Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft „Powell hat uns hängen lassen“ – darum ist Trump auf seinen Notenbanker sauer
Nachrichten Wirtschaft „Powell hat uns hängen lassen“ – darum ist Trump auf seinen Notenbanker sauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:53 01.08.2019
Fed-Chef Jerome Powell hat getan, was ein guten Notenbanker tun muss. Er hatte die Reduzierung der Zinsen um 0,25 Prozentpunkte auf zwei bis 2,25 Prozent frühzeitig angekündigt und dann auch durchgezogen. Quelle: imago images / Xinhua
United States

Was folgt nach der Zinssenkung der US-Notenbank Fed? Eine Debatte über eine weitere Zinssenkung. Davon ist zumindest Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank, überzeugt: US-Präsident Donald Trump werde den politischen Druck auf die Fed aufrechterhalten und noch mehr billigeres Geld fordern.

Fed-Chef Jerome Powell hat indes getan, was ein guten Notenbanker tun muss. Er hatte die Reduzierung der Zinsen um 0,25 Prozentpunkte auf zwei bis 2,25 Prozent frühzeitig angekündigt und dann auch durchgezogen, also Verlässlichkeit demonstriert. Es ist die erste Zinssenkung seit Dezember 2008, als die USA in die Finanzkrise schlitterten.

Finanzmärkte wollte mehr...

Viele Akteure am Finanzmarkt hatten gleichwohl auf eine forschere Herangehensweise und verstärkte geldpolitische Lockungsübungen gewettet, also etwa auf die Ankündigung von zwei bis drei Zinssenkungen in den nächsten Monaten. Powells Zurückhaltung ließ den wichtigen Dow-Jones-Aktienindex noch am Mittwochabend (MESZ) zunächst in die Tiefe rasseln. Doch nachbörslich erholten sich die Kurse schon wieder.

Die Aktienmärkte in Europa starteten zunächst im Minus. Doch der Deutsche Aktienindex notierte am Nachmittag schon wieder zeitweise mit mehr als 0,3 Prozent im Plus. Da war die Enttäuschung über die „zaghafte Zinssenkung“, so Charlotte Heck-Parsch von der Bayerischen Landesbank, schon wieder verflogen. Christian Scherrmann, Volkswirt bei der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS, fragte sich denn auch: „Viel Lärm um nichts?“ Das ließe sich bejahen. Wären da nicht die beiden Präsidenten Powell und Trump.

...und Trump auch

Letzterer twitterte, wie erwartet, unmittelbar nach der Zinsentscheidung los. „Wie üblich hat Powell uns hängen lassen“ Er fügte hinzu: „Wir gewinnen sowieso. Aber ich erhalte sicherlich nicht viel Hilfe von der Notenbank.“ Wobei Trump offen lässt, wo und was er gewinnen will. In Handelskriegen gegen mehr als die halbe Welt? Oder in der Präsidentschaftswahl im nächsten Jahr? Womöglich meint er beides. Trump hatte sich erhofft, dass Powell eine längere Phase mit aggressiven Zinssenkungen ankündigt, „die mit China, der EU und anderen Ländern mithalten könnte“ – in der Eurozone liegen die Leitzinsen bei null Prozent.

Trumps mutmaßliches Kalkül bei seinen Forderungen: Die Aussicht auf viel mehr billiges Geld könnte in den USA Investitionen in größerem Stil anstoßen und damit die Arbeitslosigkeit niedrig halten und den Dollar gegenüber anderen wichtigen Währungen abwerten, was Exporte stimulieren und Importe verteuern würde – von beidem könnten US-Unternehmen profitieren. Das würde Trump mehr Handlungsspielraum für neue Provokationen und Sanktionen in den Handelskonflikten geben, womit er wohl Punkte bei seinen Anhängern sammeln will.

Powell lässt sich nicht unterkriegen

Stattdessen legte am Donnerstag der Dollar gegenüber dem Euro zu und kletterte auf den höchsten Wert seit Mai 2017. Einen Euro gab es schon für 1,1034 Dollar. Ende Juni lag der Kurs noch bei mehr als 1,14 Dollar. Beim Erstarken der US-Währung spielte wohl auch eine Rolle, das Powell in der Pressekonferenz nach der Zinsentscheidung relativ unverhohlen Trump attackierte und damit demonstrierte, dass er sich nicht unterkriegen lassen will.

Die Verringerung des globalen Wachstums rechtfertige eine Zinssenkung, so der Fed-Chef. Hinzu komme, dass die Inflation in den USA unter dem Zielwert von zwei Prozent liege – zuletzt waren es 1,6 Prozent. Doch überproportional großen Raum nahm in seinem Statement der Handelsstreit mit China ein. Der habe sich negativ auf die Konjunktur in den USA ausgewirkt. Die Auseinandersetzungen mit der Volksrepublik hätten zunächst vor sich hin geköchelt. Im Mai und Juni sei es aber fast übergekocht.

Risiko Handelskonflikte

Powell räumte ein, dass Notenbanker keine großen Erfahrungen mit Konflikten im globalen Handel hätten. Womit der Fed-Chef Recht hat. Die Zentralbanken sind mit ihrer Geldpolitik vor allem dafür da, die Inflation auszubalancieren, auch um Abwärtsentwicklungen, die zu den wirtschaftlichen Zyklen gehören, abzufangen. Was jetzt geschehe, sei Learing by Doing, sagte Powell. Es gehe um Risiko-Management und um eine Adjustierung der Zinsen in der Mitte eines Zyklus. Im Klartext: Die Suppe die Trump der Fed eingebrockt hat, lässt sich nicht so einfach auslöffeln. Powell betonte aber auch, dass die Fed weiterhin sämtliche volkswirtschaftliche Daten und die globalen Entwicklungen genau beobachten werden und fest entschlossen sei, das Wirtschaftswachstum zu stützen. Damit hält sich der oberste Notenbanker der USA viele Türen offen.

Für Scherrmann ist denn auch klar: „Powell war also redlich bemüht, sich ebenso gegen Kritik zu wehren, die Fed wäre nicht unabhängig, als auch den Märkten zu vermitteln, dass eine weitere Lockerung maßvoll und garantiert nicht garantiert ist.“

Lesen Sie auch:
Donald Trump: Vorerst keine weiteren Strafzölle

Von RND/Frank-Thomas Wenzel