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Wirtschaft Jägermeister sucht Start-ups und frische Ideen
Nachrichten Wirtschaft Jägermeister sucht Start-ups und frische Ideen
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21:08 15.07.2018
Jägermeister-Abfüllung in Kamenz: Läuft hier bald mehr vom Band als Kräuterlikör? Quelle: dpa
Hannover

Der Spirituosenhersteller Mast-Jägermeister SE geht neue Wege. Die Wolfenbütteler suchen neue Geschäftsfelder, nachdem sie sich jahrzehntelang ausschließlich auf Kräuterlikör beschränkt haben. Eine neu gegründete Tochtergesellschaft soll Ideen entwickeln sowie Übernahmekandidaten und Partner finden, wie ein Jägermeister-Sprecher am Freitag der HAZ sagte. Die Tochter namens M-Venture solle als „eigenständiges Unternehmen innovativ und frei denken“.

Das erste Ergebnis ihrer Suche haben die Niedersachsen schon präsentiert. Seit Anfang Juli sind sie an der kleinen Hamburger Destillerie „Gin Sul“ beteiligt. Die vier Jahre junge Firma zählt zu den bekannteren unter den zahlreichen deutschen Gin-Start-ups. Man werde „gemeinsam viel erreichen und auch voneinander lernen können“, kommentierte Jägermeister-Chef Michael Volke.

Erste Beteiligung der Geschichte

Für Jägermeister sei „es die erste strategische Beteiligung an einem anderen Hersteller“, heißt es in der Pressemitteilung. Es handelt sich also durchaus um eine kleine Revolution in der über 80-jährigen Geschichte des Familienunternehmens. Nun soll M-Venture weitere Partner finden und neue Ideen für das Stammhaus entwickeln. Das „kleine, junge, innovative Team“ könne sich auch auf Themen abseits von Spirituosen stürzen, erklärte der Jägermeister-Sprecher. „Wir werden unser Portfolio aber nicht auf Teufel komm’ raus erweitern“, beschwichtigte er. „Wir gehen behutsam vor.“

Tatsächlich stehen die Wolfenbütteler keineswegs unter Zeitdruck, neue Erlösquellen anzuzapfen. Sie erwirtschaften extrem hohe Margen und haben üppige Reserven. Laut dem jüngsten veröffentlichten Jahresbericht lag der Umsatz 2016 bei rund 510 Millionen Euro – fast 100 Millionen davon blieben als Gewinn hängen. Doch der Absatz steigt nicht mehr so schnell wie früher. Weltweit sind nicht mehr allzu viele Länder übrig, in denen es noch keinen Jägermeister gibt.

Die Ideenschmiede bleibt in der Heimat

Und die Konzentration auf Kräuterlikör macht die Wolfenbütteler anfällig für wechselnde Geschmäcker. Aktuell haben sie nur drei Marken im Portfolio: den klassischen Jägermeister, eine Premium-Variante davon sowie „Schlehenfeuer“ – einen Likör, der fast nur in ihrer Heimatregion getrunken wird.

Nicht nur Jägermeister, auch viele andere Mittelständler gründen zurzeit Ableger, die mit Start-ups zusammenarbeiten und neue Ideen ausprobieren. So hat zum Beispiel auch Bahlsen mit „Hermann’s“ einen Außenposten, der Innovationen aufspüren soll, die vielleicht erst in 10 oder 20 Jahren relevant fürs Stammhaus werden. Es gibt aber einen Unterschied: Viele Firmen bauen ihre Ideenschmieden nicht in ihrer Heimatstadt, sondern in der Start-up-Metropole Berlin (wie Bahlsen) oder gleich direkt im Silicon Valley. Hauptsache, nah an jungen Zielgruppen und weit weg vom Alltagstrott in der Zentrale. M-Venture hingegen sitzt in Wolfenbüttel.

Von Christian Wölbert

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