostroms an ihre Grenzen stoße: „Wenn wir das Erneuerbare-Energien-Gesetz so lassen, würde es nicht funktionieren.“ Der SPD-Politiker plädierte jedoch dafür, sich mit einer neuerlichen Reform die nötige Zeit zu lasen. Das künftige Design für den Strommarkt müsse Bestand haben - Produzenten und Verbraucher bräuchten endlich Verlässlichkeit.

19.11.2014
Wirtschaft Nokia stellt neues Tablet vor - One more thing …
Jens Heitmann 19.11.2014
Wirtschaft Spitzengespräch gescheitert - Keine Einigung im Bahn-Tarifkonflikt
19.11.2014