Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Wirtschaft Nestlé und Co: Darum will ein Tierarzt nicht von Investoren gekauft werden
Nachrichten Wirtschaft Nestlé und Co: Darum will ein Tierarzt nicht von Investoren gekauft werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:26 24.04.2019
Tierarzt Volker Jähnig steht Investoren ausgesprochen skeptisch gegenüber. Quelle: Andre Kempner
Leipzig/Hannover

Was haben Schokoriegel-Hersteller mit erkrankten Hunden oder Katzen zu tun? Der Lebensmittelriese Nestlé ist gerade bei der Tierarztkette Evidensia eingestiegen, und seit Herbst 2018 gehört die Kette AniCura zum Mars-Konzern. Fachleute sehen mit Unbehagen, dass milliardenschwere Firmen immer mehr Tierarztpraxen und Tierkliniken in Europa und neuerdings auch in Deutschland kaufen.

Die Befürchtung: Während sich derzeit viele freiberufliche Tierärzte vor allem über gute Leistungen profilieren, könnten große Kliniken und Ketten vor allem auf hohe Gewinne schielen. So formuliert es Volker Jähnig, Vizepräsident der Sächsischen Tierärztekammer im Interview mit der Leipziger Volkszeitung.

„Investoren wie die activet-Gruppe des Tierfutter-Riesen Fressnapf binden einen Tierarzt an eine Fressnapf-Filiale und versuchen, über Niedrigpreise Kunden aus Hausarztpraxen in die Fressnapf-Filialen umzuleiten“, beklagt Jähnig unter anderem.

Versorgung der Tiere könnte leiden

Auch könnte die Versorgung der Tiere leiden: Freiberufliche Tierärzte entscheiden Jähnig zufolge selbst darüber, welche Therapie sie für richtig halten. Bei Kliniken hingegen entscheide der Besitzer beispielsweise, welches Spezial-OP-Besteck für die Operation eines Kreuzbandrisses bei einem Hund genutzt werden solle. „Damit ist die Therapiefreiheit des Tierarztes spätestens hier zu Ende.“

Lesen Sie auch

Dürfen Arbeitnehmer zu Hause bleiben, wenn der Hund krank ist?

Seiner Einschätzung nach ist Deutschland ein viel versprechender Markt für die Investoren. Einige stammten aus Skandinavien, wo für die gleichen Leistungen wie in Deutschland das doppelte berechnet werde. Jähnig glaubt: „Aus ihrer Sicht ist Deutschland ein Billigmarkt, der Investoren über das Potenzial steigender Preise lockt“.

Zusagen nicht eingehalten

Dass es den Investoren um langfristiges Engagement geht, glaubt Jähnig nicht. Er verweist auf die Kette AniCura, die gegenüber der sächsischen Tierärztekammer angekündigt habe, für fünf bis acht Jahre bei sächsischen Tierärzten einzusteigen. „Schon nach drei Jahren wurde die Kette dann jedoch an den Lebensmittelriesen Mars verkauft“, kritisiert Jähnig.

Trotz der Skepsis gegenüber den Investoren ist es für Tierärzte aber nicht uninteressant, ihre Praxen zu verkaufen. Denn immer häufiger finden sie keine Interessenten, die eine Praxis im kleinen Stil fortführen wollen – während Investoren für einzelne Praxen Millionensummen geboten haben sollen.

Milliardenmarkt Tierpflege

Für Mars ist das Tiergeschäft allerdings nichts Neues: Einerseits gehören zu dem Lebensmittelriesen auch Futter-Hersteller, die unter anderem Pedigree, Whiskas oder Royal als Marken führen. Andererseits machen mehrere Unternehmenstöchter Mars eigenen Angaben zufolge schon jetzt zum größten Veterinärunternehmen in Nordamerika.

Den weltweiten Umsatz der Tierpflegebranche beziffert Mars auf über 100 Milliarden US-Dollar.

Von RND/Jens Rometsch/Christoph Höland

Nach zwei Flugzeugabstürzen in kurzer Zeit steht Boeing heftig unter Druck. Der US-Konzern hat nun seine Jahresziele kassiert. Eine neue Prognose gibt es noch nicht, weil ein Ende des 737-Debakels nicht absehbar ist.

24.04.2019

Der Lada ist wie der Trabant ein Fahrzeug mit Kultstatus – vor allem in der ehemaligen DDR. Auch heute werden noch Ladas in Deutschland verkauft. Doch das ist wohl bald vorbei, wie der russische Autohersteller bestätigt.

24.04.2019

Viele Händler locken beim Kauf vor allem von teuren Elektrogeräten mit Garantieverlängerungen. Verbraucher sollten aber kritisch bleiben. Nicht jedes Angebot zahlt sich am Ende auch aus.

24.04.2019