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Wirtschaft Prozesse gegen Porsche gehen in die nächste Runde
Nachrichten Wirtschaft Prozesse gegen Porsche gehen in die nächste Runde
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07:57 08.04.2015
Von Stefan Winter
Foto: Seine Zeugenaussage würde besonders aufmerksam verfolgt: VW-Patriarch Ferdinand Piëch.
Seine Zeugenaussage würde besonders aufmerksam verfolgt: VW-Patriarch Ferdinand Piëch. Quelle: dpa
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Hannover

Für einige der besten Wirtschaftsrechtler im Land war es vermutlich ein arbeitsreiches Osterfest. Es gilt, einen großen Auftritt vor dem Landgericht Hannover vorzubereiten: Die Schadensersatzprozesse gegen Porsche gehen in die nächste Runde - und es könnte die entscheidende sein.

Nachdem ähnliche Verfahren in Stuttgart und Braunschweig schon im frühen Stadium abgewiesen worden waren, will der Vorsitzende Richter Heinrich-Ullrich Kleybolte Zeugen hören.

Vier Tage vom 5. bis zum 8. Mai hat er dafür angesetzt, nicht weniger als 21 Namen stehen auf der Liste: Ferdinand Piëch findet sich da, sein Bruder Hans Michel Piëch und sein Cousin Wolfgang Porsche, ihr ehemals bestbezahlter Angestellter Wendelin Wiedeking und Uwe Hück, auch heute noch Betriebsratsvorsitzender bei Porsche.

Es könnte eine Art Ehemaligentreffen mit Geschichten aus den wilden Jahren werden, wenn - ja, wenn - sie denn erscheinen und aussagen. Letzteres müssen sie nicht, denn Wiedeking und der damalige Porsche-Finanzchef Holger Härter stehen in Stuttgart wegen Marktmanipulation unter Anklage. Gegen den Aufsichtsrat laufen Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe. Ob die Fotografen ihre Bilder bekommen, ist nicht ausgemacht. Es liegt beim Richter, wer vor Gericht zu erscheinen hat, um möglicherweise nur zu sagen, dass er die Aussage verweigert. Mehr als die Hälfte der Zeugen hätte das Recht dazu. Es blieben diverse damals beteiligte Finanz-, Rechts- und PR-Berater als Auskunftgeber.

Notfalls werden sich Kleybolte und seine Kollegen also ohne Hilfe der Prominenz in das Jahr 2008 zurückversetzen müssen. Damals beschloss Porsche, seine Beteiligung an VW zur beherrschenden Mehrheit auszubauen. Aber wann genau? Wurde der Plan, wie vom Aktiengesetz vorgeschrieben, sofort veröffentlicht? Und als das im Oktober 2008 geschah: War Porsche da überhaupt noch zu dieser Übernahme in der Lage? Diverse Großanleger, die damals aufs falsche Pferd setzten und mit Optionsgeschäften auf VW-Aktien angeblich viel Geld verloren haben, erklären das jedenfalls mit falschen Informationen durch Porsche - und fordern Milliardenbeträge.

Hinter dem aktuellen Verfahren am Landgericht steht die Elliott Management Corporation des amerikanischen Investors Paul Singer, die knapp 2 Milliarden Euro Schadensersatz fordert. Es geht also um eine Menge Geld, aber das ist man bei den Porsches und Piëchs inzwischen wieder gewöhnt. Der Übernahmeversuch jedenfalls, der gern als „gescheitert“ bezeichnet wird, hat ihnen letztlich zwar nicht die komplette Beherrschung, aber zumindest die Mehrheit bei VW gebracht. Ihre legendäre Sportwagenmarke gehört jetzt zum VW-Konzern, an dem ihre Beteiligungsgesellschaft Porsche SE wiederum 51 Prozent der Stimmrechte besitzt.

Der Familienholding Porsche SE, die sich in jenen Wochen des Jahres 2008 mit bedenklichem Tempo dem Abgrund näherte, geht es bestens. In der damals leeren Kasse liegen mehr als 2 Milliarden Euro Liquidität.

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