Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Niedersachsen importiert Europas Müll
Nachrichten Wirtschaft Niedersachsen importiert Europas Müll
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:21 20.06.2012
Von Gabriele Schulte
Foto: Auch Hausmüll gilt in der EU als Handelsware – niedersächsische Unternehmen profitieren von seiner Wiederverwertung.
Auch Hausmüll gilt in der EU als Handelsware – niedersächsische Unternehmen profitieren von seiner Wiederverwertung. Quelle: Burkert
Anzeige
Hannover

Das ergibt sich aus neuen Zahlen der Niedersächsischen Gesellschaft zur Endablagerung von Sonderabfällen (NGS) in Hannover. Kein Grund zur Panik, meint Geschäftsführer Jochen Schulze-Rickmann, im Gegenteil: Es gehe fast alles ins Recycling. „Der Bereich ist Teil der wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit Niedersachsens.“

Die Wiederverwertung von Müll unterliegt EU-rechtlich dem freien Warenverkehr, ist dem Wirtschaftsrecht zugeordnet und nur in engen Grenzen zu reglementieren. Bei den notifizierungspflichtigen (anzeigepflichtigen) Stoffen handele es sich neben Motoröl, Batterien und alten Bahnschwellen beispielsweise auch um so ungefährliche Abfälle wie Holzpaletten. Als Grund für die Müllimporte aus Ländern wie Österreich oder Schweden sieht Schulze-Rickmann die Vorreiterrolle, die Deutschland stets beim Recycling gespielt hat. Innerhalb Deutschlands wiederum nehme Niedersachsen neben Nordrhein-Westfalen eine Spitzenstellung ein. So liege etwa die größte europäische Altölraffinerie in Uetze-Dollbergen (Region Hannover).

Dort wird neuerdings sogar Altöl aus den Vereinigten Staaten zu Basisöl aufbereitet, wie Projektmanager Mustafa Nehir in Dollbergen berichtet. Die Anlage mit inzwischen 200 Mitarbeitern besteht schon mehr als 60 Jahre und gehörte zu den Pionieren der Branche. Dank patentierter Wiederverwertungsmethoden und eigener Kläranlage sei die Raffinerie weltweit die umweltfreundlichste, sagt Nehir: „Es bleibt gar kein Abfall übrig.“ Altöl sei im Übrigen ein sehr begehrter Stoff, um den sich besonders auch die Zementindustrie bemühe.

Hauptlieferländer des häufig metallhaltigen Mülls sind laut NGS die Niederlande sowie Skandinavien, wo es an speziellen Aufbereitungsanlagen fehle. Viele Holzabfälle landeten in niedersächsischen Kraftwerken. Angestiegen sei auch die Menge des Hausmülls, der zur Verbrennung ins Land gelangt, berichtet der Geschäftsführer. Das liege vor allem an einer neuen Verbrennungsanlage, die genau auf der niederländisch-deutschen Grenze errichtet worden sei und deren Schornstein im niedersächsischen Emlichheim in der Grafschaft Bentheim stehe. „Dort werden ausschließlich holländische Abfälle verbrannt.“

Aus Niedersachsen ins Ausland gebracht werden nur wenige Sonderabfälle. Autobatterieschrott wird in Hüttenwerken in den Beneluxstaaten verwertet. Entsorgungsspezialisten für organisch belastete Böden, etwa aus Teergruben, sind zwei Anlagen in Holland.

Notifizierter Abfall

Die Europäische Union regelt seit 1984 den Mülltransport innerhalb der Gemeinschaft. Als notifizierungspflichtig gelten alle Abfälle zur Beseitigung oder zur Verwertung aus der „Gelben Liste“, einer Verordnung von 1993 (etwa Altöle, Metallhaltiges, Asphalt) sowie ungelistete Abfälle und Gemische. Laut Umweltbundesamt muss der Exporteur den Transport schriftlich im Heimatland beantragen. Bei Lieferung nach Deutschland muss auch das betroffene Bundesland zustimmen.

20.06.2012
Wirtschaft Insolvenzen befürchtet - Trübe Aussichten für die Reeder
20.06.2012
Wirtschaft Schuldenkrise belastet Wirtschaft - ZEW-Konjunkturbarometer knickt ein
20.06.2012