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Wirtschaft Porsche wittert „Störmanöver“
Nachrichten Wirtschaft Porsche wittert „Störmanöver“
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21:26 17.06.2009
Von Stefan Winter
Die Porsche-Eigentümer sind bei ihren Plänen, einen gemeinsamen Autokonzern mit VW zu entwickeln, noch keinen Schritt weitergekommen.
Die Porsche-Eigentümer sind bei ihren Plänen, einen gemeinsamen Autokonzern mit VW zu entwickeln, noch keinen Schritt weitergekommen. Quelle: Sascha Schuermann/ddp
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Die gemeinsame Arbeitsgruppe, deren Konzept seit einer Woche fertig sein sollte, existiert nicht. Stattdessen wartet man in beiden Unternehmen darauf, dass sich die Porsche-Eigner untereinander einigen. Dabei wird der Einstieg des Emirats Katar zur Schlüsselfrage.

Offiziell berichteten die Piëchs und Porsches gestern von Einigkeit. „Die Familie steht geschlossen hinter den Gesprächen mit einem Investor“, ließen sie über Porsche verbreiten. Das Unternehmen selbst konnte dazu nichts sagen, es handele sich um eine Stellungnahme der Gesellschafter.

Ferdinand Piëchs Abneigung gegen einen familienfremden Porsche-Aktionär ist bekannt, am Montag habe er im Familienkreis den Einstieg Katars vorerst abgeblockt, berichtete die „Financial Times Deutschland“. Auch hier widersprechen die Familien, der Bericht sei ein „Störmanöver“: „Ein Familientreffen, bei dem Ferdinand Pi ë ch einen raschen Einstieg Katars bei Porsche verhindert haben soll, hat es nicht gegeben.“ Andere Beteiligte sehen das bestenfalls als halbe Wahrheit: Die Porsche-Seite habe am Montag sehr wohl konferiert.

Bei VW reagiert man zunehmend genervt auf das Hin und Her des Großaktionärs. Porsche müsse innerhalb von zwei Wochen eine Grundsatzentscheidung treffen, sagte Ministerpräsident Christian Wulff, Mitglied im VW-Aufsichtsratspräsidium: „Entweder es bleibt, wie es ist, oder es kommt zu einer vernünftigen integrierten Konzernstruktur.“ Der stellvertretende VW-Betriebsratsvorsitzende Bernd Wehlauer verlangte mehr Informationen über Katars Pläne, was Porsche allerdings zurückwies: Das sei allein Sache der Familien.

Längst wird durchgespielt, alles so zu lassen, wie es ist. Wenn die Stuttgarter ihre Finanzprobleme mit Katars Hilfe lösten, könnten sie wie bisher 51-Prozent-Aktionär bei VW bleiben, heißt es auf beiden Seiten. „Wir könnten mit dem Status quo ganz gut leben“, sagt ein Wolfsburger. Und bei Porsche könnte man sich weiter seiner Unabhängigkeit erfreuen.

Doch davon wiederum hält Piëch nichts. Abseits aller Finanzprobleme will er Porsche mit einem großen Partner verbinden, um dem Familienunternehmen in den kommenden schweren Jahren Zugang zu den Ressourcen eines Weltkonzern zu sichern. Was seine alten Weggefährten in Wolfsburg als logische Lösung loben, sieht man in Stuttgart als Ende der Freiheit.