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Wirtschaft Die Aufträge brechen auf breiter Front weg
Nachrichten Wirtschaft Die Aufträge brechen auf breiter Front weg
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20:55 05.08.2019
Wie lange reichen die Aufträge noch? Bei der Industrie gehen weniger Bestellungen ein. Quelle: Felix Kästle/dpa
Hannover

Der niedersächsischen Industrie brechen die Aufträge weg. Im Juni sind die Bestellungen im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent zurückgegangen, wie das Landesamt für Statistik am Montag in Hannover mitteilte. Auch die Nachfrage aus dem Inland hat inzwischen stark nachgelassen: Nachdem die Statistiker hier im Mai und April noch leichte Zuwächse registriert hatten, ergab sich im Juni ein Minus von 17 Prozent. Der Abwärtstrend bei den Auftragseingängen aus dem Ausland dauerte an: Aus einem Auftragsrückgang von 11 Prozent im Mai wurde hier einen Monat später ein Minus von 16 Prozent. Von Januar bis Ende Juni schrumpften insgesamt die Aufträge für die niedersächsische Industrie gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres um 8 Prozent.

„Die Krise in der Automobilindustrie hat auf zahlreiche andere Branchen übergegriffen“, sagte Niedersachsen-Metall-Hauptgeschäftsführer Volker Schmidt. Dies gelte besonders für die chemische Industrie und den Maschinenbau, die für Volkswagen, Daimler und Co. viele Vorleistungen erbringen. „Deutschland hängt wie kein zweites Industrieland am Auto“, sagte Schmidt. In Niedersachsen beschäftigen Autohersteller und Zulieferer insgesamt rund 250 000 Mitarbeiter; damit stellt dieser Wirtschaftszweig mehr als 30 Prozent aller Industriearbeitsplätze im Bundesland.

„Die fetten Jahre sind vorbei“

Nach Angaben der Statistikbehörde haben die Produzenten von Autos und Kraftfahrzeugteilen im Juni 21 Prozent weniger Aufträge erhalten als im Vorjahresmonat. Die Hersteller von Metallerzeugnissen traf es noch härter – hier betrug das Minus 28 Prozent. Im Maschinenbau kamen 19 Prozent weniger Bestellungen herein. Im Mai hatten sich die Rückgänge größtenteils noch im einstelligen Bereich bewegt. Im April hatten die Metallproduzenten und der Maschinenbau sogar im Plus gelegen. Dass die Stimmung in der Wirtschaft kippt, hat auch die jüngste Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen gezeigt. Die IHK halbierte ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr daraufhin auf 0,5 Prozent.

„Die Industrie spürt nach einer langen Wachstumsphase Gegenwind, unter anderem durch den Brexit und Diskussionen um Handelsbeschränkungen“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen (UVN), Volker Müller. Im Kern handele es sich in beiden Fällen um politisch verursachte Krisen, hieß es auch bei Niedersachsen-Metall. „Die von der Politik ausgehenden, immer neuen Verunsicherungswellen tragen die Hauptverantwortung für diesen Abschwung“, sagte Hauptgeschäftsführer Schmidt: „Die fetten Jahre in Deutschland sind vorbei.“

„Wirtschaftsfreundliches Umfeld“ gefordert

Beide Verbände fordern den Gesetzgeber zum Handeln auf. Die Politik wäre gut beraten, sich ernsthafte Gedanken um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft zu machen, hieß es. Die Regierungen in Bund und Land müssten ein wirtschaftsfreundliches Umfeld schaffen, erklärte Niedersachsen-Metall: „Davon sind wir Lichtjahre entfernt.“ Nach Einschätzung der Unternehmerverbände müssen die Steuern für Firmen sinken, nötig seien zudem niedrigere Strompreise und weniger Vorschriften. „Umständliche Bürokratie bremst, verzögert oder verhindert Investitionen und Innovationen der Wirtschaft“, sagte Müller.

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