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Wirtschaft Tausende Schlecker-Mitarbeiter müssen bangen
Nachrichten Wirtschaft Tausende Schlecker-Mitarbeiter müssen bangen
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20:41 22.01.2012
Foto: Kunden haben zuletzt immer seltener bei Schlecker eingekauft. Das Interesse der Konkurrenz an einer Übernahme von Filialen ist deshalb gering.
Kunden haben zuletzt immer seltener bei Schlecker eingekauft. Das Interesse der Konkurrenz an einer Übernahme von Filialen ist deshalb gering. Quelle: dpa
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Warum muss Schlecker Insolvenz anmelden?
Der Grund für die Zahlungsunfähigkeit ist Schlecker zufolge eine geplatzte Zwischenfinanzierung für die seit Mitte 2010 laufende Sanierung. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und des „Spiegels“ wurde die Insolvenz dadurch ausgelöst, dass der Einkaufsverbund Markant einen zweistelligen Millionenbetrag für gelieferte Waren forderte, den Schlecker nicht mehr zahlen konnte. Firmengründer und Eigentümer Anton Schlecker wird in den einschlägigen Listen als Milliardär geführt – seine Familie hat aber in den vergangenen Jahren erhebliche Beträge in das seit 2008 defizitäre Unternehmen eingebracht. Schlecker hatte kaum Kreditverbindungen zu Großbanken. Discountketten profitieren davon, dass immer viel Geld in die Kasse kommt, die eingekaufte Ware aber nur mit Verzögerung bezahlt werden muss. Doch vor allem die kleinen Läden blieben zuletzt häufig leer. 2010 ging der Schlecker-Umsatz um 10 Prozent auf 6,55 Milliarden Euro zurück.

Was bedeutet Planinsolvenz?
Schlecker spricht von einer „geplanten Insolvenz“. Gemeint ist ein Planinsolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Dabei legt das Unternehmen dem Insolvenzrichter ein Sanierungskonzept vor, mit dem es entschuldet werden soll. Die Familie Schlecker könnte dabei Eigentümer bleiben. Bei einem Verfahren in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt – oft mit Unterstützung eines professionellen Sanierers. Der Insolvenzverwalter übernimmt nur die Aufsicht. „Wir haben ein gutes Konzept, aber es hängt natürlich von den Gläubigern ab“, sagte ein Schlecker-Sprecher am Sonntag. Denn sie entscheiden danach, wo sie die größeren Chancen sehen, ihr Geld wiederzusehen – wenn Schlecker weitermacht wie bisher, verkauft oder zerschlagen wird. Bisher wird die Eigenverwaltung nur in einem Bruchteil aller Verfahren genehmigt.

Was plant Schlecker konkret?
Wegen der Insolvenz würden nicht mehr der zuletzt 8000 Filialen geschlossen als ohnehin geplant, erklärte der Sprecher. Rund 800 wurden bereits in den vergangenen eineinhalb Jahren dichtgemacht, 600 sollten Anfang 2012 folgen. Zu genauen Zahlen will sich Schlecker nicht äußern. Direkte Konkurrenten wie Rossmann sind allerdings pessimistisch: Die weit überwiegende Zahl der Geschäfte sei bei Lage, Größe und Angebot nicht mehr konkurrenzfähig, sagte Firmenchef Dirk Roßmann. Viele Läden könne man nur noch zumachen. Für ihn kämen von Tausenden Schlecker-Filialen allenfalls 50 bis 80 für eine Übernahme infrage.

Welche Chancen bringt die Insolvenz?
In einem Fax an die Mitarbeiter sprach Schlecker am Freitag von einem „Startpunkt unter veränderten Bedingungen“. Derzeit verhindert etwa ein Sanierungstarifvertrag mit der Gewerkschaft ver.di betriebsbedingte Kündigungen. Mitarbeitern in geschlossenen Läden müssen woanders Arbeitsplätze angeboten werden. Daran ist der Insolvenzverwalter nicht gebunden. Er kann auch Mietverträge für leer stehende Ladenlokale kündigen. Nach Angaben des „Spiegels“ kann er helfen, im Planverfahren das Unternehmen von langfristigen Verträgen durch Sonderkündigungsrechte zu entlasten. Dazu gehören demnach etwa Miet-, Pacht-, Leasing- und Lieferverträge.

Und was wird aus „Ihr Platz“?
Für die zweite Marke im Schlecker-Reich ist die Insolvenz besonders bitter. Die Drogeriekette musste bereits 2006 Insolvenz anmelden, bevor sie von Schlecker übernommen wurde. „Ihr Platz“ verfügt aber meist über bessere Standorte als die Schlecker-Märkte. Experten geben ihnen gute Chancen. 

Aleaxander Hübner