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Wirtschaft Niedersachsens Betrieben gehen die Azubis aus
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsens Betrieben gehen die Azubis aus
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10:08 11.08.2014
Sechs Wochen vor Beginn der Ausbildungssaison zeichnet sich eine Verschärfung des Nachwuchsmangels ab.
Sechs Wochen vor Beginn der Ausbildungssaison zeichnet sich eine Verschärfung des Nachwuchsmangels ab. Quelle: dpa
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Hannover

Beim zunehmenden Wettbewerb der Betriebe um geeignete Auszubildende bemühen sich Niedersachsens Unternehmen zunehmend früher um Kandidaten. „Wir hatten Ende Juli 1,5 Prozent mehr abgeschlossene Ausbildungsverträge - das zeigt, dass sich die Betriebe stärker bemühen und auch früher besetzen“, sagte Michael Koch von der Landesvertretung der Handwerkskammern zum Auftakt des neuen Ausbildungsjahres im August. Er geht davon aus, dass die bisher 10 600 Verträge bis zum Jahresende auf knapp 17 000 und damit den Vorjahreswert steigen werden. „Generell“, so Hauptgeschäftsführer Koch, „gilt aber: es wird schwieriger, offene Stellen zu besetzen.“

Der Trend zu Abitur und Studium sei zudem ungebrochen. Die Kammern haben daher gerade eine Qualitätsoffensive gestartet, um ihren Betrieben bei der Ausbildung unter die Arme zu greifen. „Früher war der Jugendliche froh, wenn er einen Ausbildungsbetrieb gefunden hatte - heute ist der Ausbildungsbetrieb froh, wenn er einen Auszubildenden gefunden hat“, bringt es Solveig Niemann vom Niedersächsischen Industrie- und Handelskammertag (NIHK) auf den Punkt. In einer NIHK-Umfrage unter 1200 Betrieben gaben im Mai fast ein Viertel aller Unternehmen an, dass sie nicht mehr alle offenen Stellen besetzen konnten - zehn Prozent mehr als noch vor acht Jahren. Endgültige Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zum Ausbildungsjahr gibt es zwar noch nicht, doch nach den vorläufigen Zahlen zum Auftakt des Ausbildungsjahres im August stehen diesmal 50 472 offene Stellen 60 580 gemeldete Bewerber gegenüber.

Gastgewerbe als Problembranche

Bei gleich gebliebener Bewerbermenge ist die Zahl der offenen Stellen damit gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Hinzu kommt, dass es keine Pflicht für die Betriebe gibt, ihre Stellen der Agentur zu melden - es geschieht auf freiwilliger Basis. Ein weiterer Trend: Die Ausbildungsberufe verändern sich. „Computer spielen generell eine immer wichtigere Rolle“, sagt Kazma. Als Beispiel führt sie den Zweirad-Mechatroniker an, der angesichts der zunehmend verbreiteten E-Bikes seinen Beruf nicht mehr nur als Schrauber ausüben kann.

Kaufmännische Berufe gelten nach wie vor als beliebt. Als Problembranche gilt dagegen das Gastgewerbe: „Es hat momentan die meisten Probleme, und es wird schlimmer“, sagt Niemann. Auch Sonja Kazma von der Bundesagentur für Arbeit bestätigt, dass im Verkauf und auch der Gastronomie viele Stellen unbesetzt bleiben. Angebot und Nachfrage passten nicht immer zusammen, sagt sie. Nicht mehr die Zeugnisnoten sollten das alleinige Auswahlkriterium sein, sondern der Blick auf das Potenzial des Kandidaten: „Die wichtigste Botschaft lautet daher: Wer sich flexibel zeigt, kommt eher ans Ziel.“ Im Handwerk bei Frauen am beliebtesten ist der Friseurberuf, Männer konzentrieren sich vor allem auf die Kfz-Branche.

Experten gehen davon aus, dass wegen des demografischen Wandels spätestens ab 2020 in fast allen Wirtschaftszweigen gut ausgebildete Menschen knapp werden. Die Landesregierung fördert daher eine bis 2018 angelegte „Fachkräfteinitiative Niedersachsen“ mit 200 Millionen Euro. Das Programm umfasst in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit Fördermaßnahmen zur Arbeitsmarktintegration, Ausbildung und Qualifizierung. Dazu zählt die Öffnung der Hochschulen für neue Weiterbildungsmodelle oder die Förderung lese- oder schreibschwacher Menschen. Gestärkt werden soll die duale Berufsausbildung.

Von Ralf E. Krüger

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