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Wirtschaft Nord Stream 2: Polen und Dänen wollen eigene Pipeline bauen
Nachrichten Wirtschaft Nord Stream 2: Polen und Dänen wollen eigene Pipeline bauen
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09:50 12.04.2019
In der Ostsee wird die Gaspipeline Nord Stream 2 verlegt. Quelle: Bernd Wuestneck/dpa
Lubmin/Kopenhagen

Kommt es zum Pipelinekrieg in der Ostsee? Neben der russischen Gazprom-Tochter Nord Stream 2 planen polnische und dänische Konzerne mit dem Bau der Erdgaspipeline Baltic Pipe derzeit ein Konkurrenzprojekt. Beide Trassen werden sich nach jetzigem Stand in dänischen Gewässern kreuzen.

Brisant: Polen und Dänemark gehören zu den schärfsten Kritikern der Nord-Stream-Pipeline. Dänemark ist auch das einzige Land, das bislang keine Genehmigung für den Bau der Nord Stream 2 erteilt hat. Ohne diese Genehmigung steht das gesamte Projekt in Frage.

Verbindung zwischen EU-Staaten – statt mit Russland

Baltic Pipe und Nord Stream liefern Gas aus rivalisierenden Quellmärkten nach Mitteleuropa: Nord Stream 2 will russisches Erdgas in die westeuropäischen Märkte pumpen. Über die Baltic Pipe soll Gas aus norwegischen Feldern nach Polen fließen.

Die Baltic-Pipe-Investoren, der dänische Energiekonzern Energinet und der polnische Gas-Übertragungsnetzbetreiber Gaz-System, sehen die Vorteile des Baltic-Pipe-Projektes darin, dass ihre Trasse – anders als Nord Stream – eine Verbindung zwischen EU-Mitgliedsstaaten herstellt. Damit steige die Versorgungssicherheit.

Ein weiterer Player auf dem Gasmarkt werde zu mehr Wettbewerb und günstigeren Preisen führen, teilten die Baltic-Pipe-Investoren mit. „Das Baltic Pipe Projekt ist ein strategisches Infrastrukturprojekt, mit dem Ziel im europäischen Markt einen neuen Gasversorgungskorridor zu schaffen.“

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Nord Stream 2 könnte sich verzögern

Während Dänen und Polen die Planungen zum Bau einer eigenen Pipeline vorantreiben, könnte sich der Bau der Nord Stream 2 nun sogar noch weiter verschleppen. Die dänische Energiebehörde hat Nord Stream 2 inzwischen aufgefordert, eine neue Routenvariante in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) in den Gewässern südlich von Bornholm zu prüfen, wie Nord Stream-Sprecher Steffen Ebert sagte. „Nord Stream 2 wird diese Aufforderung durch die Dänische Energiebehörde nun sorgfältig prüfen und dann entscheiden, welche Schritte als nächstes unternommen werden sollen“, hieß es nur knapp. Welche Folgen die nunmehr dritte Routenvariante durch dänische Gewässer für den Bau der geopolitisch hochumstrittenen russisch-deutschen Erdgasleitung hat, ließ Ebert offen.

Die Nord Stream 1 und 2 Routen und die Baltic Pipeline in der Ostsee Quelle: Arno Zill/Ostsee-Zeitung

Rückblick: Bereits im April 2017 hatte Nord Stream 2 eine Basisroute parallel zur ersten Ostseepipeline durch das dänische Küstenmeer beantragt. Dänemark, das eine zu große Abhängigkeit Europas von russischen Gaslieferungen befürchtet und Sicherheitsbedenken äußerte, änderte daraufhin die rechtlichen Grundlagen. Das dänische Außenministerium kann seitdem aufgrund von außen- oder sicherheitspolitischen Bedenken ein Veto gegen Infrastrukturprojekte einlegen.

Nord Stream 2 muss durch dänische oder polnische Gewässer

Im August 2018 beantragte Nord Stream 2 eine Route nordwestlich von Bornholm durch die AWZ. Diese längere Alternativroute wird lediglich nach umweltrelevanten Fakten beurteilt. In beiden Fällen traf Dänemark bislang keine Entscheidung.

Fest steht: Die Nord Stream 2 muss dänische oder polnische Gewässer durchlaufen, um in Lubmin anlanden zu können. Bereits Ende diesen Jahres – so die ursprünglichen Nord-Stream-Planungen – sollte die Pipeline fertig sein.

Hat Dänemark eigene wirtschaftspolitische Interessen?

Ist die zögerliche Haltung der Dänen in puncto Nord Stream 2 dadurch zu erklären, dass sie mit der Baltic Pipe eigene wirtschaftspolitische Interessen verfolgen? Auch Polen strebt eine bedeutende Rolle als Erdgas-Drehscheibe in Europa an. Erst 2015 ging im polnischen Swinemünde ein Terminal für Flüssiggas in Betrieb. „Die Polen haben natürlich ein besonderes Interesse, weniger Gas aus Russland zu beziehen. Sie suchen nach alternativen Bezugsquellen“, sagte die Energieökonomin Claudia Kemfert, Professorin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Auch Dänemark erhebe sicherheitspolitische Bedenken. „Dass aber dänische Pipelinebauer Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse nehmen, sehe ich nicht.“

Die Energieexpertin hält den Bau von Nord Stream 2 wie auch von Baltic Pipe grundsätzlich für überflüssig. „Wir benötigen die Pipelines zur Versorgung Europas mit Gas nicht.“ Europa habe sich verpflichtet, die Pariser Klimaziele zu erfüllen und das bedeute, dass der Gasverbrauch in Zukunft zurückgehen wird. Ihr Fazit ist eindeutig: „Gaspipelines sind eine Infrastruktur von gestern.“ Alle in der Vergangenheit von Energiekonzernen prognostizierten Gaslücken seien niemals eingetreten.

Nord Stream 2: 900 Kilometer Trasse bereits verlegt

Im März hat das polnische Unternehmen Gaz System S.A. den Bau der Baltic Pipe, die auf einer Strecke von 275 Kilometer als Ostsee-Offshore-Pipeline durch die Ostsee führt, bei den deutschen Behörden angezeigt. Als Nachbarland wird Deutschland im Rahmen der sogenannten Espoo-Konvention zu grenzüberschreitenden Umweltauswirkungen befragt. Stellungnahmen können noch bis 12. April beim deutschen BSH oder beim dänischen Energieministerium abgegeben werden.

Von der etwa 9,5 Milliarden Euro teuren Nord Stream 2 liegen nach Unternehmensangaben rund 900 Kilometer Trasse auf dem Boden der Ostsee. Das Volumen der bereits getätigten Investitionen entspreche nahezu den gesamten Projektkosten, sagte Ebert.

„Die Gespräche verlaufen normal konstruktiv“

Für die zweite Routenvariante nordwestlich von Bornholm kursiert inzwischen ein Genehmigungsentwurf auf den Seiten des dänischen Energieministeriums im Internet, in dem die Dänen ihr Ja zu Nord Stream 2 an Bedingungen knüpfen: So soll die Nord Stream 2 AG Vereinbarungen mit den Eigentümern jener Kabel- und Pipelineanlagen abschließen, die von ihren Pipelines gequert werden. Dazu gehört auch die Baltic Pipe. Zudem wird Nord Stream 2 AG beauflagt, der dänischen Energiebehörde die getroffene Auswahl an Querungsverfahren anderer Infrastrukturen zur Genehmigung vorzulegen.

Nord Stream 2 und die Projektgesellschaft der Baltic Pipe hätten dazu Gespräche aufgenommen, sagte Nord Stream 2-Sprecher Ebert. „Diese Gespräche verlaufen normal konstruktiv.“ Die Baltic Pipe, die deutsche Hoheitsgewässer umgehen kann, soll pro Jahr rund zehn Milliarden Kubikmeter Gas von Norwegen über Dänemark und Polen liefern, ein Fünftel der Kapazität von Nord-Stream 2. Die Investoren drücken aufs Tempo. Bereits 2020 soll die Verlegung beginnen.

Nord Stream 2 gibt sich gelassen. Aufgrund der prognostizierten Versorgungslücke für Erdgas werde jeder Lieferweg im Interesse der Versorgungssicherheit Europas benötigt. Dies schließe Nord Stream 2 wie auch die Baltic Pipe mit ein.

Von RND/OZ/Martina Rathke

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