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Wirtschaft TUI-Chef Joussen: „Menschen verändern sich nicht gern“
Nachrichten Wirtschaft TUI-Chef Joussen: „Menschen verändern sich nicht gern“
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20:55 14.03.2013
Von Jens Heitmann
Foto: Friedrich Jokussen redete am Donnerstag in Hannover im Lichthof der Uni beim Wirtschaftsempfang.
Friedrich Jokussen redete am Donnerstag in Hannover im Lichthof der Uni beim Wirtschaftsempfang. Quelle: Kleinschmidt
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Hannover

Als Friedrich Joussen beim Reisekonzern TUI anfing, habe er immer die gleiche Rede gehalten, berichten Mitarbeiter. Tenor: Guten Tag, ich bin der Neue – und ich habe keine Ahnung. Natürlich war das kokett gemeint, aber als der designierte Vorstandschef seine Auftritte auch nach mehreren Monaten in Hannover noch nicht merklich variierte, wuchsen bei einigen erste Zweifel.„Also bei uns im Reisebüro ist die Probezeit nach drei Monaten beendet“, lästerte ein Betriebsrat. 

Inzwischen – Joussen hat den altgedienten TUI-Chef Michael Frenzel Mitte Februar an der Konzernspitze abgelöst – habe er die Ansprache intern deutlich verschärft, heißt es.

Beim Wirtschaftsempfang der Universität Hannover und der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN) am Donnerstag knüpfte Joussen an seine ersten Schritte in Hannover an. Als er die Einladung für seinen Gastvortrag bekommen habe, sei ihm nicht klar gewesen, auf welcher Veranstaltung er hier eigentlich sprechen solle, sagte der neue TUI-Chef. Inzwischen habe er jedoch verstanden, dass dies das wichtigste Treffen von Wissenschaft und Wirtschaft in der Landeshauptstadt sei.

Der Manager nutzte das Forum, um sein Verständnis von Führung und Veränderung in einem Unternehmen darzulegen. Wer Reformen anstoßen wolle, müsse zunächst eine klare Vision entwickeln, dann die Mitarbeiter überzeugen und schließlich das Projekt in die gewünschte Richtung anschieben. In dieser Allgemeinheit werden dem Konzept vermutlich viele Menschen zustimmen – doch nach Einschätzung von Joussen ist damit noch nicht viel gewonnen, denn: „Menschen verändern sich nicht gern – und die Deutschen schon gar nicht.“

Für einen Wirtschaftsstandort könne das zu einem ernsten Problem werden, sagte Joussen und nannte als Beispiel die Debatte um das geplante Bahnhofsprojekt Stuttgart 21. Der TUI-Chef räumte jedoch ein, dass es für einen Unternehmenschef deutlich einfacher sei, die für eine Veränderung nötige Bereitschaft herbeizuführen – durch „Leadership“, durch Führung also. Dass das manchmal auch in Konzernen nicht so einfach ist wie in Festreden, erlebt Joussen bei der TUI gerade am eigenen Leib: Seine Bewegungsfreiheit beim Reisekonzern gilt als recht begrenzt. Hinter den Kulissen zieht ein Großaktionär aus Moskau die Fäden, der ebenfalls sehr genau weiß, was „Leadership“ bedeutet.

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