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Wirtschaft Puh, schon wieder die Steuererklärung
Nachrichten Wirtschaft Puh, schon wieder die Steuererklärung
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00:18 27.04.2015
Foto: Die Steuererklärung ist für viele Menschen eine Herausforderung.
Die Steuererklärung ist für viele Menschen eine Herausforderung. Quelle: Fotolia
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Hannover

Für viele Steuerzahler wird es höchste Zeit: Bis Ende Mai muss die Einkommensteuererklärung abgegeben werden. Was wirkt sich steuermindernd aus, was nicht? Vier Experten haben bei einer HAZ-Telefonaktion Fragen der Leser beantwortet.

Hier eine Auswahl:

Ich muss für meinen Vater Zuzahlungen zum Pflegeheim leisten. Kann ich diese in meiner Steuererklärung geltend machen?

Diese Kosten sind außergewöhnliche Belastungen. Da die Unterbringung krankheitsbedingt erfolgt, gilt dies nicht nur für die unmittelbaren Pflegekosten, sondern auch für die enthaltenen Aufwendungen für Unterkunft und Verpflegung. Sie tragen die Kosten zusammen mit weiteren außergewöhnlichen Belastungen, beispielsweise Ihre eigenen Krankheitskosten oder Zuzahlungen für Brille und Zahnersatz, in die entsprechenden Zeilen auf der dritten Seite des Mandelbogens ein.

Von diesen Kosten wird jedoch ein zumutbarer Eigenanteil vom Finanzamt abgezogen. Für die Pflegekosten ist noch wichtig, dass Sie diesen Betrag zusätzlich nochmals eintragen in die Zeile 70 im Mantelbogen. Hierdurch erhalten Sie im Steuerbescheid eine Steuerermäßigung von 20 Prozent - analog zu haushaltsnahen Dienstleistungen und Handwerkerrechnungen - auf den Anteil der Pflegeheimkosten, der sich durch die zumutbare Belastung nicht auswirkt.

Mit welchen Versicherungen erhält man eigentlich eine Steuerersparnis? Ich habe in der Vergangenheit immer alle in die Steuererklärung eingetragen, aber nichts zurückbekommen.

Zunächst einmal zählen die Beiträge zur Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung als Sonderausgaben. Allerdings werden diese beim Arbeitnehmer bereits beim Lohnsteuerabzug durch die Vorsorgepauschale berücksichtigt. Deshalb ergibt sich in der Steuererklärung keine zusätzliche Steuerersparnis für diese Beiträge. Trotzdem müssen die Werte in die Anlage Vorsorgeaufwand eingetragen werden, weil die Einkommensteuer unabhängig von der Lohnsteuer nochmals vollständig neu berechnet wird. Weitere Versicherungen, die sich darüber hinaus in der Steuererklärung auswirken, sind Beiträge zu zertifizierten Riester- und Rürup-Verträgen.

Beiträge zur Arbeitslosenversicherung und zu privaten Versicherungen wie Unfallversicherung oder Haftpflicht bringen nur selten eine weitere Steuerersparnis, da der geltende Höchstbetrag meist bereits durch die Krankenversicherung ausgeschöpft ist. Allerdings muss der Bundesfinanzhof in einem Musterprozess noch entscheiden, ob dies rechtens ist. Deshalb bleiben alle Steuerbescheide dahingehend vorläufig, und es ist ratsam, alle Versicherungsbeiträge auch einzutragen.

Ich habe im vergangenen Jahr eine Rentenerhöhung durch die Mütterrente erhalten. Ist sie auch steuerpflichtig?

Grundsätzlich ja, allerdings nicht in voller Höhe. Ebenso wie bei der bisherigen Altersrente bleibt auch von der Mütterrente ein Teil steuerfrei. Der Prozentsatz richtet sich nach dem Beginn der zugehörigen Altersrente. Wer seit 2005 oder länger Rente bezieht, hat einen Freibetrag von 50 Prozent. Da die zwischenzeitlichen Rentenerhöhungen jedoch vollständig zu versteuern sind, ist dies auch bei der Mütterrente zu berücksichtigen.

Wir haben unterschiedliche Zahlen gelesen, ab wann Rentner Steuern zahlen müssen. Sollten wir vorsichtshalber eine Steuererklärung einreichen? Oder muss das Finanzamt einen auffordern?

Die Werte hängen entscheidend davon ab, seit wann Rente bezogen wird. So kann jemand, dessen Rente bereits 2005 oder früher begann, rund 19 000 Euro Brutto-Rente, das heißt vor Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, im Jahr beziehen, ohne eine Steuerzahlung befürchten zu müssen. Der Wert gilt pro Person und bei Ehegatten deshalb der doppelte Betrag. An diesem Betrag können sich jedoch nur diejenigen orientieren, die ausschließlich Rente aus der gesetzlichen Versicherung erhalten. Werksrenten, Pensionen oder weitere Einkünfte sind anders als gesetzliche Renten nicht zu einem großen Teil steuerfrei. Wer diese bezieht, muss deshalb im Einzelfall gesondert ausrechnen, ob eine Steuererklärung einzureichen ist.

Alle späteren Jahrgänge, die nach 2005 in Rente gegangen sind, erhalten geringere Freibeträge. Bei Rentenbeginn 2013 bleiben deshalb nicht mehr rund 19 000 Euro, sondern nur noch eine Jahresrente von etwas mehr als 15 000 Euro grundsätzlich steuerfrei.

Allerdings heißt dies nicht, dass jeder mit höheren Rentenbezügen oder weiteren Einkünften gleich Steuern zahlen muss. Wer dauerhaft weitere Ausgaben wie Pflegekosten oder andere Aufwendungen hat, kann diese in der Steuererklärung geltend machen. Allerdings sollte im Zweifelsfall eine Steuererklärung eingereicht werden. Die Abgabepflicht besteht bei entsprechender Rentenhöhe unabhängig davon, ob das Finanzamt seinerseits zur Abgabe auffordert.

Vor fünf Jahren habe ich bei der Sparkasse einen Geldbetrag angelegt, der mir jetzt wieder gutgeschrieben wurde. Allerdings wurde Abgeltungsteuer einbehalten. Müssen denn die Zinsen nicht über fünf Jahre verteilt werden? Dann würde ich jeweils im Freibetrag liegen und bräuchte keine Steuern zahlen.

Die Versteuerung richtet sich nach dem Zufluss, das heißt der Gutschrift der Kapitalerträge. Wenn Ihnen die Bank tatsächlich vier Jahre lang keine Zinsen zahlt und dafür im fünften Jahr einen größeren Betrag, ist die Zinszahlung in dem letzten Jahr zu versteuern. In diesem Fall erhalten Sie tatsächlich nur den Sparpauschbetrag für ein Jahr und müssen wahrscheinlich mehr Steuern zahlen, als wenn Sie die Zinsen jährlich erhalten hätten. Sie sollten aber prüfen, ob Sie über die Steuererklärung zumindest einen Teil der gezahlten Kapitalertragsteuer erstattet bekommen.

Mein Sohn arbeitet als Postzusteller. Kann er Verpflegungspauschalen in der Steuererklärung geltend machen?

Grundsätzlich ja, da er in einem weiträumigen Tätigkeitsgebiet arbeitet. Dieses zählt als Auswärtstätigkeit. Allerdings müssen mehr als 8 Stunden Abwesenheit zusammenkommen. In bestimmten Fällen beginnt die Abwesenheitszeit jedoch erst ab dem Verlassen des Betriebes. Dies hängt davon ab, ob der Betriebssitz, also beispielsweise die Postfiliale, als sogenannte erste Tätigkeitsstätte zählt. Dies ist der Fall, wenn der Arbeitgeber diese Stelle steuerrechtlich so festgelegt hat.

Hat er keine solche Festlegung getroffen, ist maßgeblich, ob Ihr Sohn dort jeden Arbeitstag bestimmte Arbeiten erledigen muss. Wenn er jeden Tag früh die auszuliefernde Post erst zusammenstellen muss, beginnt seine Abwesenheitszeit erst mit dem Verlassen des Betriebssitzes.

Die Antworten stammen von den Steuer-Experten Gunthild Henneberg, Marianne Gerß, Uwe Rauhöft und Brigitte Heinrich.

24.04.2015
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