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Wirtschaft Nord/LB drückt beim Kapital aufs Tempo
Nachrichten Wirtschaft Nord/LB drückt beim Kapital aufs Tempo
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12:26 15.03.2011
Nord/LB-Chef Gunter Dunkel.
Nord/LB-Chef Gunter Dunkel. Quelle: HAZ
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Basel III schreibt den Banken weltweit – als Konsequenz aus der zurückliegenden Finanzkrise – eine erhebliche Aufstockung ihres Mindestkapitals vor. Damit sollen die Geldhäuser künftig über dickere Sicherheitspolster verfügen, um Krisen besser abfedern zu können. „Basel III wird uns nicht aus der Bahn werfen“, betonte Dunkel. Das mit den Trägern der Bank abgestimmte „Kapitalstärkungsprogramm“ werde es der Bank ermöglichen, „ihren eigenständigen Weg fortzusetzen“.

Nach den neuen Baseler Regeln ist das „harte Kernkapital“ von heute 2 Prozent auf 7 Prozent aufzustocken, gemessen an den sogenannten „risikogewichteten Aktiva“. Gemeint sind vor allem die von der Bank vergebenen Kredite sowie die gehaltenen Wertpapiere. Das jetzt präsentierte Nord/LB-Programm besteht aus vier Bausteinen: Demnach will die Bank Risikoaktiva abbauen, das harte Kapital durch Umwandlung von stillen Einlagen stärken, Beteiligungen verkaufen und Eigenkapital aus einbehaltenen Gewinnen bilden.

Klar war von vornherein, dass die Träger der Bank, also die Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt sowie die Sparkassen dieser Länder und Mecklenburg-Vorpommerns, kein frisches Geld zuführen. Gemäß dem Plan braucht die Bank zusätzlich 2,6 Milliarden Euro hartes Eigenkapital, um bis zum Jahr 2015 auf die benötigte Größenordnung von 6,3 Milliarden Euro zu kommen. Fast die Hälfte des Kapitalbedarfs, nämlich 1,2 Milliarden Euro, soll die Umwandlung von stillen Einlagen in hartes Kapital bringen. Diese wurden in erster Linie vom Land Niedersachsen eingezahlt.

Wie genau die Umwandlung gestaltet wird, sei jedoch noch unklar, erklärte Dunkel. Dafür müsse man abwarten, wie die neuen Bestimmungen im Detail aussehen werden. Man sei sich mit den Trägern einig, dass die Umwandlung auch dann stattfinden soll, wenn sich dadurch die Anteilsverhältnisse verändern. Konkret könnte sich der Anteil der Länder Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, derzeit zusammen 50 Prozent, deutlich erhöhen. „Träger und Vorstand wollen jedoch eine Verschiebung der Stimmrechte vermeiden, weil sich die Parität bewährt hat“, sagte Dunkel. Überlegt wird daher, die stillen Einlagen in Kapital ohne Stimmrecht umzuwandeln. Für diesen Fall verlangt der niedersächsische Finanzminister Hartmut Möllring aber eine Mindestdividende auf das Kapital.

Einen wichtigen Beitrag zur Kapitalstärkung sollen die Gewinne der nächsten Jahre liefern. Nach den Planungen sollen von 2010 bis 2014 mindestens 800 Millionen Euro thesauriert werden. Schon das zurückliegende Geschäftsjahr soll im Konzern mindestens 300 Millionen Euro Kapitalstärkung bringen. Gleichwohl müssten die Träger in den nächsten Jahren nicht darben. „Ein Dividendenverzicht ist nicht eingeplant“, sagte Dunkel. Der Plan sieht vielmehr vor, dass die Träger von 2010 bis 2014 insgesamt 600 Millionen Euro an Dividenden kassieren.

Insgesamt soll die Bank nach Darstellung des Vorstandes in den nächsten Jahren nur selektiv wachsen. „Das Wachstum soll auf der Ertragsseite, nicht auf der Volumenseite stattfinden.“

Kritische Stimmen zu dem Konzept kamen vom Sparkassenverband Niedersachsen. „Wir hätten es lieber gesehen, wenn die Bank die Kapitalanforderungen erfüllt, indem sie stärker schrumpft“, erklärte Verbandspräsident Thomas Mang. Zudem hätte man die Übergangsfristen bis 2022 nutzen sollen. Allerdings hätten sich die Sparkassen mit dieser Position nicht durchsetzen können. Auch zur Umwandlung der stillen Einlagen hat der Verband eine etwas abweichende Meinung: „Uns wäre es lieber, wenn das Land seine stillen Einlagen in normales Eigenkapital umwandelt, auch wenn dadurch unser Stimmenanteil sinkt.“ Die Umwandlung in Vorzugskapital hätte den großen Nachteil, dass durch die damit verbundene Garantiedividende ein erheblich größerer Teil des Gewinns ans Land Niedersachsen fließen würde. „Das sind uns unsere Stimmrechte nicht wert“, sagte Mang.

Albrecht Scheuermann