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Wirtschaft Zahlreiche Windräder müssen abgebaut werden – doch das wird nicht leicht
Nachrichten Wirtschaft Zahlreiche Windräder müssen abgebaut werden – doch das wird nicht leicht
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08:04 02.11.2019
Windkraftanlagen sind wichtig für die Energiewende – doch es fehlt an Regelungen für den späteren Abriss. Quelle: Patrick Pleul/dpa
Hannover

Deutschland ist nach Einschätzung des Umweltbundesamtes (UBA) nicht ausreichend auf das Recycling ausrangierter Windräder vorbereitet. „Es drohen Engpässe bei den Recyclingkapazitäten für die faserverstärkten Kunststoffe der Rotorblätter und Risiken für Mensch und Umwelt beim unsachgemäßen Rückbau“, teilte die Behörde am Freitag mit. Dies habe ein umfangreiches Forschungsprojekt ergeben. Das UBA warnt auch vor einer Finanzierungslücke beim Abriss von Windrädern.

Bei vielen Windrädern, die vom Jahr 2000 an errichtet wurden, läuft in den kommenden Jahren die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz aus. Ältere Anlagen sind außerdem nach heutigen Maßstäben oftmals ineffizient und leistungsschwach. Windkraftanlagen haben nach Angaben der Behörde eine Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren. Es ist also damit zu rechnen, dass in absehbarer Zeit zahlreiche Windräder abgebaut werden. Die Kosten für die Entsorgung der Baustoffe dürfte stärker steigen als erwartet, erklärte die Behörde.

Viele Anlagen in Niedersachsen

Nach Einschätzung der niedersächsischen Landesregierung steht jede vierte der knapp 6300 Anlagen zwischen Ems und Elbe vor dem Aus. In Niedersachsen befindet sich ein Fünftel aller Windkraftanlagen in Deutschland; die installierte Leistung beträgt knapp 11 000 Megawatt. Während die Branche eher darauf setzt, ältere Windmühlen durch neue Modelle zu ersetzen, hofft der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD) auch auf Geschäftsmodelle, die einen Weiterbetrieb ermöglichen.

Das Umweltbundesamt rechnet damit, dass der Abbau der Anlagen im Zeitraum bis 2031 im Durchschnitt um die 100 Millionen Euro im Jahr kosten werde. Im Anschluss daran sei mit einem starken Anstieg der Kosten zu rechnen, weil dann deutlich größere Windräder vor dem Abriss stehen. Die höchsten Belastungen seien für 2038 mit knapp 500 Millionen Euro zu erwarten, schätzt die Behörde. Die Rückstellungen der Betreiber beliefen sich für dieses Jahr jedoch Modellrechnungen zufolge bestenfalls auf rund 200 Millionen Euro.

Beim Bundesverband Windenergie hält man die Warnungen für überzogen. Die Prognose des Bundesamtes beruhe auf der Annahme, dass die Kapazitäten für die Verwertung der Betontürme, des Stahls und der Rotorblätter nicht ausreichten und die Entsorger ihre Preise stark erhöhen könnten, sagte ein Verbandssprecher.

Diese Erwartung teile die Branche nicht: „Für die Unternehmen ist das ein wachsender und attraktiver Markt – folglich werden sie auch bereit sein, in eine Erweiterung ihrer Kapazitäten zu investieren.“ Noch lohne sich dies für die Entsorger aber nicht. In der Bundesrepublik gibt es laut Umweltbundesamt bisher nur eine Anlage zum Verwerten des Kunststoffes, aus dem die Rotorblätter der Windräder sind.

Firmen müssen vorsorgen

Um auf Nummer sicher zu gehen, fordert die Behörde die Politik zum Handeln auf. „Bund und Länder sollten zügig Leitlinien für den Rückbau von Windenergieanlagen erarbeiten“, sagte die UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. „Wir brauchen klare Vorgaben für Rückbauumfang und Rückbaumethoden, um die Materialien wertvoll zu recyceln.“ Wegen der Vielzahl der unterschiedlichen Modelle und Standorte der Anlagen sei es nicht möglich, ein einheitliches Konzept für den Abriss zu erarbeiten.

Die Verpflichtung zum Abbau ist im Baugesetzbuch geregelt. Die Genehmigungsbehörde muss darauf achten, dass der Betreiber der Windkraftanlage dafür am Ende der Lebensdauer über ausreichende Mittel verfügt. Das Geld muss nicht nur für den Abriss der überirdischen Elemente reichen, sondern auch für die Entfernung des Fundaments. Dabei gilt der Grundsatz: Je größer die Anlage, desto höher ist die geforderte Sicherheitsleistung, hieß es beim Bundesverband Windenergie. „Die Rückstellungen wachsen also mit.“

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