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Wirtschaft Stadtwerke Hannover steigen aus der Kohle aus
Nachrichten Wirtschaft Stadtwerke Hannover steigen aus der Kohle aus
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20:54 02.11.2010
Von Jens Heitmann
Quelle: Nancy Heusel (Symbolbild)
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Übrig bleibt vorerst die Beteiligung am Gemeinschaftskraftwerk in Hannover-Stöcken, das man zusammen mit VW betreibt.

Den Ausstieg begründet der Vorstand in einer Vorlage für den Aufsichtsrat mit dem von der Bundesregierung vorgelegten neuen Energiekonzept, das unter anderem den Ausbau erneuerbarer Energien und eine Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke beinhaltet. Die Rahmenbedingungen hätten sich dadurch verschlechtert, teilten die Stadtwerke Hannover am Dienstag mit. Der Stadtwerke-Verband VkU hatte zuletzt davor gewarnt, dass dadurch der Markt für vergleichsweise teuren Strom aus neueren, noch nicht abgeschriebenen Kraftwerken verschlossen werde.

Die Stadtwerke Hannover wollten ursprünglich etwa 300 Millionen Euro in das von e.on vorangetriebene Staudinger-Projekt mit einer Gesamtkapazität von 1100 Megawatt investieren – und sollten über 265 Megawatt verfügen dürfen. Mit dem Neubau wollte sich das Unternehmen unabhängiger vom Stromhandelsmarkt machen. Auf die zuvor geplante Erweiterung von Mehrum wurde seinerzeit verzichtet.

Bereits vor einem Jahr hatten sich die Prioritäten der Hannoveraner geändert. Im Rahmen eines Kapazitätstausches übernahmen die Stadtwerke den 50-prozentigen Anteil von e.on am Kraftwerk Mehrum, im Gegenzug verringerten sie ihren Anteil an Staudinger um die Hälfte auf 12,6 Prozent. Durch Verzögerungen im Genehmigungsverfahren und gestiegene Baukosten waren in Hannover Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Meilers gewachsen. Parallel dazu musste das Unternehmen Kredite in der Größenordnung von einer halben Milliarde Euro aufnehmen, um – zusammen mit anderen kommunalen Versorgern – e.on die Beteiligungsholding Thüga abzukaufen. Vorstandschef Michael Feist hatte daraufhin eine Phase der Konsolidierung angekündigt.

Für den Ausstieg aus Staudinger bekommen die Stadtwerke von e.on dem Vernehmen nach unter dem Strich 7 Millionen Euro. Mit dem Verkauf von Mehrum wolle man sich Zeit lassen, verlautete aus dem Unternehmen. Erst wenn sich die Großhandelspreise für Strom nachhaltig erhöhten, sei ein angemessener Preis zu erzielen.

Die Ratsfraktion der Grünen begrüßte den Ausstiegsbeschluss der Stadtwerke. „Statt sich gegen den Widerstand der dortigen Bevölkerung am Bau eines klimaschädlichen Kohlekraftwerks in Hessen zu beteiligen, können die Stadtwerke nun die dadurch frei werdenden 300 Millionen Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien im Raum Hannover investieren“, erklärte der stellvertretende Fraktionschef Michael Dette.