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Wirtschaft Nordmilch plant weitere Zukäufe
Nachrichten Wirtschaft Nordmilch plant weitere Zukäufe
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20:09 22.06.2009
Von Carola Böse-Fischer
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Nordmilch-Werk Quelle: Rainer Surrey
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Sogar Firmen aus dem Ausland hätten ihr Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet.

Vor gut zwei Wochen hatten die beiden größten deutschen Milchkonzerne die Genehmigung vom Bundeskartellamt für ihr neues Gemeinschaftsunternehmen Nord-Contor Milch erhalten. Im Juli soll es an den Start gehen. Dies ist laut Schwaiger nur der Anfang. Derzeit würden mit Humana weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit geprüft. Laufe alles gut, könne man über eine komplette Fusion der Konzerne reden.

Gleichzeitig will sich Nordmilch nach weiteren Partnerschaften und Zukäufen umsehen. Die jüngste Übernahme der Pommernmilch eG mit ihrer Tochter ZMV Dargun passe strategisch gut ins Konzept, sagte Schwaiger. Nordmilch stärkt damit sein Käsesegment. Schon jetzt laufen über Dargun die Exporte nach Russland. Künftig steht zudem die Vertriebsfirma Nord-Contor offen für andere Molkereien, die sich beteiligen wollen, wie der Konzernchef erklärte.

Trotz der Vertriebsfusion laufen Humana und Nordmilch den Branchengrößen wie Campina/Friesland hinterher. Um eine starke Marktposition mit höher veredelten und margenstarken Produkten wie Käse zu erlangen, müsse man wachsen, sagte Schwaiger. Nur so könne die Zukunft der 17 000 an den beiden Genossenschaftskonzernen beteiligten Milchbauern gesichert werden.

Die Landwirte sind derzeit alles andere als zufrieden mit Nordmilch. Im Mai bekamen sie noch 21 Cent je Liter Milch, den sie an den Bremer Konzern lieferten. In den ersten fünf Monaten waren es 22 Cent, im Schnitt noch gut 0,7 Cent mehr als bei Vergleichsmolkereien, wie es hieß. „Wir zahlen aus, was wir erwirtschaften“, sagte Schwaiger.

Die Milchbranche leidet immer noch unter den Folgen der Hochpreisphase vor zwei Jahren. Die Wirtschaftskrise tut ein Übriges. Dadurch ist die Nachfrage nach Milchprodukten stark gesunken, und auf dem Markt gibt es ein Überangebot, das auf die Preise drückt. Bei Käse seien die Preise in den ersten fünf Monaten um ein Drittel gegenüber der Vorjahreszeit eingebrochen, so Schwaiger. Bei den Exporten in Länder außerhalb der EU seien es 50 Prozent gewesen. Daher sei der Nordmilch-Umsatz bis Ende Mai um 150 Millionen Euro niedriger ausgefallen als vor einem Jahr, berichtete Finanzchef Volkmar Taucher. Beim Ertrag betrage das Minus 6 Millionen Euro.

2008 hat trotz des bereits schwierigen Marktes die Erwartungen erfüllt, wie es hieß. Der Umsatz wuchs von 2,3 auf 2,5 Milliarden Euro. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 20 Millionen Euro, nach knapp 32 Millionen Euro 2007. Taucher erklärte dies damit, dass das Eigenkapital um 20 Millionen Euro gestärkt worden sei. Erstmals seit Jahren zahlt die Nordmilch eG, Mutter der für das operative Geschäft zuständigen Nordmilch AG, wieder eine Dividende von 4 Prozent an ihre bäuerlichen Anteilseigner.