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Wirtschaft Schweinepest in China: Von 3000 Tieren sind 60 übrig
Nachrichten Wirtschaft Schweinepest in China: Von 3000 Tieren sind 60 übrig
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13:01 21.05.2019
Tote Schweine werden von einem Bagger auf einer Deponie nahe Hongkong entsorgt. In einem Schlachthof in Hongkong wurden Fälle der Afrikanischen Schweinepest festgestellt, weshalb alle Schweine der Anlage getötet und vernichtet werden mussten. Quelle: Kin Cheung/AP/dpa
Wai

Ausgerechnet zur Grillsaison wird Schweinefleisch in Deutschland wohl teurer. Die Erzeugerpreise für Schlachtschweine seien in den vergangenen Monaten um rund 30 Prozent gestiegen, sagte Mechthild Cloppenburg von der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Einer der Hauptgründe für die Entwicklung ist laut AMI der durch die Afrikanische Schweinepest verursachte dramatische Rückgang in der chinesischen Schweineproduktion.

Was das bedeutet, bekommt Lee Wai Man vor Ort zu spüren. Sie liebt Schweinefleisch, wann immer möglich, kauft sie es frisch vom Markt in Hongkong. Doch möglich ist es immer seltener: Ihre Leibspeise kann sich die 87-Jährige kaum noch leisten, seit die Schweinepest die Preise in die Höhe treibt. Im Sommer vergangenen Jahres wurde der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest im Nordosten Chinas bekannt. Seitdem sind rund eine Million Tiere verendet.

Die für Menschen ungefährliche Krankheit hat sich nach Informationen der UN-Ernährungsorganisation FAO auf 31 der 34 chinesischen Provinzen ausgedehnt. Dabei ist China mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern Großproduzent und -konsument in Sachen Schweinefleisch und normalerweise jeweils für zwei Drittel des weltweiten Angebots und der weltweiten Nachfrage verantwortlich.

Chinesischer Produktion eingebrochen

Jetzt aber bricht die Produktion im Land massiv ein. Einen solchen Ausbruch der Krankheit habe es noch nie gegeben, erklärt der Epidemiologe Dirk Pfeiffer von der City University in Hongkong. Schätzungen der Branche gehen davon aus, dass der chinesische Ausfall so groß sein wird wie die gesamte europäische Jahresproduktion. In diesem Jahr ist nach Prognosen der niederländischen Rabobank mit einem Einbruch von bis zu 35 Prozent auf dem chinesischen Markt zu rechnen.

Die riesige Lücke versucht China mit Importen zu stopfen. Die weltweiten Vorräte würden „nach China umgeleitet“, heißt es in einem Rabobank-Bericht. Deswegen werde dann wohl das Fleisch auf anderen Märkten knapp. „Alle wollen so viel Schweinefleisch wie möglich einführen“, umreißt Angela Zhang vom Industrie-Analysten IQC Insights die Lage. Und der Trend werde sich noch beschleunigen, wenn der Ertrag in China weiter zurückgehe, betont sie.

Deutsche Preise steigen um 30 Prozent

Das wird auch in Deutschland spürbar. Die Erzeugerpreise für Schlachtschweine seien in den vergangenen Monaten um rund 30 Prozent gestiegen, sagte Mechthild Cloppenburg von der Agrarmarkt Informationsgesellschaft (AMI) der Deutschen Presse-Agentur. Ein solcher Anstieg schlage erfahrungsgemäß auch auf die Endverbraucherpreise durch. Sie rechnet mit weiteren Preissteigerungen

In Europa oder Japan dürfte es den Verbrauchern wenig schmecken, wenn sie für ihr Schnitzel tiefer in die Tasche greifen müssen. Dirk Klusmeier, Obermeister der Fleischer-Innung Westfalen Mitte, betonte aber, eine Fleischknappheit sei nicht zu erwarten. Allerdings müssten die Fleischereifachgeschäfte die erhöhten Preise an ihre Kunden weitergeben. „Für 2019 müssen sie sich bei Qualitätsfleisch - zum Beispiel auch bei Produkten wie Schnitzel, Wurst oder Grillfleisch - auf höhere Preise einstellen.“

Grillgut wird teurer

Den größten Teil seiner Schweinefleischimporte bezieht China aus Spanien mit 20 Prozent. Dicht dahinter folgt Deutschland mit 19,5 Prozent, an dritter Stelle kommt Kanada mit 16 Prozent. Allein in den ersten beiden Monaten 2019 wurden aus Spanien fast 33 Prozent mehr Schweinefleisch und andere Schweineprodukte nach China ausgeführt als in den Vergleichsmonaten des Vorjahres, wie die spanische Branchenvereinigung Interporc meldet.

Die Zahl der Schweine in China wird derweil Schätzungen zufolge auf einen Tiefstwert sinken. Die USDA rechnet damit, dass es bald nur noch 350 Millionen Tiere geben wird, so wenig wie seit den 1980er Jahren nicht mehr.

Von 3000 Schweinen sind 60 übrig

Er habe schon 800 Schweine verloren, sagt der Landwirt Yang Wenguo aus Jiangjiaqiao nordöstlich von Peking. Jetzt hat er nur noch ein paar Dutzend. Die meisten Verschläge auf seinem Betrieb sind leer, ein Schwein hat Schaum am Mund, kleinere Tiere husten. „Man kauft Schweine, dann sterben sie alle“, klagt Yang, während er über den mit Desinfektionsmittel getränkten Boden läuft.

Von den rund 3000 Schweinen in dem Dorf sind nur etwa 60 übrig.

Von RND/AP/dpa