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Wirtschaft Teurer Airbus A400M in der Warteschleife
Nachrichten Wirtschaft Teurer Airbus A400M in der Warteschleife
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19:04 22.01.2010
Teures Projekt: Der Militär-Airbus A400M bei seinem Erstflug.
Teures Projekt: Der Militär-Airbus A400M bei seinem Erstflug. Quelle: dpa
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„Major Tom“ scheut sonst keine Konfrontation und keine Kamera. In Sevilla baute sich Thomas Enders unlängst unter den Flügeln des A400M auf, um medienwirksam die Drohkulisse eines Projekt-Stopps zu inszenieren. Wer am Donnerstag und Freitag am Berliner Bendlerblock auf Posten war, suchte vergeblich nach dem Airbus-Chef.
Enders und sein Vorgesetzter, der französische EADS-Boss Louis Gallois, zogen es vor, hinter den Mauern des Verteidigungsministeriums und ohne lästige Fragen der Journalisten mit ihren störrischen Kunden über den Supervogel zu feilschen.

Dass die Topmanager überhaupt nach Berlin geflogen waren, hatte die Hoffnung auf einen Durchbruch genährt. Die trog wieder. Hausherr Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) gab zu Protokoll, dass die Regierung sich nicht über den Tisch ziehen lasse: „Für das gleiche Geld weniger zu bekommen, ist für mich inakzeptabel.“

Ob damit der Kompromissvorschlag für eine Aufteilung des Auftrags gestorben ist, wird sich zeigen. Danach würden die Länder zum alten Festpreis einfach weniger Maschinen bekommen. Als der Vertrag 2003 unterschrieben wurde, hatte EADS 180 Flugzeuge für 20 Milliarden Euro zugesagt. Dabei gilt in der Branche das ungeschriebene Gesetz, dass jede Neuentwicklung länger dauert und mehr kostet als geplant.

Statt auf 19,9 Milliarden werden die Kosten für die Entwicklung und den Bau der ersten 180 A400M-Maschinen nun auf 31,2 Milliarden Euro beziffert. Airbus will von den Mehrkosten sechs Milliarden übernehmen, von denen 2,4 Milliarden schon verbucht sind. Deutschland und seine Partner sollen 5,3 Milliarden zuzahlen.

Enders will die Kostenexplosion nicht auf seine Kappe nehmen. Die Staaten hätten Airbus immer neue Vorschriften gemacht. Der A400M soll als Nachfolger der altersschwachen Bundeswehr-Transall kein fliegender Lastwagen werden, sondern ein neuer Alleskönner am Himmel. Er soll Panzer oder Hubschrauber transportieren, sehr tief und sehr schnell fliegen.

Dass Europa den A400M abstürzen lässt, gilt als unwahrscheinlich. An dem Projekt hängen nicht nur 40 000 Jobs, sondern womöglich die Zukunft des gesamten EADS-Konzerns. Er wurde mit Steuermilliarden zum erfolgreichen Gegenspieler des US-Konkurrenten Boeing aufgepäppelt. Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sind bereits alarmiert.

Sollte Airbus zum großen Teil auf den Mehrkosten sitzenbleiben, drohen dem Flugzeugbauer bei der Geldbeschaffung Turbulenzen. Rating- Agenturen könnten schlechtere Noten vergeben, Kredite würden sich für Airbus verteuern. Platzt der Mega-Deal, müsste Airbus sogar 6,4 Milliarden Euro Anzahlungen an die Kundenländer zurückzahlen. Nach Berechnungen von Wirtschaftsprüfern könnte das EADS zu einer Kapitalerhöhung zwingen - mit weitreichenden Folgen für die mühsam austarierte Machtbalance zwischen Frankreich und Deutschland.

Der mit 15 Prozent schon direkt an EADS beteiligte französische Staat würde eine Kapitalerhöhung wohl mitmachen. Der Stuttgarter Autokonzern Daimler, der die deutschen Interessen vertritt, will kein Geld lockermachen. Die Bundesregierung stünde vor einem Dilemma. Zumal die Entscheidung ansteht, was mit einem bei deutschen Banken geparkten EADS-Aktienpaket von 7,5 Prozent passiert. Zur Jahresmitte läuft das Vorkaufsrecht des Bundes aus.

dpa

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