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Wirtschaft Opel ringt um Sparkonzept
Nachrichten Wirtschaft Opel ringt um Sparkonzept
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09:22 29.03.2012
Das Opel-Werk in Bochum steht offenbar wieder zur Disposition.
Das Opel-Werk in Bochum steht offenbar wieder zur Disposition. Quelle: dpa
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Rüsselsheim

Die Marke mit dem Blitz leidet extrem unter der Nachfrageflaute in Europa, ihrem einzigen bedeutenden Absatzmarkt. Die Werke sind nicht ausgelastet, obwohl die Kapazitäten gerade erst um 20 Prozent gekappt wurden. So viel scheint sicher: Die Mitarbeiter von Opel müssen sich erneut auf tiefe Einschnitte gefasst machen.

Nach außen geben sich beide Seiten vorerst zurückhaltend. Es gilt, nicht voreilig Porzellan zu zerschlagen. In einer kurzen Mitteilung teilte die Adam Opel AG am Mittwoch nach der Sitzung des Kontrollgremiums offiziell mit: „Nach wie vor sind sich alle Beteiligten darüber einig, dass Opel profitabel arbeiten und dazu Maßnahmen ergreifen muss, um Umsätze zu steigern, Margen zu erhöhen und Kosten zu reduzieren.“ Die optimale Strategie zur Verbesserung der finanziellen Lage des Unternehmens wollen die Sozialpartner demnach im Dialog finden.

Hinter verschlossenen Türen dürfte der Ton aber rauer sein. Denn um die kriselnde Tochter des US-Konzerns General Motors (GM) wieder auf die Erfolgsspur zu bringen, stehen auch ein weiterer Lohnverzicht und der Wegfall von Zuschlägen erneut zur Diskussion. Zudem ist die Angst vor Stellenstreichungen groß. Betriebsräte und Gewerkschaften hatten dem Management außerdem vorgeworfen, einzelne Standorte gegeneinander ausspielen zu wollen und die Arbeitnehmervertretungen unter Druck zu setzen. Die Betriebsräte lehnen eine neuerliche Schrumpfkur bisher ab. „Die Bereitschaft, weitere Opfer zu bringen, ist denkbar gering“, hatte Gesamtbetriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug der Mitarbeiterzeitung „Opel Post“ gesagt.

Aufsichtsratsmitglied Armin Schild von der IG Metall schimpfte unlängst: „GM und damit Opel bleiben stur bei einer knallhart kostengetriebenen Kurzfristlogik.“ Statt automobile Konzepte zu liefern, würden immer wieder Sparschweine durch die europäischen Opel-Standorte getrieben. Die Arbeitnehmer warnen davor, Opel kaputtzusparen. Sie fordern stattdessen Investitionen in Modelle, Technologien und neue Märkte.

Geltende Verträge aus der jüngsten Restrukturierung schließen betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen bei Opel bis Ende 2014 aus. Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke hatte mehrfach zugesichert, dass sich das Management daran halten werde. Trotzdem gelten die Werke in Bochum sowie im englischen Ellesmere Port als gefährdet – nicht sofort, aber ab 2015.

Der Bochumer Betriebsrat und die IG Metall erklärten bereits, sie würden das Aus für Bochum niemals akzeptieren oder sozialverträglich gestalten. Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) griff General Motors wegen der Spekulationen bereits scharf an: „Diese ständigen Spekulationen über Schließungen bei Opel haben die Grenze des Erträglichen erreicht.“

Selbst über Staatshilfen wird schon wieder diskutiert. NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) schloss einen solchen Schritt gestern aber aus. GM habe heute keine Finanzengpässe mehr und könne Opel selbst retten. Der US-Konzern hatte 2011 rund 7,6 Milliarden Dollar Gewinn eingefahren – obwohl ihm die Tochter in Europa operativ einen Verlust von 747 Millionen Dollar bescherte.

dpa

Lars Ruzic 28.03.2012
28.03.2012