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Wirtschaft Markt für Winterreifen spielt verrückt
Nachrichten Wirtschaft Markt für Winterreifen spielt verrückt
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13:19 03.06.2013
Von Lars Ruzic
Winterreifenmontage bei der Conti-Tochter Vergölst in Hannover: So manches Modell ist bereits nicht mehr zu haben.
Winterreifenmontage bei der Conti-Tochter Vergölst in Hannover: So manches Modell ist bereits nicht mehr zu haben. Quelle: Zimpel
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Die Hersteller wiederum können kaum noch nachliefern, da sie bereits voll in der Sommerreifenproduktion stecken. Und selbst das, was Continental und Co. noch dazwischenschieben können, ist längst verkauft.

„Die Lage hat Einzigartigkeitscharakter“, sagt Frank Schuhardt, Finanzvorstand von Delticom, Europas größtem Online-Reifenhändler. „So etwas habe ich in Jahrzehnten bei der Conti nicht erlebt“, umschreibt es Betriebsrat Bruno Hickert, Vorsitzender des für Reifen zuständigen Wirtschaftsausschusses im Konzern. „Es ist fast schon beängstigend.“ Inzwischen muss so mancher Kunde für seinen Wunschreifen deutlich tiefer in die Tasche greifen. Bedingt durch die Knappheit seien die Endverkaufspreise „europaweit in den letzten Tagen überdurchschnittlich angestiegen“, berichtete die börsennotierte Delticom – um gleich ihre Gewinnprognose zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit anzuheben. Jetzt erwarten die Hannoveraner für 2010 gut 40 Prozent mehr Gewinn als noch vor zwei Wochen.

„Die Händler machen jetzt das Geschäft ihres Lebens“, heißt es in der Branche. Gleichzeitig sind sie auch diejenigen, die den Frust der Kunden hautnah zu spüren bekommen. „Wir können derzeit einfach nicht jeden Wunsch erfüllen“, räumt Schuhardt ein. Besonders prekär sei die Lage bei Pneus für Geländewagen und Familienvans, heißt es bei Conti. Aber auch Reifen für ältere Generationen der Golf-Familie seien schwer zu bekommen.

Die Gründe für das Ungleichgewicht liegen nicht allein in der novellierten Winterreifenpflicht und dem europaweiten Kälteeinbruch. Die Händler hatten bereits im vergangenen, langen Winter die Läger leerverkauft und deshalb im Frühjahr kräftig nachgeordert. Sie waren allerdings darauf eingestellt, dass sich die Verkäufe des Vorjahres nicht wiederholen würden. Die Hersteller wiederum kürzten in der Krise die Kapazitäten – wie etwa die Conti mit der Schließung des französischen Werks Clairoix. „Die wären froh, wenn sie das jetzt noch hätten“, sagt ein Beteiligter.

Die verbliebenen Conti-Standorte – in Deutschland Korbach und Aachen – arbeiten längst an der Kapazitätsgrenze. „Wir haben keine Lücken mehr“, so Hickert. Auch für das komplette Jahr 2011 sei bereits ein Rund-um-die-Uhr-Betrieb geplant, berichtet der Aachener Betriebsratschef. Schließlich müssten auch die vielen Neuwagen ausgestattet werden, die die Autohersteller planten. Und die Winterreifenläger der Händler werden am Ende dieses Winters wohl leerer denn je sein.