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Wirtschaft TUI Cruises startet in schwerer See
Nachrichten Wirtschaft TUI Cruises startet in schwerer See
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15:34 15.05.2009
Von Jens Heitmann
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"Mein Schiff" liegt vor Helgoland neben der deutschen Bark "Alexander von Humboldt". Quelle: Hero Lang/ddp
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Nach der Operndiva übernimmt Udo Lindenberg mit einem „großen Ahoi auf die panische Seefahrt“.

Sangeskünstler mit diesem Bekanntheitsgrad treffen Kreuzfahrer sonst nur auf Luxuslinern wie der „MS Europa“, dem Flaggschiff von Hapag-Lloyd, der TUI-Tochter für die oberen Zehntausend. Doch nun möchte der Konzern auch die Mittelklasse bedienen, weil hier zweistellige Zuwachsraten locken. Man ist spät dran, der Massentourismus auf See boomt seit Jahren, ohne dass die TUI davon profitiert hätte.

Erst fand die TUI kein passendes Schiff, weil die Werften keine Bauplätze frei hatten – dann den falschen Partner: Das geplante Joint Venture mit dem Weltmarktführer Carnival (Aida) scheiterte, offiziell an wettbewerbsrechtlichen Problemen. Erst vor einem Jahr schließlich tat sich der Konzern mit Royal Caribbean zusammen, beide sind je zur Hälfte an TUI Cruises beteiligt. Und die Amerikaner brachten auch das neue Schiff mit – es ist ihre alte „Galaxy“.

Inzwischen hat sich jedoch der Wind gedreht. Weil immer mehr Schiffe auf den Markt drängen, zugleich aber die Buchungslaune der Deutschen sinkt, erwartet die Branche für dieses Jahr ein eher flaues Geschäft. Zwar sollen insgesamt 1,4 Millionen Gäste die Schiffe besteigen, also noch einmal 100 000 Gäste mehr im Vorjahr – die Einnahmen jedoch könnten unter Druck geraten. Offiziell rechnet der Deutsche Reiseverband nur mit „leicht sinkenden Preisen“, dabei hat die Rabattschlacht längst begonnen.

Bei MSC Kreuzfahrten zum Beispiel war ein Bett auf einer 23-tägigen Reise von Südafrika nach Genua in einer Außenkabine für nur 1578 Euro zu haben – in ihren Katalog hatte die Reederei als Preis noch 4939 Euro gedruckt, wie das Branchenmagazin fvw vorrechnete. Konkurrent Hansa gab sich für einen 19-tägigen Südamerika-Törn mit der Hälfte der ursprünglich verlangten 4660 Euro zufrieden. TUI Cruises gewährt Frischvermählten im September einen „Hochzeitstarif“. Werde an Bord von „Mein Schiff“ ein Kind gezeugt, erstatte man den vollen Reisepreis zurück – „eine Bescheinigung des Gynäkologen“ vorausgesetzt.

Neutrale Branchenexperten sehen daher bis zum Ende der Sommersaison einen Preisrutsch von 5 bis 8 Prozent voraus. Im kommenden Wintergeschäft werde der Preiskampf richtig losgehen, glaubt Gerd Achilles vom Branchendienst „Schiffsreisen intern“. Daher wäre es sinnvoll, „eine Pause im Expansionswettlauf einzulegen, um das Geschäft auf dem aktuellen Niveau zu konsolidieren“, erklärt Alexander Möbius von der Beratungsfirma Seacon. Die Spätstarter von TUI Cruises wollen dem Rat jedoch nicht Folge leisten: Bis zum Jahr 2012 soll ihre Flottille auf drei Schiffe anwachsen.

Carola Böse-Fischer 14.05.2009