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Wirtschaft Salzgitter spart, ContiTech kauft ein
Nachrichten Wirtschaft Salzgitter spart, ContiTech kauft ein
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21:59 09.04.2013
Hoher Besuch: Heinz-Gerhard Wente (links) zeigt den Großaktionären Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler die ContiTech-Neuheiten.
Hoher Besuch: Heinz-Gerhard Wente (links) zeigt den Großaktionären Maria-Elisabeth und Georg Schaeffler die ContiTech-Neuheiten. Quelle: Dröse
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Hannover

Salzgitter will sich schnellstens fit für die härteren Wettbewerbsbedingungen in Europa als Folge der Euro-Schuldenkrise und dadurch bedingter Überkapazitäten machen. Das Ende 2012 vom Stahl- und Röhrenkonzern angekündigte Strukturprogramm soll schon in der zweiten Jahreshälfte „implementiert“ werden, wie Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann gestern beim Kundentag des Unternehmens auf der Hannover Messe sagte. Damit werde ein deutlicher Stellenabbau verbunden sein. „Wenige Hundert werden nicht reichen.“ Salzgitter beschäftigt rund 25 000 Mitarbeiter.

Einzelheiten wollte Fuhrmann nicht preisgeben. Darüber werde jetzt mit dem Betriebsrat und der IG Metall sowie dem Aufsichtsrat verhandelt. Größter Anteilseigner bei Salzgitter ist das Land Niedersachsen mit gut 25 Prozent. Aber so viel steht fest: Die geplanten Einschnitte werden laut Fuhrmann die tiefsten der vergangenen 15 Jahre sein. Mehr Kundenorientierung, höhere Effizienz der Produktionsprozesse und -abläufe – das soll mit der Fitnesskur erreicht werden. „Wir müssen die vorhandenen PS besser auf die Straße bringen.“ sagte der Salzgitter-Chef.

Die Konzernbereiche, bislang dezentral geführt, sollen an die kürzere Leine gelegt werden. Das hatte Fuhrmann jüngst angekündigt. Gestern wurde er deutlicher. Manche Töchter hätten bislang mehr gegeneinander als miteinander gearbeitet und sich gegenseitig Konkurrenz gemacht – zum Schaden des gesamten Konzerns. Zudem sei das technische Potenzial nicht ausgeschöpft worden.

Erste Effekte des Programms dürften noch in diesem Jahr wirksam werden, so der Konzernchef. Es werde aber nicht nur positive Wirkungen durch Einsparungen, sondern auch negative etwa durch Einmalkosten für Personalabbau geben. 2014 erwartet Fuhrmann dann „greifbare positive Effekte“ in der Bilanz. Salzgitter hatte 2012 bei 10,4 Milliarden Euro Umsatz unter dem Strich einen Verlust von knapp 100 Millionen Euro ausgewiesen.

Das erste Quartal 2013 verlief durchwachsen. Auftragseingänge und Auslastung bei Flachstahl und Grobblech bezeichnete Fuhrmann als gut, schlechter als im Vorjahresquartal seien die Bestellungen bei den Peiner Trägern, dem derzeit größten Sorgenkind des Konzerns. Im Grobblech-Bereich sieht Fuhrmann sogar wieder „Spielraum für maßvolle Preiserhöhungen“ in den nächsten vier bis sechs Wochen.

Die leichte Aufwärtsbewegung im bisherigen Jahresverlauf werde vor allem von „Lagerergänzungen“ gestützt, hatte zuvor Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, berichtet. Die Stahlbranche setze auf ein Anziehen der Konjunktur bei ihren wichtigstenen Kunden im Maschinenbau, der Auto- und Bauindustrie im zweiten Halbjahr.

ContiTech plant mehrere Übernahmen

Continentals führender Firmenjäger Heinz-Gerhard Wente hat sich für dieses Jahr offenbar gleich mehrere Übernahmen vorgenommen. Sowohl im Bereich der Transportbänder als auch bei Schläuchen und Antriebsriemen „führen wir derzeit durchaus Erfolg versprechende Gespräche“, sagte der Vorstandschef des Kautschukspezialisten ContiTech bei der Bilanzvorlage auf der Hannover Messe.

Die Größenordnung bewege sich allerdings „im Bereich der Adjustierungen“, wie es Wente umschrieb. Will heißen: Die Übernahmeziele kommen höchstens auf je 100 Millionen Euro Umsatz – und werden die Produktpalette des Auto- und Industriezulieferers damit eher auf Spezialfeldern ergänzen, als dem Konzern zu großen Sprüngen zu verhelfen.

ContiTech als Holding mit acht sehr unterschiedlichen Geschäftsbereichen ist seit Jahren mit Übernahmen aktiv. Im vergangenen Jahr beispielsweise nahmen die Hannoveraner den Konkurrenten Freudenberg und Parker Hannifin Randbereiche ab. Über Zukäufe soll die Conti-Tochter helfen, die Abhängigkeit des Konzerns von den Autoherstellern zu verringern. Dabei hat ContiTech mit seinen Tausenden Produkten noch ein gutes Stück Weg vor sich. Zuletzt lag der Umsatzanteil, den das Unternehmen jenseits der Autoindustrie erwirtschaftet, bei 47 Prozent.

Dafür kommen die Hannoveraner bei dem Plan voran, sich unabhängiger vom schwächelnden europäischen Markt zu machen. Im vergangenen Jahr konnte man mit satten Zuwächsen in Amerika (plus 32 Prozent) und Asien (plus 23 Prozent) die Rückgänge auf dem Heimatkontinent mehr als ausgleichen. Der Umsatzanteil von Europa schrumpfte um sieben Punkte auf 66 Prozent. Insgesamt legte ContiTech 2012 um gut 4 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis stieg um 6 Prozent auf 442 Millionen Euro. Wente will 2013 ähnlich stark zulegen und dabei die Gewinnmarge stabil halten.

Die Wachstumsgaranten kamen zuletzt vor allem aus Niedersachsen. Das hannoversche Traditionshaus Benecke-Kaliko, Weltmarktführer bei Folien für den Autoinnenraum, steigerte den Umsatz um 12 Prozent auf 357 Millionen Euro, die Schwingungsspezialisten von Vibration Control gleich neben der Conti-Konzernzentrale legten um 7 Prozent auf 321 Millionen Euro zu, die Northeimer Transportbandsparte wuchs um 6 Prozent auf 616 Millionen Euro. Mit Abstand größter Bereich ist ContiTech Fluid aus dem hessischen Korbach mit 1,4 Milliarden Euro Umsatz (plus 5 Prozent).

Die deutschen Werke seien weitgehend gut ausgelastet, bis auf 20 Beschäftigte in einem thüringischen Standort sei niemand in Kurzarbeit, sagte Wente. Allerdings fingen einige Fabriken Abschwünge mit den Arbeitszeitkonten auf. ContiTech beschäftigt weltweit 28 210 Mitarbeiter, davon allein fast 3000 in der Region Hannover.

Carola Böse-Fischer/Lars Ruzic

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