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Wirtschaft Reiseveranstalter streicht 450 Stellen in Hannover
Nachrichten Wirtschaft Reiseveranstalter streicht 450 Stellen in Hannover
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00:28 30.06.2019
Tui Deutschland plant einen starken Stellenabbau. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
Hannover

Der Reiseveranstalter Tui Deutschland will 450 Stellen in Hannover abbauen – innerhalb der nächsten beiden Jahre soll somit fast jeder dritte der rund 1500 Mitarbeiter das Haus verlassen. Die Deutschland-Tochter des Tui-Konzerns reagiere damit auf den digitalen Wandel in der Branche, sagte Geschäftsführer Marek Andryszak am Donnerstag. Besonders in der internen Abwicklung des Reisegeschäfts ließen sich viele Tätigkeiten automatisieren: „Wir wollen den Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich gestalten.“

Die Tui steht derzeit von mehreren Seiten unter Druck: Das Startverbot für die Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max hat unerwartete Mehrkosten zur Folge, weil der Konzern andere Flugzeuge mieten muss. Gleichzeitig lassen Überkapazitäten in der Branche die Margen der eigenen Fluglinien und Reiseveranstalter schrumpfen. Zudem drängen neue Wettbewerber wie das Vergleichsportal Check24 in den Markt. „Das klassische Veranstaltergeschäft steht vor großen Herausforderungen“, sagte Andryszak.

Fokus liegt auf Betreuung der Kunden

Um sich von der Konkurrenz abzusetzen, bezeichnet sich die Tui als „Hotel- und Kreuzfahrtkonzern“: Die Vermittlung von Reisen trage nur noch 30 Prozent zum Ergebnis bei, heißt es. Nach Einschätzung des Managements wird dieser Anteil weiter sinken. Die Tui lege ihren Fokus hier auf die Betreuung der Kunden, sagte Andryszak. Deshalb werde man in den Reisebüros und im Onlinevertrieb keine Kapazitäten abbauen.

Anders sieht dies hingegen bei den internen Prozessen aus. Wenn es etwa um das Zusammenstellen von Reisen geht oder um die Abwicklung von Reklamationen, lassen sich nach Einschätzung der Geschäftsführung viele Arbeitsabläufe automatisieren. Welche Tätigkeiten künftig der Computer übernehmen soll, sei noch nicht entschieden: „Wir werden die Maßnahmen auf einzelne kleinere Pakete aufteilen“, sagte Andryszak. „Welcher Prozess wann digitalisiert wird, können wir zum heutigen Zeitpunkt noch nicht sagen." Das Umbauprogramm werde alle Hierarchieebenen betreffen.

Die Arbeitnehmervertreter reagierten gefasst auf die Stellenabbaupläne. Der Betriebsrat könne die Logik hinter dem Umbau von Tui Deutschland nachvollziehen, sagte der Vorsitzende des Gremiums, Michael Pönipp. „Die Geschäftsführung will das Unternehmen fit machen für den Markt.“ Auch den Mitarbeitern sei nicht entgangen, dass sich die Reisebranche fundamental verändere. „Wir erwarten aber einen vernünftigen Dialog mit der Belegschaft und den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen“, sagte Pönipp.

Kündigungen sollen vermieden werden

Letzteres strebt auch das Management an – Garantien könne man aber nicht geben, sagte Andryszak. Tui Deutschland setze bei den Stellenstreichungen auf freiwillige Lösungen wie beispielsweise Abfindungen und Altersteilzeitverträge. Darüber hinaus hätten Beschäftigte die Möglichkeit, sich bei anderen Gesellschaften des Konzerns zu bewerben. Am Standort Hannover beschäftigt der Tui-Konzern insgesamt 4300 Mitarbeiter.

Der Schrumpfungsprozess von Tui Deutschland dauert schon länger an. Bereits vor Jahren hat der Reiseveranstalter das Callcenter und die Buchhaltung ausgelagert und in zwei Tochtergesellschaften mit schlechteren Tarifbedingungen gebündelt. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen mit der Gewerkschaft Verdi einen neuen Haustarifvertrag geschlossen, der auch besondere Angebote für die Weiterbildung in Sachen IT enthält. „Nun werden wir von der Realität überholt“, hieß es.

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