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Wirtschaft Boeing-Flugverbot verhagelt Gewinn
Nachrichten Wirtschaft Boeing-Flugverbot verhagelt Gewinn
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00:19 01.04.2019
Zur Flotte des Tui-Konzerns gehören auch 15 Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max. Sie sind in Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und in Schweden stationiert. Quelle: Dirk Waem/BELGA/dpa
Hannover

Zum zweiten Mal innerhalb von nur sieben Wochen muss die Tui ihre Gewinnerwartungen zurückschrauben. Anfang Februar hatte der Reisekonzern die Abstriche mit Überkapazitäten in Spanien und den Folgen des heißen Sommers 2018 begründet – jetzt belasten die Flugverbote für Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max die Bilanz. Sollten die Flugzeuge bis zum Ende der Sommersaison nicht mehr starten können, werde das operative Ergebnis (Ebita) um 300 Millionen Euro geringer ausfallen als prognostiziert und auf rund eine Milliarde Euro schrumpfen, teilte die Tui am Freitag mit. Das wäre ein Minus von 26 Prozent.

„Ursprünglich haben wir angenommen, dass die Flugverbote nur von kurzer Dauer sein würden“, sagte Vorstandschef Friedrich Joussen in einer Telefonkonferenz. Man sei immer noch davon überzeugt, dass die Boeing 737 Max ein sehr gutes Flugzeug sei –„aber natürlich gilt: Sicherheit zuerst“. Nach zwei Abstürzen von Maschinen dieses Typs in Indonesien und Äthiopien mit 346 Toten haben Luftfahrtbehörden in aller Welt Flugverbote für die 737 Max verhängt. Die Auslieferung neuer Maschinen ist vorerst gestoppt.

Zur Tui-Flotte von rund 150 Maschinen gehören 15 Boeings 737 Max, die in Großbritannien, Belgien, den Niederlanden und in Schweden stationiert sind. Bis Ende Mai sollten acht weitere Maschinen der Reihe dazukommen – auch für die deutsche Tuifly, die bisher noch keinen Flieger des Typs besitzt. Für die Boeing 737 Max spreche vor allem ihre Effizienz, sagte Joussen. Wegen des geringeren Verbrauchs spare der Konzern pro Maschine eine Million Euro Kerosinkosten im Jahr.

Doch derzeit zahlt die Tui drauf: Wegen des Ausfalls der 737-Max muss der Konzern bestehende Leasingverträge für Flugzeuge verlängern, weitere Ersatzmaschinen anmieten – und die nötige Umorganisation gehe ebenfalls in Geld, hieß es. Da andere Chartergesellschaften ihre Maschinen inklusive Kabinenpersonal vermieten, muss die Tui für ihre 737-Crews neue Aufgaben finden.

Der Konzern habe jedoch keine Alternative, um diese Mehrkosten zu vermeiden, sagte Joussen. Die Tui könne nicht ihre Kapazitäten zusammenstreichen und Flüge ausfallen lassen. Das würde die Zufriedenheit der Kunden und die Auslastung der eigenen Hotels gefährden – zudem könnte man dadurch Start- und Landerechte an den Flughäfen gefährden. „Unter dem Strich wäre das noch teurer“, sagte Joussen. Deshalb habe die Tui Vorkehrungen getroffen, um an Ostern, Pfingsten und zum Beginn der Sommerferienzeit den Urlaub für die Kunden zu sichern.

Zwar hat Boeing mittlerweile ein Update für die nach den beiden 737-Abstürzen in die Kritik geratenen Steuerungs-Software MCAS vorgestellt. Noch aber lägen keine bestätigten Termine vor, wann Anpassungen des Herstellers am heutigen Modell erfolgen, teilte die Tui mit. Auch wann mit einer Freigabe solcher Anpassungen durch die Luftfahrtbehörden in den USA und Europa zu rechnen sei, wisse man nicht. Sollte sich in herausstellen, dass die Boeing 737 MAX länger als bis Mitte Juli am Boden bleiben müssten, werde man die Notmaßnahmen bis Ende Oktober verlängern, hieß es.

Nach Angaben von Joussen erwartet die Tui von Boeing Schadensersatz. Ob der Hersteller eine Summe in bar überweise oder Rabatte für künftige Maschinen gewähre, sei dabei zweitrangig, sagte der Tui-Chef: „Vorrang hat ohnehin, dass der operative Betrieb wieder ins Laufen kommt.“

 

Von Jens Heitmann

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