Metall-Arbeitgeber: Lage ist alarmierend – und wird noch schlechter
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21:22 28.01.2020
„Die Lage wird von Woche zu Woche problematischer“: Die niedersächsische Metallindustrie muss Einbußen hinnehmen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
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Hannover

Die niedersächsische Metall- und Elektroindustrie steuert auf ihre größte Krise seit mehr als zehn Jahren zu. „Die Lage ist in Teilen extrem schwierig, um nicht zu sagen dramatisch“, sagte der Hauptgeschäftsführer von Niedersachsen-Metall, Volker Schmidt. „Und sie wird von Woche zu Woche problematischer.“ In einer Umfrage des Arbeitgeberverbandes beurteilten 54 Prozent von rund 800 Unternehmen ihre Situation als schlecht. Ebenso viele rechnen damit, dass ihre Aufträge in den nächsten Monaten gegenüber dem zweiten Halbjahr 2019 zurückgehen werden.

Der Hauptgrund dafür ist der Umbruch bei den Autoherstellern, für die jedes dritte Unternehmen der Branche als Zulieferer arbeitet. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 4,6 Millionen Fahrzeuge produziert – 20 Prozent weniger als im Jahr 2018. „Die Automobilkrise frisst sich in der Industrie durch“, sagte Schmidt. Eine Entlastung in anderen Bereichen zeichne sich nicht ab. Eher sei das Gegenteil der Fall: Auch die Nachfrage aus dem Ausland lasse nach. Weder in den USA noch in China sei für die Maschinenbauer derzeit ein zunehmendes Interesse an Investitionsgütern erkennbar.

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Firmen investieren weniger

In der Folge streichen die Unternehmen ihre Budgets zusammen. Laut Umfrage wollen 56 Prozent der Maschinenbauer und fast 80 Prozent der Autozulieferer weniger investieren. Dies hat auch Konsequenzen für den Arbeitsmarkt. Bereits seit zwei Jahren sinke die Bereitschaft in der Metall- und Elektroindustrie, die Belegschaften zu vergrößern, erklärte Schmidt. Der Abwärtstrend habe sich zuletzt noch deutlich verschärft. Die Zahl der Betriebe, die im nächsten Halbjahr Kurzarbeit planen, sei von 25 auf 38 Prozent gestiegen.

In der Autoindustrie selbst hat sich der Anteil „nur“ von 22 auf 29 Prozent erhöht. Nach Einschätzung von Niedersachsen-Metall verbirgt sich dahinter aber keine gute Nachricht: Wegen der Einbrüche in der Produktion und angesichts der unklaren Perspektiven beim sich abzeichnenden Umstieg auf die Elektromobilität versuchten viele Unternehmen nicht länger, möglichst viele Beschäftigte mithilfe des Arbeitsamts an Bord zu halten. Mehr als 60 Prozent der Betriebe in der Autobranche planen in diesem Jahr einen Personalabbau. „Die Zeiten, in denen man aus Sorge vor dem demografischen Wandel nahezu jede qualifizierte Fachkraft eingestellt hat, sind erst einmal vorbei“, sagte Schmidt.

Kurzarbeit soll verlängert werden

Der Arbeitgeberverband fordert Unterstützung von der Politik. Das Ziel müsse sein, den Betrieben dabei zu helfen, vorübergehende Auftragseinbrüche zu überbrücken. „Die Industrie braucht eine Erleichterung des Zugangs zur Kurzarbeit in Anlehnung an die Krisenregelungen 2009“, sagte Schmidt. Zu Zeiten der Finanzkrise wurde unter anderem die Bezugsdauer von Kurzarbeitsgeld auf 24 Monate verlängert, um Entlassungen zu vermeiden. Zudem benötigten die Firmen Anreize, um mehr zu investieren, betonte Schmidt. Deshalb müsse der Gesetzgeber die degressive Abschreibung wieder einführen, bei der Unternehmen in den ersten Jahren nach der Anschaffung höhere Beträge von der Steuer absetzen können.

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Von Jens Heitmann