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Wirtschaft Stadtwerke erleiden Ergebnis-Einbruch
Nachrichten Wirtschaft Stadtwerke erleiden Ergebnis-Einbruch
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18:09 14.03.2012
Von Bernd Haase
Walter Meinhold (links), der scheidende Vorsitzende des Aufsichtsrates der Stadtwerke Hannover AG und Vorstandsvorsitzende Michael Feist auf der Pressekonferenz.
Walter Meinhold (links), der scheidende Vorsitzende des Aufsichtsrates der Stadtwerke Hannover AG und Vorstandsvorsitzende Michael Feist auf der Pressekonferenz. Quelle: Christian Burkert
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Hannover

Die Stadtwerke Hannover haben im Jahr 2011 trotz Umsatzsteigerung ein Minus von 14 Prozent beim Jahresergebnis hinnehmen müssen. Insgesamt wird der Energieversorger gut 126 Millionen Euro an Gewinnen, Konzessionsabgaben und Steuern an seine Eigner ausschütten. "Die Zahlen entsprechen unseren Erwartungen", sagte der Vorstandsvorsitzende Michael Feist bei der Präsentation der Bilanz.

Zu schaffen machen den Stadtwerken erstens die hohen Beschaffungskosten für Öl und Steinkohle, zweitens die laut Feist derzeit schwachen Margen auf dem Strommarkt und drittens das vergleichsweise milde Wetter, das die Erlöse beim Wärmegeschäft schmelzen ließ. Für die kommenden Jahre erwarten der Stadtwerkechef ähnliche Ergebnisse. In Sachen Preisgestaltung will er sich nur für das erste Halbjahr 2011 festlegen und schließt für diesen Zeitraum Erhöhungen für Gas-, Strom- und Wasserpreise aus. "Was danach passiert, kann man jetzt noch nicht sagen", erklärte Feist. Unter anderem versuchen die Stadtwerke derzeit, einen umfangreichen und ungünstigen Gaslieferungsvertrag mit einem multinationalen Energiekonzern neu zu gestalten.

Auf ihrem Heimatmarkt in Hannover und in angrenzenden Städten haben die Stadtwerke sowohl beim Gas als auch beim Strom im vergangenen Jahr etwa 2 Prozent Marktanteile an Wettbewerber verloren. Mit jeweils knapp 90 Prozent sind sie aber nach wie vor mit weitem Abstand Platzhirsch. Auffällig ist, dass sich die Zahl der Ökostrom-Bezieher mit aktuell rund 31400 mehr als verfünffacht hat. Weil viele von ihnen nach der Reaktorkatastrophe in Japan dieses Angebot gewählt haben, sprach Feist von einem Fukushima-Effekt.

Mittlerweile strecken die Stadtwerke ihre Fühler über die Stammregion hinaus aus. Beim Strom erzielen sie mittlerweile mehr als die Hälfte des Absatzes außerhalb ihres eigenen Netzgebietes. Demnächst wollen sie über ihre Tochter Danpower die Stadtwerke der Stadt Voru in Estland übernehmen, die Fernwärme aus Biomasse erzeugen. "Das dient als Plattform für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien", sagte Technik-Vorstand Harald Noske. Die Stadtwerke wollen bis 2020 die Stromerzeugung so weit umstellen, dass Privatkunden nur noch Naturstrom erhalten.

Ausweislich einer Befragung sind zwei von drei Stadtwerkekunden mit dem Energieversorger zufrieden. Der Vorstand sieht das als gutes Ergebnis in einem Jahr mit Preiserhöhungen sowie einem Stromausfall in Hannover. Nach Angaben von Personalvorstand Jochen Westerholz, der auch den juristischen Bereich verantwortet, führt das Unternehmen erstmals seit acht Jahren keine Prozesse mehr wegen angeblich zu hoher Gaspreise. Wenn sich heute der neue Aufsichtsrat konstituiert, hört der Vorsitzende Walter Meinhold nach 20 Jahren auf. Als Favorit für die Nachfolge gilt mittlerweile Stadtkämmmerer Marc Hansmann.

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