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Wirtschaft TUI trägt Hauptlast der Hapag-Hilfen
Nachrichten Wirtschaft TUI trägt Hauptlast der Hapag-Hilfen
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22:22 07.10.2009
Von Jens Heitmann
Hapag-Lloyd ist in schwere See geraten, weil Containerschiffe weniger Fracht befördern als vor der Wirtschaftskrise.
Hapag-Lloyd ist in schwere See geraten, weil Containerschiffe weniger Fracht befördern als vor der Wirtschaftskrise. Quelle: ddp (Archiv)
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Die TUI ist an Hapag-Lloyd mit rund 43 Prozent beteiligt, die Mehrheit hält das Konsortium „Albert Ballin“. Den Angaben zufolge ist die TUI bereit, Darlehen in Höhe von 153 Millionen Euro in Eigenkapital, also Anteile an Hapag-Lloyd, zu wandeln und weitere 700 Millionen Euro in sogenanntes Hybridkapital – eine nachrangige und langfristig angelegte Mischform aus Fremd- und Eigenkapital.

Zudem kommen 227 Millionen Euro an Zins- und Tilgungsstundungen auf den Konzern zu und ein Anteil von 123 Millionen Euro an der geplanten Kapitalerhöhung des Hapag-Eigentümerkonsortiums Bidco. Zusammen mit dem bereits beschlossenen Erwerb der Beteiligung am Container-Terminal Altenwerder von 215 Millionen Euro summieren sich die Belastungen auf 1,418 Milliarden Euro.

Ein TUI-Sprecher wollte die Zahlen nicht kommentieren. Der Konzern werde Details zur Stützung der Reederei erst bekannt geben, wenn die Zusage für die beantragte Staatsbürgschaft in Höhe von 1,2 Milliarden Euro offiziell bestätigt sei. Diese stand auch gestern noch aus, obwohl der zuständige Lenkungsausschuss der Bundesregierung bereits am vergangenen Freitag grünes Licht gegeben hatte. Die Verzögerung erkläre sich durch Bedenken des Haushaltsausschusses, hieß es in Berlin.

Die Regierung wolle vor der Ausstellung der Urkunde noch offene Fragen der Abgeordneten beantworten. Dabei zeichnet sich ab, dass die Wünsche der Haushälter weitgehend ins Leere laufen. Die geforderte Deckelung der Vorstandsgehälter und das Ausschüttungsverbot für Dividenden bei Hapag-Lloyd und der TUI sei rechtlich nicht durchsetzbar, heißt es in der Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums.

Auch die Abbestellung bereits angezahlter Neubauten bei koreanischen Werften sei nicht möglich: Hapag-Lloyd selbst habe das bereits versucht, dann aber darauf verzichtet, weil die Kreditwürdigkeit der Reederei massiv gelitten hätte – „mit der Folge, dass evtl. fahrende Schiffe gepfändet werden könnten“, schreibt Staatssekretär Walther Otremba. Die geplante Umwandlung von Darlehen in Hybridkapital wird von Analysten unterschiedlich beurteilt. „Das ist eine Verschlechterung der Rechtsposition der TUI“, sagte Jochen Rothenbacher vom Investmenthaus Equinet.

Auch falle die Summe von 700 Millionen Euro überraschend hoch aus. Martina Noß von der Nord/LB sieht jedoch nicht nur Nachteile für den Konzern: „Für Investoren könnte eines Tages der Kauf von Hybridkapital interessanter sein als der von Darlehen – wenn es ein Recht gibt, einen Teil davon in Eigenkapital umzuwandeln.“