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Wirtschaft Nordzucker tauscht Konzernspitze aus
Nachrichten Wirtschaft Nordzucker tauscht Konzernspitze aus
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19:34 28.01.2010
Von Carola Böse-Fischer
Hartwig Fuchs wird zum 1. Februar neuer Chef von Nordzucker.
Hartwig Fuchs wird zum 1. Februar neuer Chef von Nordzucker. Quelle: dpa
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Bis zum 6. März 2009 war Hartwig Fuchs Vorsitzender der Geschäftsführung beim Hamburger Agrarhandelshaus Toepfer International, am 1. Februar wird er das Steuer bei Europas zweitgrößtem Zuckerhersteller Nordzucker übernehmen.

Der Wechsel wurde offensichtlich von langer Hand vorbereitet. Zwischen Aufsichtsrat und Konzernchef war die „gemeinsame Basis immer dünner“ geworden, wie Harald Isermeyer, Chef des Kontrollgremiums, erklärte. Er räumte ein, dass Birlenbergs Finanzkalkulationen für die voll kreditfinanzierte Übernahme der Danisco-Zuckersparte Anlass für seinen Abgang gewesen seien.

Birlenberg soll in den Verhandlungen mit den Banken zu optimistische Annahmen über die Geschäftsentwicklung der als Nordic Sugar firmierenden Tochter gemacht haben. Insider berichteten, der Konzern dürfte große Schwierigkeiten haben, das 800 Millionen Euro teure Investment „zu stemmen“. Unerwartete Kosten seien zudem bei der Beteiligung in Serbien angefallen. Nordzucker hat bereits Schritte zum Verkauf der Beteiligung eingeleitet, wie es im Quartalsbericht heißt.

Dennoch verzichtete der Aufsichtsrat offiziell auf einen Rausschmiss des Konzernchefs. Das Kapitel Birlenberg wurde mit der gängigen Floskel beendet: Er habe sein Amt „im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat niedergelegt“. Grund seien „unterschiedliche Auffassungen über die künftige Ausrichtung und Führung des Unternehmens“. Birlenberg ist nach Ulrich Nöhle der zweite Chef, der vorzeitig seinen Hut nehmen musste.

Auf dem neuen Mann ruhen nun gewaltige Hoffnungen. Die neue Größe des Konzerns und der schärfere Wettbewerb seien die Herausforderungen, die gemeistert werden müssten, sagte Isermeyer. Dem habe man die Führung „schrittweise anpassen“ müssen. Mit dem neuen Finanzchef Michael Noth und den Vorständen für Vertrieb, Produktion und Rübenmanagement seien bereits einige Weichen gestellt.

Als neuer Chef wird Fuchs nun die Fäden zusammenhalten, wie Isermeyer sagte. Er verwies auf seine 30-jährige Erfahrung in der Agrarbranche. Bei Toepfer, wo Fuchs sein bisheriges Berufsleben verbracht hat, habe er bewiesen, dass er Firmen von der Größe Nordzuckers „nicht nur führen, sondern auch zu nachhaltigem wirtschaftlichen Erfolg führen kann“. Als glückliche Fügung wertete Isermeyer, dass Fuchs „frei“ gewesen sei. Er hatte Toepfer angesichts einer Umstrukturierung im März 2009 verlassen.

Der Dachverband Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ) begrüßte die „konsequente Entscheidung“ des Aufsichtsrats. „Wir hoffen, dass Nordzucker jetzt wieder in ruhiges Fahrwasser kommt“, sagte DNZ-Geschäftsführer Heinrich-Hubertus Helmke. Den neuen Chef forderte er auf, den Kontakt zu den Rübenanbauern zu suchen, um das „Vertrauen wieder aufzubauen“. Der DNZ verlangte zudem eine „schonungslose Aufklärung“ in der Sache Birlenberg.

Wie aus dem Quartalsbericht hergeht, hinterließ Nordic Sugar deutliche Spuren in der Neunmonatsbilanz. Der Umsatz stieg auf 1,38 Milliarden Euro, nach 877,7 Millionen Euro vor einem Jahr. Dagegen fiel das operative Ergebnis (Ebit) von 74 auf 55 Millionen Euro. Die Zinsaufwendungen stiegen von 23,6 auf 53,2 Millionen Euro. Wegen der Belastungen durch die neue Tochter und Serbien wird für 2009/10 (28. 2.) ein „deutlich rückläufiges Ergebnis“ erwartet.

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