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Wirtschaft Lukrative Kontrastmittel: Kassen wollen Millionengeschäfte der Radiologen unterbinden
Nachrichten Wirtschaft Lukrative Kontrastmittel: Kassen wollen Millionengeschäfte der Radiologen unterbinden
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07:00 09.08.2019
Für Untersuchungen in einem Magnetresonanztomografen sind Kontrastmittel nötig. Quelle: Bernd Wüstneck/dpa
Hannover

Weil Radiologen bei der Abrechnung von Kontrastmitteln offenbar stattliche Gewinne machen, wollen Krankenkassen dem Millionengeschäft zu ihren Lasten nun einen Riegel vorschieben. Bisher können Röntgenärzte in Niedersachsen pro Liter Kontrastmittel eine Pauschale von 3900 Euro abrechnen – obwohl sie die Flüssigkeit, die bei Untersuchungen in Magnetresonanztomografen (MRT) und Computertomografen (CT) gespritzt wird, für weniger als 700 Euro je Liter von den Herstellern bekommen können. Insgesamt belaufen sich die Kosten für die Kassen auf etwa 18 Millionen Euro im Jahr. „Wir wollen eine Absenkung der Pauschalen in Richtung der realistischen Marktpreise erreichen“, sagt Jörg Niemann, Leiter des Landesverbandes der Ersatzkassen.

„Pro MRT-Gerät sind zusätzliche Gewinne von 90.000 Euro möglich“

Aufgrund von Hinweisen auf hohe Zusatzgewinne von Radiologen haben die Krankenkassen die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) bereits Ende Mai um die Aufnahme von Verhandlungen gebeten. Inzwischen gebe es dafür weitere Indizien, heißt es in deren Lager. Nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung liegen die Einkaufspreise vieler Praxen deutlich unter den von den Kassen gezahlten Pauschalen. Pro MRT-Gerät seien somit zusätzliche Gewinne in Höhe von 90.000 Euro pro Jahr möglich. „Das ist eine realistische Größenordnung“, sagt ein Controlling-Experte einer großen Krankenkasse.

Listenpreise liegen bei bis zu 7000 Euro je Liter Kontrastmittel

Kontrastmittel werden Patienten vor radiologischen Untersuchungen verabreicht, um Blutgefäße, Gallenwege, Magen oder Darm besser sichtbar zu machen. Für diese Arzneien gelten andere Regeln als für sonstige Medikamente: Die Ärzte beziehen sie nicht über Apotheken, sondern als „Sprechstundenbedarf“ direkt von den Herstellern. Früher konnten Radiologen die Mittel den Krankenkassen auf Grundlage des Listenpreises in Rechnung stellen – offiziell berechnen die Pharmaunternehmen zwischen 6000 und 7000 Euro je Liter.

Um keine Mondpreise mehr bezahlen zu müssen, verlangten die Kassen eine Änderung des Abrechnungssystems. Seit 2016 gilt in Niedersachsen und vier anderen Bundesländern die einheitliche Pauschale von 3900 Euro je Liter. „Das ist aus heutiger Sicht aber zu viel“, heißt es bei den Krankenkassen: „Die Ärzte haben gegenüber den Herstellern großes Verhandlungsgeschick bewiesen.“

Pauschalen sollen bleiben – aber die Höhe ist umstritten

Nach Einschätzung der KVN hat sich die bisherige Abrechnungspraxis bewährt. „Pauschalen dienen nicht nur der Planbarkeit und Wirtschaftlichkeit für alle Beteiligten, sondern auch der Patientensicherheit und dem Umweltschutz, da ein geringerer Kontrastmittelverbrauch auch zu geringeren Umweltbelastungen führt“, sagt Vorstandschef Mark Barjenbruch. In Niedersachsen habe man Obergrenzen für den Verbrauch eingezogen – damit bestehe für die Ärzte kein Anreiz, die Anzahl der Untersuchungen aus finanziellem Interesse auszuweiten.

Sowohl die KVN als auch die Kassen wollen an den Pauschalen festhalten. Diese Art der Abrechnung biete ein hohes Maß an Transparenz, heißt es bei den Kassen. Aufseiten der Ärzte ist von einer „bürokratiearmen Lösung“ die Rede. Nur die Höhe des künftigen Pauschalbetrags ist umstritten. Die Verhandlungen darüber starten Ende August.

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