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Wirtschaft Mal Kollegen, mal Konkurrenten – warum die Tui auf ein Aus von Thomas Cook spekulierte
Nachrichten Wirtschaft Mal Kollegen, mal Konkurrenten – warum die Tui auf ein Aus von Thomas Cook spekulierte
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11:55 23.09.2019
Die Tui hat sich unter dem neuen Vorstandschef Friedrich Joussen zu einem Hotel- und Kreuzfahrtkonzern gewandelt. Quelle: Michael Wallmüller
Hannover

Als vor einer Woche Gerüchte die Runde machten, die Tui sei an einer Allianz mit Condor interessiert, folgte das Dementi auf dem Fuß: „Wir führen keine Gespräche“, verlautete aus dem Konzern. Schon da spekulierte man beim Marktführer in Hannover auf die Pleite des größten Konkurrenten Thomas Cook – und hoffte auch auf das Aus für dessen Ferienflieger. „Der Markt schreit nach einer Konsolidierung“, sagte Tui-Chef Friedrich Joussen in einem HAZ-Interview. Weil zu viele Maschinen unterwegs sind, stehen die Flugpreise in Europa unter Druck.

Bestrebungen zu einer Bereinigung des Reisemarktes gibt es schon länger – die Tui und Thomas Cook waren immer die maßgeblichen Treiber. Unter ihrem alten Namen Preussag machte sich die Tui Ende der Neunziger Jahre daran, in der Branche ein große Nummer zu werden: Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war die Übernahme der Thomas Cook Group vom damaligen eigenen Großaktionär West/LB. „Damit erreichen wir den strategisch wichtigen Einstieg in den englischen Markt“, sagte damals der frühere Vorstandschef Michael Frenzel.

Tui und Thomas Cook kommen sich die Quere

Doch das war den Hannoveranern schon bald nicht mehr genug: Zwei Jahre später kaufte die Tui mit der britischen Thomson Travel den Touristik-Marktführer auf der Insel. Daneben erwarb der Konzern auch die Fluggesellschaft Britannia Airways. Diese Marktmacht war der EU-Kommission jedoch ein bisschen zu groß – die Tui musste sich deshalb von ihren Anteilen an Thomas Cook wieder trennen. Die Briten wurden danach von Karstadt-Quelle übernommen.

Nun waren beide Konzerne wieder Konkurrenten – und kamen sich alsbald in die Quere: Als Thomas Cook 2006 den britischen Wettbewerber My Travel übernahm, fühlte man sich bei der Tui in Zugzwang – und tat sich im Jahr darauf mit der englischen First Choice zusammen, einem „hervorragenden Partner mit einem hervorragenden Management“ und zudem auch noch „hochprofitabel“, wie es damals hieß.

Da die Tui seinerzeit eher klamm war, konnte sie sich eine Übernahme nicht leisten. Der Kompromiss lag in einer Fusion des Reisegeschäfts beider Unternehmen zur Tui Travel – die Reederei Hapag-Lloyd, die damals noch zum Konzern gehörte, blieb außen vor.

Thomas Cook geht das Geld aus

Die Tui und Thomas Cook machten sich in der Folge daran, die einzelnen Bausteine des Reisegeschäfts enger zu verzahnen – die Briten kamen damit schlechter voran als der Konkurrent aus Hannover. Im Jahr 2011 stand Thomas Cook erstmals kurz vor der Insolvenz, die Rettung gelang in letzter Minute.

Die hohen Schulden aus dieser Zeit zogen hohe Zinszahlungen nach sich – und sind ein wichtiger Grund für die heutige Schieflage.

Unterdessen wandelte sich die Tui unter dem neuen Vorstandschef Friedrich Joussen zu einem Hotel- und Kreuzfahrtkonzern, für den die Reiseveranstalter immer unwichtiger werden. Thomas Cook hat diese Strategie eher halbherzig kopiert – auch weil es an der nötigen Finanzkraft haperte.

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