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Nachrichten Wirtschaft Unternehmen können Lehrstellen nicht besetzen
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08:20 12.04.2011
Die Chancen der Schulabgänger auf einen Ausbildungsplatz werden immer besser.
Die Chancen der Schulabgänger auf einen Ausbildungsplatz werden immer besser. Quelle: Uwe Dillenberg
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Die Chancen der Schulabgänger in Deutschland auf einen Ausbildungsplatz steigen. „Das gilt, obwohl die Wehrpflicht ausgesetzt ist und infolge doppelter Abiturjahrgänge in Niedersachsen und Bayern in diesem Jahr knapp 20.000 mehr Jugendliche als im Vorjahr auf den Ausbildungsmarkt kommen“, sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) am Montag in Berlin.

Nach einer Online-Umfrage des DIHK unter 14.299 Unternehmen werden in diesem Jahr bundesweit rund 40.000 Lehrstellen mehr angeboten als 2010. In Niedersachsen etwa wurden im ersten Quartal 2011 bereits 8203 Ausbildungsverträge abgeschlossen - so viele wie nie zuvor. Die höchsten Zuwachsraten vermeldet nach Angaben des Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertags (NIHK) die Verkehrsbranche mit 32,1 Prozent, vor Versicherungen (30,3 Prozent), Banken (17,3 Prozent) und der Metalltechnik (17,2 Prozent).

Das steigende Angebot kann von den Schulabgängern aber kaum bedient werden. Im Jahr 2010 blieben 55.000 Ausbildungsplätze in Deutschland frei. Betroffen war zuvorderst das Gastgewerbe: 53 Prozent der befragten Betriebe gaben Besetzungsschwierigkeiten an. In Ostdeutschland waren es sogar zwei Drittel. Es folgte das Baugewerbe mit 27 Prozent, vor Banken und Versicherungen mit 24 Prozent. Dort mache sich der vergleichsweise hohe Anspruch der Ausbildung bemerkbar, schrieb der DIHK. In der Finanzbranche gelte ein Studium zudem als attraktive Alternative zu einer Ausbildung.

In der Industrie hatten nach 20 Prozent im Jahr 2009 diesmal 23 Prozent der Betriebe Schwierigkeiten, ihre Lehrstellen zu besetzen. Das entspricht einem negativen Rekordwert für den Sektor.

Die Firmen wollten nun verstärkt bei Studienabbrechern und überregional werben, fand der DIHK heraus. Außerdem wolle jedes achte Unternehmen seine Anforderungen an die Vorbildung der Bewerber nach unten korrigieren.

Der mangelnden Ausbildungsreife von 160.000 Schulabgängern wollen die Firmen mit einigen Projekten entgegenwirken. Mehr als die Hälfte der Betriebe biete mittlerweile innerhalb der Ausbildung Nachhilfestunden an, etwa um Mängel in Mathematik zu beheben.

Eine weitere Maßnahme, die bereits jedes fünfte Unternehmen ergreift, ist die sogenannte Einstiegsqualifizierung (EQ). Sie ermöglicht es den Jugendlichen, bereits vor der möglichen Lehre Einblicke in die betriebliche Praxis zu bekommen. Die EQ dauert sechs bis zwölf Monate. Einige Lerninhalte können dann auch auf die Ausbildung angerechnet werden. Ein ähnliches Programm gibt es für Schüler, die ein Jahr lang wöchentliche Praxistage in einem Unternehmen absolvieren.

Die charakterliche Eignung ist ein weiteres Problem. Die Hälfte der Betriebe ist zunehmend unzufrieden mit der Leistungsbereitschaft der Auszubildenden. Mangelnde Disziplin wollen 48 Prozent festgestellt haben; 45 Prozent beklagen die unzureichende Belastbarkeit der jungen Leute.

Sören Hendrik Maak

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