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Wirtschaft Fleischbranche auf Reformkurs
Nachrichten Wirtschaft Fleischbranche auf Reformkurs
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06:47 03.03.2015
Von Lars Ruzic
„Es ist viel Professionalität eingekehrt“: Ein Jahr nach Einführung des Mindestlohns haben sich die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie etwas entspannt.
„Es ist viel Professionalität eingekehrt“: Ein Jahr nach Einführung des Mindestlohns haben sich die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie etwas entspannt. Quelle: Bernd Thissen
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Hannover

Die Fleischkonzerne hätten ihre osteuropäischen Subunternehmer dazu angehalten, in Deutschland Tochterfirmen zu gründen und die Werkvertragsbeschäftigten nach deutschen Bedingungen anzustellen. Die jahrelang praktizierte Entsendung ausländischer Arbeiter werde schon bald der Vergangenheit angehören, ist sich Andritzky sicher.

Die ersten Fleischkonzerne übernähmen einstige Werkvertragsarbeitnehmer inzwischen auch in die eigene Stammbelegschaft, berichtete eine Sprecherin der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). „Aber noch ist nicht alles Gold, was glänzt“, betonte sie. Es gebe auch Fälle von Firmen, die nach wie vor den von den Tarifpartnern vereinbarten Mindestlohn unterliefen.

Niedersachsens Fleischwirtschaft lebt seit Jahren vom Werkvertragssystem. Sie vergibt Schlacht- und Zerlegeaufgaben an osteuropäische Subunternehmer, die ihr Personal aus dem Heimatland mitbringen - vor allem aus Rumänien, Polen oder Ungarn. Allein in Niedersachsen arbeiten VdEW-Schätzungen zufolge derzeit gut 8000 Werkvertragsbeschäftigte. Die schlechte Bezahlung und oft miserable Unterbringung der Beschäftigten hatte vor zwei Jahren die Landesregierung auf den Plan gerufen. Schließlich vereinbarten alle Beteiligten einen Mindestlohn und einen Verhaltenskodex für die Branche.

Ab Oktober 8,60 Euro Mindestlohn

Aktuell liegt die Lohnuntergrenze bei 8,00 Euro, im Oktober steigt sie auf 8,60 Euro. Viele Werkvertragsunternehmen müssten ihren Beschäftigten schon heute mehr als den gültigen Mindestlohn zahlen, damit diese netto keine Einbußen erlitten, berichtete Andritzky. Zuvor hatten die Arbeiter den Mindestlohn ihres Heimatlandes, Zuschüsse etwa für Wohnen und Transport sowie zusätzlich oft Akkordentgelte vor Ort erhalten. Die Abgabenlast sei dadurch deutlich geringer gewesen als nun mit deutschem Arbeitsvertrag, rechnete der VdEW-Hauptgeschäftsführer vor.

Vor allem die rumänischen Beschäftigten, die inzwischen die Mehrheit der Werkvertragsarbeiter stellen, hätten großes Interesse an deutschen Arbeitsverträgen, so Andritzky. Das liege nicht nur an der damit verbundenen Aufnahme in die gesetzliche Krankenversicherung. Vor allem wollten sie im Gegensatz zu früheren Generationen im Nordwesten des Landes sesshaft werden. „Viele haben begonnen, ihre Familien nachzuholen und sich eigene Wohnungen zu suchen“, sagte der Hannoveraner. Das entschärfe auch das Problem der Massenunterkünfte.

Dass viele Beschäftigte in oft völlig verwahrlosten Häusern hohe Mieten für winzige Schlafplätze zahlen mussten, hatte die Landesregierung über Monate angeprangert. Inzwischen hat sich die Branche einen Kodex gegeben, der auch hier Mindeststandards definiert. Der Kodex sei in der Branche Gesetz und werde durch Wirtschaftsprüfer kontrolliert, beteuerte Andritzky. „Aber das lässt sich nicht alles von heute auf morgen verändern.“ Inzwischen hätten auch die Fleischkonzerne selbst Immobilien gekauft und vermieteten sie an ihre Werkvertragsunternehmen, um Qualität und faire Preise sicherzustellen.

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