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Wirtschaft Sparkassenpräsident teilt kräftig aus
Nachrichten Wirtschaft Sparkassenpräsident teilt kräftig aus
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08:40 14.03.2012
Von Albrecht Scheuermann
Foto: „Instabile Geschäftsmodelle“: Thomas Mang sieht die Großbanken als Risiko.
„Instabile Geschäftsmodelle“: Thomas Mang sieht die Großbanken als Risiko. Quelle: Ralf Decker
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Hannover

Die Sparkassen schlagen Alarm: Mit ihrer "gewaltigen Geldschwemme" unterstütze die Europäische Zentralbank die "instabilen Geschäftsmodelle der internationalen Großbanken" zulasten regionaler Institute wie der Sparkassen, kritisierte Niedersachsens Sparkassenpräsident Thomas Mang am Dienstag in Hannover. Er sprach von einer "gewaltigen Wettbewerbsverzerrung", weil die billigen Notenbankkredite in erster Linie den Großbanken zugute kämen und ihnen einen unfairen Vorteil verschafften.

Die Sparkassen fühlen sich auch durch immer mehr Vorschriften zu Bankenregulierung und Verbraucherschutz unter Druck gesetzt. "Die Geschäftspolitik aller Banken wird mehr denn je durch Regulierung dominiert", die Bedürfnisse der Kunden gerieten ins Hintertreffen, sagte Mang. Die Finanzkrise habe zur "Regulierung mit dem Rasenmäher" geführt, obwohl die Sparkassen die Krise nicht verursacht, sondern im Gegenteil das Finanzsystem gestützt hätten.

"Stabile Banken mit realem Kundengeschäft" wie Sparkassen oder Volksbanken würden durch einen Wust an neuen Vorschriften behindert - zum Beispiel durch neue Kapitalanforderungen, obwohl die wahren Risiken bei den Großbanken lägen. Mang wünscht sich mehr Unterstützung durch die Politik. Hart ins Gericht ging er mit verschärften Verbraucherschutzregeln, durch die die Institute "stranguliert" würden. Dies könne dazu führen, dass Wertpapiergeschäft für kleine Kunden wegen des zu großen Aufwands nicht mehr angeboten werde.

Einen Rüffel bekamen auch die Verbraucherschützer. Manche ihrer Aussagen seien "nicht nur sachlich sehr zweifelhaft, ständig werden Hunderttausende von Bankberatern mit diskriminierenden Vorwürfen konfrontiert". Nach Ansicht Mangs sollte stärker der "mündige Verbraucher" in den Mittelpunkt gestellt werden. Es gebe viel weniger Fehlentwicklungen als behauptet. "Alles in allem ist die Beratung bei den Sparkassen sehr, sehr gut."

Die im Sparkassenverband Niedersachsen zusammengeschlossenen 46 Sparkassen haben 2011 insgesamt gut abgeschnitten, wie Mang berichtete. Einlagen- und Kreditgeschäft legten zu, das Wertpapiergeschäft lahmte allerdings. Es gebe einen deutlichen Trend zu einfachen und kurzfristigen Geldanlagen, sodass zum Beispiel die Termineinlagen um 12 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zunahmen. Das zusammengefasste Betriebsergebnis der 46 Institute vor Bewertung war mit 1,12 Prozent der Bilanzsummen etwas höher als im Vorjahr. Unter dem Strich blieben Jahresüberschüsse von knapp 200 Millionen Euro. Die Sparkassen führen in Niedersachsen insgesamt 4,2 Millionen Girokonten, verfügen über 1153 Geschäftsstellen und beschäftigen 23700 Mitarbeiter.