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Wirtschaft Trübe Aussichten für die Ernte
Nachrichten Wirtschaft Trübe Aussichten für die Ernte
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18:31 19.04.2012
Von Carola Böse-Fischer
Viele Landwirte in Niedersachsen müssen derzeit ihre Felder zum zweiten Mal bestellen.dpa
Viele Landwirte in Niedersachsen müssen derzeit ihre Felder zum zweiten Mal bestellen. Quelle: dpa
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Hannover

Hatten die Branchenverbände die zu erwartende Erntemenge zunächst auf etwa 44,2 Millionen Tonnen veranschlagt, rechnen sie jetzt nur noch mit 42,6 Millionen Tonnen.

Träfe die Prognose zu, würde die heimische Produktion zum zweiten Mal hintereinander nicht für den Bedarf von rund 44 Millionen Tonnen reichen - und es müsste mehr Getreide eingeführt werden, als in den Export geht. Deutschland würde erneut zum Nettoimporteur.

Bundesweit sind gut 660000 Hektar, die mit Wintergetreide bestellt waren, von den Folgen des Dauerfrosts im Februar betroffen, wie der Deutsche Bauernverband mitteilt. Das seien etwa 12 Prozent der Anbauflächen für Wintergetreide. Nach Umfragen des Verbandes berichtet über die Hälfte der Betriebe von „mehr oder minder großen Auswinterungsschäden“. Auch andere EU-Länder beklagen teils massive Schäden.

In Niedersachsen hat der Frost „weitaus größere Schäden verursacht als zunächst befürchtet“, wie es beim Landvolk-Verband in Hannover heißt. Das zeigten die vielen großen, braunen Flecken auf den Äckern. Besonders stark in Mitleidenschaft gezogen worden sei das Weserbergland, aber auch die Hildesheimer Börde, die Region im Osten von Hannover und der Nordosten Niedersachsens. Viele Betriebe melden nach Angaben des Landvolks Schäden beim Wintergetreide von 80 Prozent und mehr, manche sogar Totalausfälle, sodass eine neue Aussaat notwendig werde. Das bedeute für die Bauern zusätzliche Kosten.

Zudem gibt es nur wenig Saatgut für Sommergetreide, weil es wegen der im Vergleich zu den Wintersorten um fast ein Drittel geringeren Ertragsfähigkeit kaum noch angebaut wird, wie Konrad Weiterer, Vorsitzender des privaten Agrargewerbes Niedersachsen (agw) sagt. Die agw vertritt die Interessen der Landhändler. Landwirte, die ihre Felder neu bestellen müssen, bauen deshalb laut Weiterer lieber zusätzlich Mais an, den sie als Futtermittel oder für Biogasanlagen vermarkten können.

Die trüben Aussichten für die diesjährige Getreideernte treiben die Preise auf dem „physischen Markt“ hoch, wie der agw-Chef und Sprecher der Geschäftsführung der Landhandelsfirma Weiterer in Algermissen erklärt. Während die Tonne Weizen an der Pariser Agrarbörse Matif derzeit noch mit 210 Euro gehandelt werde, koste sie im Agrarhandel bereits 20 Euro mehr - Tendenz weiter steigend. Denn die Mischfutterindustrie und die Mühlenbranche, bei der Lieferverträge ausgelaufen sind, brauchen nach Angaben von Weiterer Nachschub. Die Ernte aus 2011 sei jedoch so gut wie verkauft.

Um ihre Versorgung künftig zu sichern, sind die Großverbraucher wie die Mühlen dabei, sich andere Einkaufskanäle zu erschließen, wie Weiterer sagt. Etwa in Tschechien, einem wichtigen Getreidelieferanten in der EU. Bald sollen komplett mit Weizen beladene Güterzüge direkt zu den Mühlen in Deutschland rollen.